+
Fahren einen eigenständigen Kurs – und das mit großem Erfolg (v.l.): Vorstand Johann Stadler, Aufsichtsratsvorsitzender Franz Bittner und Vorstand Jürgen Gleißner.

Kein Geldautomat, aber viel Selbstbewusstsein

Rebellion der Alxinger Bonsai-Bank

Bruck  - Es hört sich an wie eine kleine redaktionelle Änderung, aber es ist eine kleine Rebellion. Bei der Generalversammlung haben die Mitglieder der Raiffeisenbank Alxing-Bruck einstimmig eine Namensänderung beschlossen. Das steckt dahinter.

Die Bonsai-Bank mit angeschlossenem Warenhaus im idyllischen Alxing, die jetzt Alxing-Brucker Genossenschaftsbank heißt, will nicht mehr, dass der Verband der Genossenschaftsbanken im Landkreis für sie spricht.

Das Institut will unter seinem neuen Namen seinen alten Prinzipien treu bleiben. Und dazu gehört, dass Vorstand Jürgen Gleißner „ausgeschlossen“ hat, der Kundenstamm der Bank werde künftig mit Negativzinsen für Einlagen belastet . „Das gilt auch für neue Privatkunden und Handwerker“, schob Gleißner nach. Das hatte der Sprecher der Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis Ebersberg, Wolfhard Binder, kürzlich im Nachgang zur Bilanzpressekonferenz der Genossenschaftsbanken so deutlich nicht formuliert. Und dass Binder sein Statement vorher nicht mit den Bruckern abgestimmt hat, stieß den Teilnehmern der Generalversammlung beim Wirt in Alxing sauer auf. Auch deshalb wurde „umfirmiert“, wie Gleißner bestätigt. „Damit soll zum einen die Eigenständigkeit unserer Genossenschaft stärker hervorgehoben werden, und zum anderen will man sich klar von angrenzenden Raiffeisen- und/oder Volksbanken differenzieren, deren Geschäftsphilisophie sich nicht mehr mit unserer deckt“, wurden die 79 stimmberechtigten Mitglieder vom Vorstand informiert. Danach hoben alle die Hand für dieses Vorgehen. Die Alxing-Brucker Genossenschaftsbank hat aktuell insgesamt 272 Mitglieder – Tendenz leicht steigend.

Während sich im Bankensektor nicht nur im Landkreis Ebersberg ein Trend zur größeren Einheit erkennen lässt, treten die Brucker mit ihrer Ein-Filialen-Bank den genauen Gegenweg an und sind damit sehr erfolgreich, wie Gleißner betonte. „Während die umliegenden Raiffeisen- und Volksbanken ihre Strategie auf Digitalisierung und Kostenreduzierung durch Filialschließungen, Personalabbau und Fusionen ausrichten, setzt unsere Genossenschaft weiter auf persönliche und individuelle Beratung, bei der die Bedürfnisse der Mitglieder und Kunden im Vordergrund stehen und nicht die kurzfristige Aussicht auf maximale Gewinne“, sagte der Alxinger Vorstand in Richtung der Kollegen von den Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis. Dass sein Haus als „gallisches Dorf“ unter den Banken belächelt wird, findet Gleißner ungerechtfertigt. Und der Erfolg scheint ihm recht zu geben. „So konnten wir entgegen der allgemein rückläufigen Entwicklung des Zinsergebnisses bei den bayerischen Kreditgenossenschaften eine Steigerung um satte 18 Prozent erzielen.“ Man sei mit der Entwicklung der Ertragslage sehr zufrieden.

Die Anforderungen an das Eigenkapital und die Liquidität würden jederzeit eingehalten. Die Eigenkapitalausstattung der Bank entspreche den Anforderungen und erlaube darüber hinaus ein weiter stetiges Geschäftswachstum in den nächsten Jahren. „Die Ertragslage ist zufriedenstellend und übertraf im Geschäftsjahr unsere Erwartungen.“

Der Mut zur kleinen Einheit hat für Gleißner Vorteile: „Das aktuell größte Risiko für die Genossenschaft stellen weiterhin die stark zunehmenden Regulierungs- und Meldevorschriften dar, bei der unsere Struktur als kleine Regionalbank außen vor bleibt.“

In den Filialschließungen der Mitbewerber am Markt erkennt Gleißner weiteres Wachstumspotential, das auch mit wenig Personal bewältigt werden könne. „Wir brauchen nicht so viel Personal, weil bei uns die Vorstände selbst beratend tätig sind und arbeiten.“ Die kleine Bank in der Gemeinde Bruck hat nicht einmal einen Geldautomaten – und das mit voller Absicht. „Wir wollen lieber mit den Kunden ratschen“, sagt Gleißner.

Binder gönnt den Alxingern ihren Erfolg. Sagt er jedenfalls. „Wir haben keinen Ärger mit ihnen. Aber das sind Muskelspiele“, meint er und ist sich sicher: „Die Negativzinsen werden auf lange Sicht auch die kleinen Banken treffen.“ Zur Umfirmierung meint er: „Die Namensgebung ist frei wählbar."

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Die 100 schönsten Familien-Erlebnisse in Bayern</center>

Die 100 schönsten Familien-Erlebnisse in Bayern

Die 100 schönsten Familien-Erlebnisse in Bayern
<center>Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?</center>

Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?

Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?
<center>Münchner Kalenderblätter</center>

Münchner Kalenderblätter

Münchner Kalenderblätter
<center>Entdecke Oberbayern!</center>

Entdecke Oberbayern!

Entdecke Oberbayern!

Meistgelesene Artikel

Lidl-Markt soll umziehen

Anzing - Der Anzinger Gemeinderat hat nun doch beschlossen, direkt neben dem Friedhof Gewerbe anzusiedeln. 
Lidl-Markt soll umziehen

Bauchlandung für Wirtschaftsförderer

Grafing – Die Stadt Grafing braucht dringend einen Wirtschaftsförderer. Standortmarketing ist mehr denn je nicht mehr beliebig. Da waren sich alle Fraktionen im Stadtrat …
Bauchlandung für Wirtschaftsförderer

Trinkwasser wird teurer

Poing - Neue Leitungen, neue Brunnen: Wasserversorgung ist teuer. Deshalb dreht die „gKU VE München-Ost“ jetzt an der Preisschraube. 
Trinkwasser wird teurer

Rüzgar aus Hohenlinden

Ab jetzt zu viert ist Familie Akyildiz aus Hohenlinden. Sohnemann Rüzgar hat am 1. Dezember in der Kreisklinik Ebersberg das Licht der Welt erblickt. Der neue …
Rüzgar aus Hohenlinden

Kommentare