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Rudi Maier ist Falkner im Wildpark Poing. Weil es sich um einen Notfall handelte, brachte ein Hohenlindener einen schwer verletzten Turmfalken zu ihm. Als sich Maier um das Jungtier kümmern konnte, war es aber bereits tot.

Tier-Tragödie

Rettungsaktion ohne Happy End

Hohenlinden/Poing- Familie Wimmer aus Hohenlinden findet einen schwer verletzten Falken und bringt ihn zum Wildpark nach Poing. Leider zu spät für das Tier.

Dies hier hätte eine so nette Tiergeschichte werden können. Eine sogar mit einem glücklichen Ausgang. Mit einem „Happy End“. Es hätte die Geschichte von einem kleinen Falken sein können, der nach einer schweren Verletzung von tierlieben Menschen eingefangen und zu Fachleuten gebracht wurde, die ihm dann das Leben retteten und ihn hegten und pflegten.

Aber leider gibt es diesen glücklichen Ausgang nicht. Der junge, einjährige Turmfalke, von dem hier geschrieben wird, ist tot.

Was war passiert? Am Donnerstag war’s im Garten der Familie Wimmer in Kronacker bei Hohenlinden. Hausherr Ludwig Wimmer hörte dort das laute und immerwährende Schreien zweier Falken. „Ich habe mir erst nichts dabei gedacht“, sagt er. War dann aber um so aufmerksames, als sich das Ganze am Freitagvormittag wiederholte und auch am Nachmittag noch nicht aufhörte. Nicht einmal vom laufenden Rasenmäher ließen sich die beiden vermuteten Greifvogel abhalten.

Wimmer bat schließlich seinen Sohn Christian, einmal genauer nachzuschauen. Und der fand dann, in etwa 1,5 Metern Höhe in einem Apfelbaum, neben dem schon gesichteten großen auch einen kleinen Turmfalken. Das Schreien, sagt Wimmer, habe sich da schon wie ein Hilferuf angehört. Vergleichbar vielleicht mit dem Rufen einer besorgten Mutter oder eines Vaters.

Christian Wimmer sah sofort, dass der kleine Falke eine schwere Fußverletzung davongetragen hatte. Einer der sonst eher gelben Fänge, so heißen die Füße der Falken, war bereits schwarz, die Krallen waren wie verkrampft zusammengezogen. Der 49-Jährige versuchte deshalb, das verletzte und offenbar leidende Tier zu fangen. Doch der Turmfalke entwischte ihm und flog Richtung Weberbuckel, ohne dabei aber wirklich an Höhe zu gewinnen.

Obwohl sich der kleine Freund dort am Boden niederließ, gelang es dem Hohenlindener nicht, Zugriff zu bekommen.

Bis sich am Samstag der kranke Gast vom Vortag – auf dem Boden im Carport der Wimmers sitzend – erneut akustisch bemerkbar machte. „Er war noch schlechter beieinander als am Tag zuvor“, berichtet Ludwig Wimmer. Das Tier ließ sich immerhin noch in einen Katzenkorb heben. Ludwig Wimmer kontaktierte danach umgehend einen ihm bekannten Jäger. Der verwies umgehend auf den Tierschutzverein im Landkreis Ebersberg. Und der wiederum leitete den Anrufer weiter an die Vogelklinik nach Oberschleißheim (Internet: www.vogelklinik.de) bzw. nach Riem ins Tierheim. Oberschleißheim aber erschien Ludwig Wimmer von Hohenlinden irgendwie zu weit weg. Außerdem war’s Samstag, also Wochenende.

Kurzentschlossen fuhr er seinen verletzten Gast zum Wildpark Poing, um ihn dort an der Kasse abzugeben. Zuvor hatte Wimmer jedoch mit den Poingern telefonisch Kontakt aufgenommen. Es pressierte schließlich, und der kleine Turmfalke ließ den Kopf bereits ziemlich hängen.

Mit dem Falkner Rudi Maier sah sich schließlich ein echter Fachmann den jungen Vogel an. Und er merkte gleich, dass hier jede menschliche Hilfe zu spät kam. Vermutlich seien es Verbrennungen gewesen, möglicherweise sei der Falke in eine Stromleitung geflogen. „Außerdem machte er einen verhungerten Eindruck“, berichtete der Falkner auf EZ-Nachfrage.

Der Wildpark sei, so betont Rudi Maier weiter, keine offizielle Auffangstation. Hier habe man Hilfe nur deshalb in Aussicht stellen können, weil es Wochenende gewesen sei und ein Notfall vorgelegen habe. Offizielle Auffangstellen für verletzte Vögel wie einen Falken gebe es dagegen in Sauerlach (Ansprechpartner: Alfred Aigner; siehe auch http://www.tierschutzverein-penzberg.de) oder in Freising (Ansprechpartner Willi Holzer; http://freising.lbv.de/kontakte.html).

Hätte der kleine Falke aus Kronacker überlebt, hätte er, Maier, ihn umgehend weitergegeben nach Freising. Für Ludwig Wimmer hätte es noch die Optionen gegeben, einen Tierarzt zu verständigen oder aber die Polizei. Das Leben des Jungfalken hätte man aber so oder so wohl nicht mehr retten können.

Im Raum München sind entsprechende Versorgungsmöglichkeiten für verletzte Greifvögel derzeit nicht in einem ausreichenden Maße vorhanden, sondern werden gerade erst geplant, so der Poinger Falkner sinngemäß. Außerdem ist die Rechtslage insgesamt nicht wirklich unkompliziert. Rudi Maier berichtet, dass es nicht einmal erlaubt gewesen wäre, den unter glücklicheren Umständen geretteten Falken zum Beispiel zum Zwecke der Wiedergenesung auf seinem Falknerplatz inmitten des Poinger Wildparks zu trainieren.

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