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Sylvia und Theo Wientjes wohnen seit 18 Jahren in Birkach. Seit ein paar Jahren haben sie Ärger. Ein Unbekannter hat systematisch zahllose Pflanzen mit Glyphosat vernichtet. Erstmals hat die Polizei nun einen konkreten Anhaltspunkt.

Nachbarschaftsstreit eskaliert 

Dem Giftsprüher von Hohenlinden auf der Spur

Familie Wientjes aus Hohenlinden steht vor einem Rätsel: Seit Jahren beschädigt und vernichtet ein Unbekannter ihre Pflanzen im Garten. Die Polizei ermittelt.

Als sich die Eheleute Sylvia und Theo Wientjes 1998 entschlossen, aus dem Münchner Ortsteil Neuried nach Hohenlinden in den beschaulichen Ortsteil Birkach zu ziehen, schufen sich beide nicht nur ein neues Heim, sondern zugleich auch im großen Garten rundherum die Grundlage für ein nicht gerade alltägliches Hobby: Das Paar widmete die freie Zeit vornehmlich den Fuchsien. Von einer systematischen Zucht wollen sie nicht sprechen. Dass das Nachtkerzengewächs ihnen aber irgendwie ans Herz gewachsen ist, kann man gar nicht übersehen. Geschätzte über 200 Blumentöpfe sind alleine mit Fuchsien verschiedener Art bepflanzt und umringen formlich ihr Anwesen.

Fuchsia, wie sie wissenschaftlich heißt, hält die Wientjes auf Trab. „Sie ist arbeitsintensiv, jeden Tag ist Pflege nötig“, sagt Theo Wientjes (73). Verblühtes, doziert er weiter, müsse schnell herunter, ansonsten sei der Fortbestand gefährdet. Das aber käme ihm und seiner Frau (72) so vor wie ein Stich ins Gartler-Herz.

Um so entsetzter waren die Eheleute, als sie vor ziemlich genau drei Jahren erhebliche Schäden an ihrer Fuchsiensammlung sowie an einer Hecke auf eigenem Grund zur Kenntnis nehmen mussten; und zwar an der Ostseite ihres Anwesens. Was zunächst ein Einzelfall zu sein schien, entpuppte sich letztlich jedoch als Dauerärgernis. Im Juli 2014 gab es weitere Beschädigungen im Blumenbeet und im Gewächshaus, wo sie etwa Tomaten und Gurken für den Eigenverzehr züchteten und noch weiter züchten. Eine Buchshecke wurde plötzlich braun, und wieder traf es die geliebten Fuchsien.

Für die Wientjes bekamen spätestens danach einige andere Vorfälle aus der Zeit davor plötzlich eine neue Bedeutung. Zweimal, im Winter 2005 und 2007, wurde ihnen während eines Urlaubs bereits der Wetterhahn gestohlen. Im Februar 2010 sägte ein Unbekannter einen ihrer Walnussbäume um; im Dezember 2014 nochmals. Die Geschädigten sprechen inzwischen von richtigen „Attentaten“.

Die Angriffe auf ihre Pflanzen nahmen jedoch kein Ende. Das Paar hat weitere, offenbar mutwillige Beschädigungen im Juni 2015 und zuletzt am 7. Juli 2016 protokolliert, wobei der unbekannte Verursacher auch nicht davor scheute, das Grundstück zu betreten. Die Opfer: wieder ein Walnussbaum, wieder eine Buchshecke, dazu einige Koniferen.

Die Wientjes haben längst eine Vermutung: Ihre zerstörten Pflanzen wurden mit einem Spritzmittel „behandelt“, das wohl ähnlich wie das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat wirke und alles Grüne welken lasse.

Viermal brachten die Birkacher die Vorfälle bereits bei der Polizei in Ebersberg zur Anzeige. Deren Ermittlungen führten jedoch in keinem Fall zur Ermittlung eines Verantwortlichen, geschweige denn zu einer Überführung. Die Angelegenheiten wurden jeweils wieder eingestellt. Die PI Ebersberg bestätigte auf Anfrage der EZ entsprechende Anzeigen aus den Jahren 2007, zweimal 2014 und 2015 jeweils gegen unbekannt.

