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Klostersee droht Giftwelle

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Von: Michael Seeholzer

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Abgestorben: Das Feld am Egglburger See. © sro

Ebersberg - Im Landschaftsschutzgebiet am Egglburger See (Landkreis Ebersberg) werden potenziell krebserregende Pflanzenschutzmittel verwendet, vor denen der Bund Naturschutz warnt. Besonders heikel: Der Abfluss des Sees führt in den Badesee Ebersbergs.

Die Idee klang lange Jahre verdächtig gut: Mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat werden alle Pflanzen abgetötet. Dann lässt sich das Feld leichter pflügen und ansäen.

Weil alle Unkräuter als „Mitesser“ entfernt sind, wachsen die Nutzpflanzen besser, die jetzt alleine die vorhandenen Nährstoffe aufbrauchen können. Damit aber auf dem vergifteten Boden überhaupt Nutzpflanzen wachsen, müssen sie vorher gegen das Gift immun gemacht werden. Das geht z.B. mit Gentechnik.

Die große Frage ist: Hält der Mensch das auf lange Sicht aus? Der Arbeitskreis Gentechnik des Bund Naturschutz hat da höchste Bedenken. Deshalb haben die Naturschützer einen Appell zum freiwilligen Verzicht gestartet.

In einer Verwertungsbeschränkung der Landesanstalt für Landwirtschaft vom 27. April scheint ihnen Recht zu geben. Dort wurde gewarnt, das Schnittgut von vorher mit Glyphosat behandelten Feldern an Tiere zu verfüttern. Das steht im Gegensatz zur bisherigen Lehrmeinung.

Der Arbeitskreis Gentechnik will sich viel Arbeit machen: „Es werden alle Gemeinden im Landkreis angeschrieben und gefragt, ob in ihrem Wirkungsbereich Spritzmittel verwendet werden“, kündigt Klaus Schlöffel an. Der Arbeitskreis geht noch einen Schritt weiter: „Für Spritzmittel mit Glyphosat wird ein sofortiges Verbot gefordert. Von Glonn, Kirchseeon und Pliening wissen wir bereits, dass keine chemischen Mittel auf öffentlichen Flächen verwendet werden, für die die Gemeinde zuständig ist.“ Ein Anfang wäre damit gemacht.

Weltgesundheitsorganisation: "Glyphosat wahrscheinlich krebserregend"

Nicht alle glauben, dass der Einsatz von Glyphosat eine Gefahr darstellt. Es wird im Landkreis tatsächlich verwendet - zum Beispiel auf einem Feld „nördlich der Apfelbaumallee, östlich der Eichenallee im Landschaftsschutzgebiet am Egglburger See“. Das berichtet Rosemarie Will, Stadträtin der Grünen in Ebersberg.

Sie hat ein Foto gemacht von einem Feld, das aussieht wie nach einer langen Dürre. Sie ist in Sorge, dass das Mittel „wahrscheinlich krebserregend“ ist. Noch ist es nicht verboten, die Bauern, die Glyphosat verwenden, tun das nicht illegal.

Das bestätigt auch das Landratsamt Ebersberg. „Nicht alles, was erlaubt ist, muss ein Landwirt tun“, sagt Behördensprecher Norbert Neugebauer. Die Kreisbehörde „bedauert jedweden Einsatz von Pestiziden, insbesondere den von Glyphosat.“

Matthias Mitterreiter, am Amt für Landwirtschaft in Rosenheim überregional für den Pflanzenbau auch im Landkreis Ebersberg zuständig, geht davon aus, dass auf der betreffenden Fläche tatsächlich Glyphosat zum Einsatz gekommen ist. Die neue Verwertungsbeschränkung, so informiert er, gelte besonders für Glyphosate, die Tallowamine enthalten.

Die würden zum Beispiel auch in der Kosmetikindustrie verwendet werden, weil sie die Aufnahme von Stoffen durch den menschlichen Körper erleichtern. „Ursache für diese neu erteilten Auflagen sind Bedenken hinsichtlich der Toxizität“ dieser Stoffe, so das Landesamt.

Es gebe noch keine ausreichenden Belege für Gefährlichkeit oder Unbedenklichkeit der Tallowamine, sagt Mitterreiter sinngemäß. Das klingt ein bisschen nach Feldversuch, so wie er beim Spritzmittel Atrazin stattfand, das im Maisanbau schließlich verboten wurde, heute aber noch im Trinkwasser nachweisbar und auch krebserregend ist. „Das kann man nicht vergleichen“, sagt Mitterreiter.

Die Naturschützer sind trotzdem alarmiert, vor allem auch durch die Feststellung der Weltgesundheitsorganisation, dass „Glyphosat wahrscheinlich krebserregend“ ist.

Will: „Am Egglburger See wird das Gift durch die abfallende Hanglage über das angrenzende Rapsfeld in den Egglburger See gespült, dessen Abfluss in den Klostersee, den Badesee Ebersbergs, läuft.“

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