Nachgefragt bei Abgeordneten und dem Landrat

Anonyme Drohbriefe: Der Ton ist rau

Landkreis - Unfreundliche Schreiben von anonymen Absendern: Auch die Politiker aus dem Landkreis Ebersberg erhalten manchmal Drohbriefe.

Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, müssen mit heftiger Kritik rechnen; besonders betrifft das Politiker. Die haben meist ein dickes Fell. Doch manchmal bekommen sie Post, die ein Fall für die Polizei ist. Die Ebersberger Zeitung hat bei den bekanntesten Politikern aus dem Landkreis nachgefragt, ob bei ihnen anonyme Drohbriefe eingehen, und wie sie darauf reagieren.

Die Flüchtlingskrise treibt dabei die meisten Briefeschreiber um. Bei Landrat Robert Niedergesäß (CSU), dessen Behörde die Unterbringung und Versorgung der Asylsuchenden organisiert, kommen zu dem Thema immer wieder anonyme Schreiben an.

Per Fax droht ein Unbekannter mit Gewalt

Ein Beispiel: Als „Toleranzgeisteskranken“ beschimpft ein namenloser Schreiber den Landrat. Es sammle sich eine bewaffnete Rechte, droht er per Fax. „Nicht mehr lange“, schreibt der Verfasser, „dann wird aufgeräumt im Land“. Andere Schreiber ergehen sich in rassistischen Beschimpfungen oder breiten Verschwörungstheorien aus.

Der Landrat nimmt die anonyme Post gelassen. „Eher ignorieren“, sei seine Haltung, „weil man eigentlich schon erwarten sollte, dass jeder zu seiner Meinung stehen müsste.“ Sorgen um seine persönliche Sicherheit mache er sich bisher nicht, aber in gravierenden Ausnahmefällen wende Niedergesäß sich an die Polizei, um die Fälle aktenkundig zu machen.

CSU-Abgeordnete: "Keine persönlichen Bedrohungen"

Ähnlich halten es auch die anderen Landkreis-Politiker. Die CSU-Abgeordneten Andreas Lenz (Bundestag) und Thomas Huber (Landtag) haben noch keine persönlichen Bedrohungen erfahren müssen, die sie zu einer Anzeige veranlasst hätten. Stattdessen landen oft Verschwörungstheorien oder politische Anliegen bei den Abgeordneten. „Jemand hatte angeblich die Weltformel gefunden“, nennt Lenz ein Beispiel. Er bemühe sich dennoch um eine möglichst sachliche Antwort.

Auf eine solche müssen anonyme Verfasser bei Huber verzichten, stellt dieser klar: „Derartige unseriöse Anfragen werden von meinem Büro nicht bearbeitet.“ Nachrichten ohne oder mit zweifelhaftem Absender landeten direkt im digitalen oder echten Papierkorb.

SPD-Mann Schurer: "Man braucht als Sozialdemokrat viel gesundes Selbstbewusstsein"

Anders als seine christsozialen Kollegen musste der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer gelegentlich die eine oder andere Drohung über sich ergehen lassen. Er bekomme zwar „überwiegend sehr sachliche und inhaltliche Kritiken“ in seinem Wahlkreis, erklärt er. „Als sozialdemokratischer Mandatsträger braucht man allerdings hier in Oberbayern viel gesundes Selbstbewusstsein.“

Am Rande der Grafinger Leonhardifahrt sei er beispielsweise einmal von einem rechten jungen Mann gehässig als „Sozisau“ beschimpft worden. Seit er im Bundestag sitzt, sei er einige Male schriftlich bedroht worden, aber nur die „ganz schlimmen“ habe er angezeigt.

Per Postkarte zum Wegzug aufgefordert

Postkarte, in der die SPD-Abgeordnete Doris Rauscher zur Ausreise aufgefordert wird.

Seine SPD-Genossin und Landtagsabgeordnete Doris Rauscher scheint weniger anzuecken. Sie berichtet lediglich von einer Postkarte einer rechtsextremen Gruppierung. Auf dieser wird ihr als „Überfremdungsbefürworter“ die Ausreise nach Afrika nahegelegt.

Heftige Kritik mit persönlicher Unterschrift sei dagegen häufiger im Posteingang. Genau wie Schurer sowie die CSU-Politiker aus dem Landkreis Ebersberg betont auch Rauscher, in solchen Fällen in „offenen, konstruktiven Austausch mit dem Verfasser“ zu treten.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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