Nach den Anschlägen der letzten Zeit

Polizei sammelt Punkte - auch im Landkreis Ebersberg

Landkreis - Diese Situation kennt jeder: In schwierigen Situationen muss man Prioritäten setzen. Aber gilt das auch für Polizisten in diesen Zeiten, in denen sich die Meldungen über Anschläge auf unsere Zivilgesellschaft häufen?

„Das Bewusstsein beim Bürger, dass die Polizei doch wichtig ist, wird größer“, schildert Peter Grießer vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord, das für den Landkreis Ebersberg zuständig ist, seine momentanen Erfahrungen. Die Bürger könnten sich sicher sein, „dass wir uns laufend Gedanken machen, wie wir unseren Job erledigen müssen“.

Gedanken gemacht hat sich auch Robert Kopp,  Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Für ihn ist unabdingbar, jetzt „näher am Bürger und seinem Sicherheitsempfinden zu sein“, schreibt er in seinem „Statement zu den aktuellen Ereignissen“. Dazu gehöre aber auch der Mut, „weniger wichtige Dinge temporär zurückzustellen.“

Das ist angesichts der Personalstärke in den beiden Polizeiinspektionen des Landkreises Ebersberg gar nicht anderes möglich. Helmut Hintereder, Chef der Poinger Dienststelle, verweist darauf, dass bei dem Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum in München auch Kräfte aus Poing im Einsatz waren. „Das hat unsere eigene Personallage ausgedünnt. Wir haben das aber hinbekommen.“ Wie? „Wir haben Leute aus der Freizeit geholt.“

Ein bayerischer Polizist schiebt im Durchschnitt 25 Überstunden vor sich her. In der Ebersberger Inspektion sind es 62. Das hat die SPD-Abgeordnete Doris Rauscher zum Anlass genommen, sich bei Innenminister Joachim Herrmann für mehr Personal einzusetzen. Der hält die bayerische Polizei für bestens aufgestellt und verweist darauf, dass es so viele Stellen gebe wie noch nie zuvor.

Kopp ist zwar als Präsident nicht für die Polizeiinspektion Oberbayern Nord zuständig, seine Forderung nach „noch mehr uniformierter Präsenz“ wird jedoch von vielen Polizeiverantwortlichen geteilt. Wie aber soll das gehen? „Diese Frage stellen sich im Kollegenkreis auch mehrere“, sagt ein Beamter, der nicht namentlich zitiert werden möchte. Auf die Frage, wie bei dem derzeitigen Personalstand die Polizei in Ebersberg „noch greifbarer und sichtbarer“ werden soll, sagt Hendrik Polte der Ebersberger Inspektionsleiter: „Kein Kommentar.“

Dass die Bürger angesichts der Ereignisse der jüngsten Vergangenheit verstärkt den Kontakt zur Polizei suchen würden, kann Hintereder nicht bestätigen. Er beobachtet aber, dass bei seiner Inspektion verstärkt Hinweise im Zusammenhang mit Wohnungseinbruchskriminalität eingehen. „Da hat eine Mehrung stattgefunden“, sagt er, „und wir begrüßen das auch, dass sich die Bürger an uns wenden. Nur bei zeitnahen Mitteilungen bekommen wir die Chance, einen Täter auch einmal in flagranti zu erwischen.“

Grießer berichtet, das angesichts der Vorfälle in München, Würzburg oder Ansbach „natürlich viele Anrufe in der Einsatzzentrale eingehen.“ Eine gewisse Lageänderung sei feststellbar. Ob die Bürger ihrerseits aber verstärkt den Kontakt zu Polizei suchen würden, könne er selbst nicht bestätigen.

Kopp hofft, dass der „Zusammenhalt unserer Bevölkerung aber auch mit „ihrer Polizei" „in diesen schwierigen Zeiten noch weiter gefestigt“ werde. Die Polizei habe sich vorgenommen, „noch mehr auf die Menschen zuzugehen“.

Neuen Handlungsbedarf hingegen sieht die Polizeigewerkschaft. Die aktuellen Vorfälle zeigten, dass es wichtig und richtig sei, zur polizeilichen Eigensicherung zusätzliche Schutz- und Einsatzausrüstung zu beschaffen. Dafür müssten Finanzmittel bereitgestellt und die Prüfungs- und Beschaffungsmaßnahmen forciert werden. Im Gespräch sind dabei Schutzwesten, die einen Beschuss mit Kalaschnikows aushalten und eine Polizeibewaffnung mit Pistolen, die eine höhere Magazinkapazität haben als die aktuelle P7 von Heckler und Koch.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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