Regionale Energieversorgung

13 Gemeinden zappeln schon im Netz

Landkreis - Öffentliche oder private Energieversorgung? Das Für und Wider beider Modelle wurde und wird bis heute lebhaft diskutiert – und hat im Landkreis derzeit eine besondere Aktualität. Es geht um die Rekommunalisierung der Stromnetze.

In vielen Kommunen laufen zeitgleich die Konzessionen mit den Energieversorgern aus. Der Klimaschutzmanager des Landkreises Ebersberg, Hans Gröbmayr, erkennt darin eine Chance, „Arbeitsplatzaufbau und Wertschöpfung in den Landkreis zu bringen“.

Das sah unlängst auch der Vaterstettener Gemeinderat so. Er stimmte in seiner jüngsten Sitzung dafür, sich am Rückkauf der Netze zu beteiligen – wenn er denn zustande kommt. Die Vaterstettener waren damit die elften im Boot. Dazugekommen sind aktuell die Emmeringer. Ebenfalls ihre Zustimmung gaben bisher die Ratsgremien in Aßling, Markt Schwaben, Pliening, Poing, Kirchseeon, Moosach, Zorneding, Anzing und Frauenneuharting Forstinning und Oberpframmern. Der Brucker Gemeinderat wird sich in seiner nächsten Sitzung mit einem Beitritt befassen, kündigte dort Bürgermeister Josef Schwäbl an. Der Versuch, die Stromnetze wieder in kommunale Hand zu überführen nimmt damit Fahrt auf, über den Berg ist er jedoch noch nicht. Die Grafinger haben sich knapp dagegen ausgesprochen (wir berichteten bereits).

Gröbmayrs Interesse gilt weiterhin einem möglichst vollzähligen Beitritt aller Gemeinden in eine neue Betreibergesellschaft. „Es gibt kein Modell, wenn die Kommunen nicht das Sagen haben“, wirbt es für den Rückkauf, für den auch externe Partner geworben werden könnten. Der Klimaschutzmanager weiß aber auch, dass es Kommunen gibt, die eigene Pläne haben oder mit ihrem Versorger weiterhin zusammenarbeiten wollen. Auch die künftige Konzessionsabgabe spielt in den Überlegungen der Gemeinden eine Rolle und da beruhigt Gröbmayr, dass diese Einnahme der Kommunen im Falle einer Übernahme der Netze durch einen noch aufzustellenden regionalen Betreiber „nicht geringer ausfallen“ würde.

Regionale Stromnetze sind in der Geschichte der Elektrifizierung Bayerns nicht ohne Beispiel. Sie waren anfänglich sogar die Regel, bis die erforderlichen Investitionen die kleinen Gemeinde- und Stadtwerke deutlich überforderten. Es begann ein Konzentrationsprozess, an dessen Ende die großen Stromversorger die Gewinne abschöpften, aber auch die Investitionen ins Netz tätigten – der Preis für die Monopole.

Es gibt auch Sondersituationen im Landkreis. Eine solche stellt die Stadt Grafing dar, die einen eigenen, örtlichen Energieversorger hat und mit diesem eigener Auskunft nach gut zusammenarbeitet. „Auf diesen Energieversorger wollen wir deshalb auch Rücksicht nehmen“, sagt Bürgermeister Angelika Obermayr (Grüne) ihre Meinung. Der Stadtrat sah einen Beitritt trotzdem kritisch und lehnte mit 8:7 Stimmen ab.

Von der elektrischen Beleuchtung der blauen Grotte durch König Ludwig bis zur flächendeckenden Versorgung der gesamten Bevölkerung Bayerns mit Strom durch Energieriesen war es ein langer Weg. Jetzt könnte ein Umkehrpunkt erreicht sein. Das Interesse an der Übernahme der Netze vor Ort ist groß, wie das Beispiel der Gemeinden im Landkreis Ebersberg zeigt. Der „regionale Versorger mit Netz vor Ort“ hat für viele Bürger einen besonderen Charme.

Die Übernahme der Netze bleibt aber ein Projekt, dass nur funktioniert, wenn möglichst viele mitmachen. „Das dient der Daseinsvorsorge“, sagt Gröbmayr. Bei der Versorgung der Bürger mit Trinkwasser und bei der Entsorgung von Abwasser gäbe es die größten Widerstände in der Bevölkerung, sollten bei einer Privatisierung große Konzerne zum Zug kommen. das wurde schon in öffentlichen Diskussionen deutlich. Beim Strom, so sieht es aus, liebäugeln Bürger und Kommunen hingegen mit einer Übertragung der Netze wieder zurück in die öffentliche Hand.

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