Das Ebersberger Schulamt geht jedem Fall von Schulschwänzen nach, der ihm angezeigt wird. Foto: dpa

Schulschwänzer im Visier

Landkreis Ebersberg - Das gibt es wirklich: Rund 50 notorische Verweigerer werden Jahr für Jahr bei den zuständigen Stellen angezeigt.

Auch im Landkreis Ebersberg gibt es notorische Schulschwänzer. „Aber die Problematik ist hier Gott sei Dank nicht so massiv, wie in anderen Landkreisen“, sagte Bernhard Wacht vom Jugendamt jetzt im Jugendhilfeausschuss des Kreistags. Jeder Fall werde ernst genommen, könne eine Schulverweigerung doch Hinweis auf größere Probleme beispielsweise mit den Eltern sein. Auch das Wohl des Kindes könne gefährdet sein.

Um die Problematik „Schulverweigerung“ im Landkreis Ebersberg realistisch einschätzen zu können, wurden die Zahlen der Schüler, die dem Unterricht unentschuldigt fernbleiben, bei den verschiedenen beteiligten Stellen erhoben. Im Jahr 2014 wurden laut Jugendamt insgesamt 50 Anzeigen wegen Schulpflichtversäumnisse geprüft. Im Jahr 2015 waren es bis zur letzten Abfrage Ende August insgesamt 49 Anzeigen. „Vom Schulamt wird jedem Fall nachgegangen“, so Wach. „Da wird nichts negiert.“

Die Anzeigen kommen laut Landratsamt überwiegend von der Berufsschule St. Zeno, Kirchseeon, und von der Förderberufsschule Schloss Zinneberg. Schwester Christophora Eckl, Leiterin der Jugendhilfeeinrichtung in Zinneberg, erklärte dazu: „Es betrifft in erster Linie Jugendliche aus dem Heim. Das ist ein sehr dynamisches Klientel.“

Ansonsten gehen auch Anzeigen von Grund- und Mittelschulen sowie von Berufsschulen aus dem Münchner Raum im Landratsamt Ebersberg ein. Die Ursachen von Schulverweigerung seien mannigfaltig, so Wach. Das müsse jeweils genau abgeklärt werden. Unter anderem geht es um Depression, geringes Selbstwertgefühl, mangelnde Erziehungskompetenz der Eltern, Drogen oder psychische Auffälligkeiten.

Eine Grauzone stellen laut Wach Schüler dar, die ein ärztliches Attest vorlegen, deren Abwesenheiten vom Unterricht sich aber häufen und deren Eltern das Fernbleiben vom Unterricht legitimieren. Gründe seien sowohl in Bindungsängsten beziehungsweise Verlusten der Sorgeberechtigten, also meist der Eltern, als auch in Überbehütungen zu suchen. In diesen Fällen könne das Schulamt die betreffenden Schüler dem medizinischen Dienst vorstellen, erklärte Wach.

Hier hakte FW-Kreisrat Wilfried Seidelmann ein, Allgemeinmediziner in Kirchseeon. „Häufig kommt ein Kind und sagt: ,Ich habe Bauchweh’. Das zieht sich über Wochen hin und man findet nichts.“

Das könnte aber auch psychosomatische Ursachen haben, so der Mediziner. Hier wünschte sich Seidelmann eine bessere Kooperation mit den Behörden, wies aber gleichzeitig auch auf die ärztliche Schweigepflicht hin.

In Kooperation mit dem Ebersberger Schulamt, verschiedenen Schulleitern und anderen Fachstellen wurde ein Konzept zur Zusammenarbeit in den Fällen erarbeitet, in denen der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung vorliegt. Dieses Konzept soll allen Lehrerkollegien im Landkreis vorgestellt werden, um für das Thema zu sensibilisieren.

Voin Robert Langer

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