+
Blick auf das idyllisch gelegene Berganger (Gemeinde Baiern) von Georgenberg aus. Eine geplante Kiesgrube stört derzeit den Dorffrieden. Anfang September entscheidet der Gemeinderat über das umstrittene Projekt.

Kollektiv gegen Kiesgrube in Berganger

Angst vor dem Loch vor der Haustüre

Berganger - Im Flächennutzungsplan ist dieses Areal als landwirtschaftliche Nutzfläche vorgesehen. Jetzt soll am Ortsrand von Berganger eine Kiesgrube daraus werden. Das sorgt für Widerstand. Es gab bereits eine Unterschriftenaktion.  Wie geht es jetzt weiter?

Die Bürger fürchten um ihre Lebensqualität und auch um den Wert ihrer Immobilien. Gegenüber der Abzweigung nach Berganger an der Straße von Glonn nach Aßling soll auf einer Fläche von knapp unter fünf Hektar Kies ausgebeutet werden. Es wurde eine Open Petition gestartet bei der 222 Bürger gegen die Maßnahme opponierten. Ihre Argumente: Zerstörung des Landschaftsbildes, massiver Eingriff in die Natur, Feinstaubbelastung, Wertminderung, Lärmbelästigung und höheres Unfallrisiko durch Lastwagenverkehr.

Der Haken an der ganzen Sache: Der Kiesabbau im Außenbereich ist privilegiert, informiert Bürgermeister Josef Zistl, auf Anfrage der Ebersberger Zeitung. Denn man könne diesen Rohstoff nur gewinnen, dort wo er auch vorhanden sei. Deshalb gibt es einen Regionalplan rund um München und seine umliegenden Landkreise, in dem Vorrangflächen zur Kiesausbeute ausgewiesen sind. „Zu diesen Flächen gehört der Grund in Baiern nicht“, weiß Zistl. Also alles in Butter für die Bergangerer?

Der Bauamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Glonn, Reinhard Brilmayer, glaubt nicht, dass das ein Hinderungsgrund ist. Auch, dass das Areal im derzeit geltenden Flächennutzungsplan als landwirtschaftlicher Nutzgrund klassifiziert sei, stünde nicht im Widerspruch zu dem Vorhaben – und das läge an der geringen Ausdehnung der Abbaufläche.

„Regionalplan und Flächennutzungsplan stehen dem nicht entgegen“, schätzt Brilmayer, räumt aber ein: „Wir sind derzeit noch in der Prüfung und ich bin zuversichtlich, dass wir das bis zur Gemeinderatssitzung alles geklärt haben.“

Am kommenden Dienstag, 30. August, findet in Baiern im Gemeindehaus zuerst einmal eine Informationsveranstaltung statt, bei der die betreffende Firma alle Fakten nennen will. Auch das Glonner Bauamt wird einen Vertreter schicken, die Bairer Gemeinderäte sind dabei ebenso wie der Bürgermeister, der derzeit in Urlaub am Neusiedler See ist.

„Ich bin froh, wenn jetzt einer mal sagt, was Sache ist“, meint Peter Zeidler, einer derjenigen, die sich gegen den Kiesabbau engagiert haben. Auch er setzte seine Unterschrift unter die Petition gegen die Maßnahme im Nordwesten von Berganger. Sollte der Kiesabbau dennoch kommen, würden die Bergangerer die Beeinträchtigungen für mindestens acht bis zehn Jahre hinnehmen müssen – vielleicht sogar auch länger. Denn die Gegner befürchten, „dass es vermutlich nicht bei dieser einen Grube bleibt über Jahre, sondern dann anschließend weitere, angrenzende dazukommen werden.“ Das wäre tatsächlich eine Option.

Die Gemeinderäte haben aber ein Instrumentarium zur Hand, das sie bis jetzt nicht genutzt haben. Sie könnten „Vorrangflächen für den Kiesabbau“ in ihren Flächennutzungsplan installieren und die Maßnahmen so steuern. Eine reine Verhinderungsplanung ist dagegen gesetzlich nicht erlaubt.

Man muss aber kein Prophet sein um vorherzusagen, dass die Ausweisung dieser neuen Flächen bestimmt auch nicht ohne den Widerstand der neu Betroffenen abgewickelt werden könnte. Umso ehrlicher ist der Hinweis in der Information zur Open Petition von Boris Kornetzky, in der er schreibt: „Viele von uns haben gebaut, und zum Hausbau benötigen alle Kies und Beton. Das ist eine Tatsache.“ Der Gesamtschaden, der durch den Kiesabbau in Berganger entstehe, sei „für die Einwohner der Gemeinde unverhältnismäßig groß.“

In der Gemeinderatssondersitzung am Dienstag, 6. September, wird eine Entscheidung fallen.

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution
<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch
<center>Gackerl im Gläschen</center>

Gackerl im Gläschen

Gackerl im Gläschen

Meistgelesene Artikel

Ebersberger löst Massenkarambolage auf der Autobahn aus

Landkreis - Gleich mehrere Unfälle auf einmal verursachte ein Aussetzer eines 51-Jährigen aus dem Landkreis Ebersberg am Donnerstagnachmittag auf der A 92 am …
Ebersberger löst Massenkarambolage auf der Autobahn aus

Neuverschuldung nicht elf, sondern 6,3 Mio. Euro

Markt Schwaben - Wie steht es um die Finanzen der Gemeinde? Es gibt heuer weniger Gewerbesteuereinnahmen, dafür aber mehr Einkommensteueranteile. 6,3 Mio. Euro Kredite …
Neuverschuldung nicht elf, sondern 6,3 Mio. Euro

Vandalen zerstören Jägerstände im Ebersberger Forst

Ebersberg – Hier waren wohl wütende Jagdgegner am Werk: Elf Hochsitze haben unbekannte Täter rund um das Forsthaus Hubertus im Ebersberger Forst gewaltsam umgerissen.
Vandalen zerstören Jägerstände im Ebersberger Forst

Vaterstetten: Denkaufgabe unter Nachbarn

Vaterstetten - Vaterstetten ist sauer auf Haar. Die Großgemeinde im Landkreis Ebersberg fühlt sich bei den Planungen des Nachbarn für ein Gewerbegebiet nahe der …
Vaterstetten: Denkaufgabe unter Nachbarn

Kommentare