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Auch die Banken im Landkreis Ebersberg denken über Negativzinsen nach.

Tabubruch im Gespräch

Negativzinsen werden nicht mehr ausgeschlossen

Landkreis - Geld, wenn welches übrig war, aufs Sparbuch zu legen und dafür Zinsen zu bekommen: Jahrzehntelang war das für die Deutschen normal. Diese Zeiten könnten vielleicht irgendwann vorbei sein, auch für Sparkassenkunden im Landkreis Ebersberg.

Obwohl die Sparzinsen schon lange niedrig sind, schien es bislang eher unwahrscheinlich, dass die Praxis der Strafzinserhebung durch die EZB tatsächlich irgendwann direkt auf die Sparer durchschlagen könnte. Ausschließen möchte die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg das inzwischen aber nicht mehr. Und auch Wolfhard Binder, der Sprecher der Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis Ebersberg will die Möglichkeit nicht verneinen, dass für Einlagen ab einer bestimmten Höhe in absehbarer Zukunft Negativzinsen fällig werden könnten. „Der erste wird die Prügel kriegen. Andere werden nachziehen“, erklärt er die zögernde Haltung der Banken.

In der vergangenen Woche hatte Georg Fahrenschon, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, auf dem 25. Deutschen Sparkassentag gesagt, die Geldinstitute würden zwar „alles tun, um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen – in Teilen auch zu Lasten der eigenen Ertragslage“. Wenn die aktuelle Niedrigzinsphase aber lange andauere, würden die Sparkassen die Kunden nicht davor bewahren können. Torsten Koch, Bereichsleiter Vorstandsstab und Kommunikation im Vorstand der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg, sagte dem Münchner Merkur jetzt, er könne dieser Aussage auch aus Sicht seines Institutes zustimmen. „Man kann nicht seriös sagen, dass es Negativzinsen für Sparkassenkunden nicht geben wird.“

Auch Binder macht die weitere Entwicklung davon abhängig, welche Zinspolitik die Europäische Zentralbank künftig verfolgen wird. Die DZ-Bank habe den Genossenschaftsbanken, deren Zentralinstitut sie bildet, angekündigt, sie ihrerseits mit Negativzinsen zu belasten. Wie sich das auf die Kunden und Sparer der Volksbanken im Landkreis auswirken wird, kann Binder noch nicht abschätzen.

Banken nutzen bei ihnen deponiertes Geld, um damit Kredite zu vergeben und so Gewinne zu erwirtschaften. Beträge, die sie nicht gewinnbringend verleihen konnten, parkten sie in der Vergangenheit gerne kurzfristig bei der Europäischen Zentralbank oder der Bundesbank und erhielten dafür selbst Zinsen. Seit 2014 müssen sie dafür sogenannte Strafzinsen bezahlen. Die Zentralbank will die Banken so dazu bringen, weniger Geld zu parken und mehr Kredite zu vergeben, um mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu bekommen. Das soll das Wachstum ankurbeln. Das klappt nur bedingt, und den Geschäftsbanken fehlen die Einnahmen.

Hält diese Situation an, so die Befürchtung, müssen auch Kunden irgendwann dafür zahlen, ihr Geld auf die Bank zu bringen. Für Großkunden mancher Geldinstitute trifft das bereits zu. Die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg will vorbeugen, indem sie Gewinne den Rücklagen zuführt, um Reserven für schlechtere Zeiten zu haben. Einsparungen macht die Kreissparkasse derzeit beim Personal und beim Service. Bis 2020 sollen 225 Stellen abgebaut werden. Im Juli dieses Jahres werden Mitarbeiter aus 21 Geschäftsstellen abgezogen, in denen dann nur noch Geldautomaten und Service-Terminals zu finden sind. Die Umstellung der Geschäftsstellen habe aber in erster Linie mit der Digitalisierung zu tun, weil immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte über das Internet erledigen würden, so die Bank. Binder hält es für möglich, dass die kleinen Sparer der Genossenschaftsbanken von Negativzinsen weitgehend verschont bleiben und nur größere Beträge erfasst werden, etwa von Firmenkunden. Er weiß aber auch: „Da setzt schnell eine Wanderbewegung ein.“ Mit so einer Situation habe man einfach noch sehr wenig Erfahrung.

Stefan Reich

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