Etwa 80 Fuchsien sind inzwischen eingegangen, eine Buchshecke musste entfernt werden. Stattdessen stellten die Wientjes auf gut 30 Metern Länge eine Bretterwand auf – als Abgrenzung zum direkten Nachbarn, den sie jedoch ausdrücklich nicht als Verursacher der Pflanzenattentate verantwortlich machen. Theo Wientjes rechnet, dass ihm durch die Vorkommnisse der letzten rund zehn Jahr gute 30 000 Euro Schaden entstanden sind. „Wir fühlen uns unmittelbar bedroht und fürchten inzwischen um Leib und Leben, denn es wurden ja auch von uns angebaute und zum Verzehr gedachte Früchte wie Äpfel, Johannisbeeren, Tomaten, Gurken und Kürbisse vernichtet“, sagen beide.

Längst haben sie einen Verdacht, von dem auch die Polizei weiß. Und inzwischen gibt es erstmals auch einen konkreteren, für die Wientjes im Idealfall vielversprechenden Anhaltspunkt. Vom bislang jüngsten Vorfall heuer am 7. Juli existiert nämlich eine fast siebenminütige Videoaufzeichnung von einer eigens im Eingangsbereich installierten Überwachungskamera. Weil die den Vorschriften entsprechend, wie die Wientjes betonten, so ausgerichtet ist, dass fremdes Areal nicht überwacht wird, zeigt der Film lediglich die Beine und den Teil des Rumpfes eines Mannes, der mit einer weißen Tüte oder einem Beutel in der Hand ums Haus zu schleichen scheint.

Auch wenn ein Täter nicht eindeutig und damit gerichtsverwertbar zu identifizieren ist, gibt das Video der Polizei Ebersberg nunmehr konkretere Anhaltspunkte als die Vorgänge zuvor. Zum ersten Mal gibt es einen Ansatzpunkt, einen Hinweis auf einen Täter, heißt es. Der stellvertretende Dienststellenleiter, Polizeihauptkommissar Gerhard Freudenthaler, bestätigt, dass inzwischen ein von den Wientjes seit jeher verdächtigter Nachbar als Zeuge geladen und in Ebersberg auch befragt worden sei. Über den Verlauf dieser Befragung darf Freudenthaler keine Angaben machen. Der Hohenlindener Polizeibeamte weist aber darauf hin, dass die jüngste Anzeige inzwischen samt dem Videomitschnitt an die Staatsanwaltschaft München II gegangen ist. Es sei nun deren Sache, den Vorgang zu beurteilen, so Freudenthaler.

Die Wientjes haben sich in ihrer Not entschieden, ihren Fall öffentlich zu machen. Der BR hat bereits einen Beitrag im Fernsehen gesendet (Abendschau vom 9. September). Als eine womöglich noch wertvolle Reaktion vom TV-Publikum bekamen sie aus Hessen einen Hinweis, dass es sich bei dem eingesetzten Pflanzenschutzmittel mit hoher Wahrscheinlichkeit um das Produkt „Vorox“ der Firma Compo handelt. Das ist ein Unkrautvernichter, der ganz normal im Baumarkt oder Fachhandel gekauft werden kann und bei sachgemäßer Anwendung in einer nur sehr starken Verdünnung zum Einsatz kommt. Theo Wientjes, der eigentlich aus der Gegend von Emden in Ostfriesland stammt, berichtet: „Wir haben das Mittel gekauft und ausprobiert.“ Mit, wie er sagt, dem Effekt, dass man an den besprühten Pflanzen exakt das Schadensbild erzeugen konnte, das ihm schon seit Jahren vertraut ist.

Wie geht es nun weiter in Birkach? Inzwischen setzt das Rentnerpaar auf zweierlei: Dass die Staatsanwaltschaft endlich erfolgreich einen Täter überführen kann und dass durch die Veröffentlichungen im Fernsehen und in der Lokalpresse ein gewisser Abschreckungseffekt eintreten möge. Sylvia Wientjes, die seit vielen Jahren aktiv im örtlichen Gartenbauverein mitmacht: „Dies ist vermutlich unsere einzige Chance, den Täter dingfest zu machen oder ihn wenigstens dazu zu bewegen, uns endlich in Frieden zu lassen. Wir sind uns nämlich keiner Schuld bewusst, hier in unserer Umgebung jemanden etwas Böses angetan zu haben“.

Jörg Domke

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