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Glüclklich an seinem neuen Arbeitsplatz: Nach einer schweren Herzerkrankung schulte Andreas Czogalla (41) beim Berufsförderungswerk in Kirchseeon um. Heute ist er Arbeitspädagoge bei der Lebenshilfe.

Kirchseeoner Umschüler Andreas Czogalla

Herz mit Defi für Menschen mit Behinderung

Kirchseeon - Andreas Czogalla hat eine schwere Zeit hinter sich. Der 41-jährige Handwerker und Familienvater erkrankte 2012 an einer Herzmuskelentzündung. Seine Herzleistung lag nur noch bei 22 Prozent. Er musste sich einen neuen Beruf suchen. Kein leichter Weg, aber er hat sich gelohnt.

Aufgedreht und voller Enthusiasmus stürmen etwa 20 junge, geistig behinderte Menschen in den Berufsbildungsbereich (BBB) der Lebenshilfe Werkstatt in München. Andreas Czogalla (41) empfängt die Teilnehmer mit einem freundlichen Lächeln und wirkt sofort beruhigend auf sie ein. Langsam und eindringlich erklärt er ihnen, dass die Pause nun vorbei sei und die nächste Arbeitsschiene beginne. Im Werkbereich soll heute ein Wasserflugzeug nach Bauplan fertiggestellt werden.

Czogalla ist ausgebildeter Arbeitspädagoge und seit Januar 2016 einer von drei Gruppenleitern im BBB. Seine handwerklichen Fähigkeiten bringt der gelernte Gas- und Wasserinstallateur gerne zum Einsatz. „Am meisten Spaß habe ich im Werkbereich“, sagt er. Schwere körperliche Arbeiten könne er aber nicht mehr ausüben. „Da spielt das Herz nicht mit.“ Infolge verschleppter Erkältungen erlitt Czogalla 2012 eine Herzmuskelentzündung. „Meine Herzleistung lag nur noch bei 22 Prozent“, erzählt der fünffache Familienvater. Nachdem ihm ein Defibrillator eingesetzt wurde, konnte sich sein Herz langsam erholen. Nach zwei Jahren und einer langen medizinischen Reha kam er allmählich zurück zu Kräften.

Doch die Erkrankung riss den damals 37-Jährigen auch mitten aus seinem Beruf. „Ich war knapp 20 Jahre lang Handwerker mit Leib und Seele“, erinnert er sich. „Frührente kam für mich nicht in Frage.“ Im Berufsförderungswerk (BFW) in Kirchseeon absolvierte er eine Berufsfindung und Arbeitserprobung. Als alternatives Berufsziel wurde ihm die Ausbildung zum „Arbeitspädagogen“ empfohlen, wovon er schnell überzeugt war. „Ich wollte gerne mit Menschen arbeiten.“ Der Umgang mit behinderten Menschen war ihm bereits aus dem Privatleben bekannt: einer seiner Söhne leidet an einer Lernbehinderung, ein Onkel sitzt im Rollstuhl.

Im Juni 2014 begann Czogalla die 18-monatige Umschulung in Kirchseeon. „Die größte Herausforderung für mich im BFW war es, das Gesamtpaket aus Ausbildung und Familie zu händeln. Das Problem war nicht das Lernen an sich – das lernt man.“, erzählt er. Eine mindestens einstündige Pendelfahrt zweimal täglich nahm er in Kauf: „Ich bin nun mal Familienmensch und daher am liebsten Heimschläfer“, sagt er. In stressigen Lernphasen merkte er die Anspannung gesundheitlich durchaus. Dank „Defi“ und Medikamenten bleibt sein Herz aber bis heute stabil. Während der Umschulung leistete Czogalla drei seiner externen Praktika bei der Lebenshilfe Werkstatt in München. Er überzeugte mit seinen Kompetenzen und wurde erfolgreich in Festanstellung übernommen.

Im Berufsbildungsbereich der Lebenshilfe werden verschiedene Testungen mit geistig behinderten Menschen durchgeführt. Dabei soll ihr Potenzial erkannt und herausgefunden werden, welche Fähigkeiten sie mitbringen, um für sie den bestgeeigneten Arbeitsplatz zu finden. Während der 24-monatigen Testphase arbeiten die Teilnehmer in verschiedenen Bereichen. In der Verpackungsabteilung sortieren sie Schrauben oder füllen eine bestimmte Anzahl in Plastiktüten ab. Außenarbeitsgruppen halten beispielsweise die Wege im Tierpark sauber. Und im Werkbereich wird u.a. das Feilen von Holz geübt, sodass z.B. Wasserflugzeuge entstehen.

„Wir sind Assistenzgeber für die Teilnehmer“, erklärt Czogalla. „Wir bieten ihnen Unterstützung bei der Arbeit.“ Die Gruppenleiter beobachten, wie sich die Konzentration und Ausdauer der Teilnehmer entwickelt. Außerdem geben sie gezielte Schulungen und trainieren die Selbstständigkeit. „Jeder Einzelne muss individuell gefördert werden“, sagt Czogalla. Ziel sei es, den Teilnehmern Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein mitzugeben. An seiner Tätigkeit als Arbeitspädagoge hat er Freude. „Jeder Tag ist anders“, sagt er und fügt hinzu: „Die Umschulung in Kirchseeon war quasi meine „Lebenshilfe".

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