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„Wenn das durchgeht, werden 40 bis 50 Prozent der Apotheken nicht mehr existieren können“, befürchtet der Ebersberger Apotheker Peter Hiebel.

Ist billiger wirklich besser?

Apotheker im Landkreis Ebersberg fürchten um ihre Existenz

Landkreis - Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Medikamenten-Preisbindung geht bei den Ladenapotheken auf dem Land die Angst um.

Sie befürchten: Die große Politik könnte sich verheerend auf die Medikamentenversorgung in den kleinen Städten und Gemeinden auswirken. Brandaktuell ist diese Sorge wegen eines Grundsatzurteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), wonach die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente, wie sie bislang in Deutschland gilt, nicht rechtens ist.

Konkret heißt das: Ausländische Versandapotheken wie die niederländische „DocMorris“ können wohl künftig Medikamente über den Internetversand günstiger verkaufen als die Ladenapotheken vor Ort. Denn für diese gilt die Preisbindung nach deutschem Recht weiterhin.

"Massive Benachteiligung für die deutschen Apotheken"

„Eine massive Benachteiligung für die deutschen Apotheken“, findet Peter Hiebel, Inhaber der Ebersberger Marien-Apotheke. „Wenn das durchgeht, werden 40 bis 50 Prozent der Apotheken nicht mehr existieren können.“

Der Poinger Apotheker Josef Holzheu-Riedl ist überzeugt, dass schon jetzt viele Apotheken an der Schmerzgrenze wirtschaften. Der Apothekerberuf sei längst nicht mehr attraktiv, sagt er, mit Blick auf die Apotheke im benachbarten Hohenlinden. Diese steht vor dem Ende, weil sich kein Nachfolger für Betreiber Uwe Scheerschmidt findet, der Ende November in Rente geht.

Die Angst vor dem Preiskampf

Als Konzequenz aus dem EuGH-Urteil die Preisbindung in Deutschland abzuschaffen, hält der Poinger aber für den falschen Weg. „Das gäbe ein Hauen und Stechen“, befürchtet er einen vernichtenden Preiskampf. Außerdem gelten zum Beispiel in den Niederlanden nur sechs Prozent Mehrwertsteuer für Medikamente, in Deutschland sind es 19 Prozent – ein ungleicher Wettbewerb und Steuern, die dem deutschen Fiskus entgehen würden. Holzheu-Riedl hat deshalb eine eindeutige Haltung: „Der Gesetzgeber sollte den Onlinehandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten verbieten.“

Der schlimmste Fall: großflächiges Apotheken-Sterben

Holzheu-Riedl und sein Ebersberger Kollege Hiebel sind davon überzeugt, dass die Patienten für die billigen Medikamente am Ende einen hohen Preis bezahlen müssten: Den Wegfall der flächendeckenden Beratung vor Ort. Die Ladenapotheken verrichteten zudem Notdienste und mischten individuelle Rezepturen an – unverzichtbare Leistungen, die bislang kaum honoriert würden. „Wir bekommen fünf Euro für das Herstellen einer individuellen Rezeptur“, sagt Holzheu-Riedl. „Kein Handwerker könnte für einen solchen Stundensatz arbeiten.“

Apotheker Hiebel hofft deshalb darauf, dass sich der Gesetzgeber zu einer besseren Vergütung der individuellen Beratungsleistungen durchringt – eine „Win-win-Situation“, wie er findet. Denn auch die Krankenkassen würden an gut beratenen Patienten Geld sparen. Für den Fall, dass das EuGH-Urteil mit der aktuellen deutschen Gesetzeslage zu 100 Prozent umgesetzt wird, befürchtet Hiebel das Schlimmste: „Dann wird es auf dem Land keine Versorgung mehr geben.“

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