Freuen sich über neue Mitglieder (v.l.): Bereitschaftsleiter Robert Wittwer, Gruppenleiterin Susanne Wittwer und stv. Bereitschaftsleiter Alexander Werndl Foto: Bönte

Hier geht’s um Menschenleben

Hohenlinden - das Rote Kreuz Hohenlinden ist auf der Suche nach neuen Mitstreitern.

„Das Rote Kreuz ist wie ein Virus. Wenn er dich einmal infiziert hat, kommst du nicht mehr los.“ So beschreibt Alexander Werndl, selbst seit mehr als 20 Jahren im Roten Kreuz aktiv, die Faszination für die Arbeit der Hilfsorganisation. „Wir sind halt nicht irgendein Verein, bei uns geht es oft auch um Menschenleben. Das macht es so spannend“ ergänzt Robert Wittwer. Er ist Leiter der Bereitschaft des Roten Kreuzes in Hohenlinden, Alexander Werndl sein Stellvertreter. Doch wie viele andere Hilfsorganisationen hat auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) in Hohenlinden mit Personalmangel zu kämpfen. Robert Wittwer und Alexander Werndl haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, neue Leute mit dem Virus des Roten Kreuzes zu infizieren.

Derzeit besteht die Bereitschaft aus 45 Mitgliedern, der „harte Kern“ mit zwölf bis 15 Mitgliedern ist jedoch für das große Aufgabespektrum eher knapp bemessen. Insbesondere bei jungen Menschen sei es derzeit schwierig, Nachwuchs zu finden, sagt Susanne Wittwer, Gruppenleiterin des Jugendrotkreuzes in Hohenlinden. Sie macht hierfür die steigenden Anforderungen in der Schule und das große alternative Freizeitangebot verantwortlich.

„Derzeit haben wir eine gute Gruppe, aber weil die Mitglieder alle zwischen 16 und 18 sind, könnten wir Nachwuchs wieder gut vertragen.“ Auch für die zahlreichen Aufgaben der BRK-Bereitschaft werden helfende Hände gebraucht. Alter spielt hierbei keine Rolle. „Wir nehmen jeden von 0 bis 99“, sagt Robert Wittwer lachend. Eine der Haupttätigkeiten sind die zahlreichen Sanitätsdienste bei Veranstaltungen, zuletzt beim Motocross-Rennen Mitte August in Hohenlinden. Aber auch bei anderen Veranstaltungen von Beachparty bis hin zum Reitturnier schieben Mitglieder des BRK Dienst, um im Fall der Fälle schnell Hilfe leisten zu können. „Wir sind froh, wenn wir nichts zu tun bekommen, aber wenn doch, dann sind wir vorbereitet. Wie bei einer Dirtbike-Veranstaltung in Forstern. Da mussten zwei Fahrer mit Knochenbrüchen in die Klinik gebracht werden. Bis Rettungswagen und Notarzt vor Ort waren, wurden die Verunglückten von uns erstversorgt“, erzählt Robert Wittwer. Die Ausbildung hierfür bekommen neue Mitglieder in einem Grundlehrgang vermittelt. Zudem wird einmal monatlich beim sogenannten Bereitschaftsabend das Erlernte aufgefrischt, damit im Ernstfall schnell geholfen werden kann.

Einige Mitglieder leisten zusätzlich auch noch Dienst als „Helfer vor Ort“ (HvO). Diese Teileinheit der Bereitschaft hat die Aufgabe, bei medizinischen Notfällen in Hohenlinden und Umgebung die behandlungsfreie Zeit zu verkürzen. „Wir werden zusätzlich zum Rettungsdienst alarmiert. In aller Regel sind wir einige Minuten früher am Einsatzort als der hauptamtliche Rettungsdienst, der aus Markt Schwaben oder Ebersberg kommt. Gerade bei Notfällen wie Herzstillstand oder Atemnot kann das entscheidend sein“, betont Werndl.

Die „Helfer vor Ort“ fahren 120 bis 150 Einsätze pro Jahr in Hohenlinden und Umgebung. „Nachdem es hier eine vertiefte Ausbildung braucht, die nicht jedes unserer Mitglieder macht, sind wir derzeit nur sieben bis acht Personen, die als HvO unterwegs sind. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Das ist schon sehr knapp“, so Robert Wittwer.

Bei ungefähr zehn Einsätzen im Jahr kommt es vor, dass die Helfer vor Ort mangels Personal nicht ausrücken können. „An und für sich sind wir ja nur eine Ergänzung, der hauptamtliche Rettungsdienst kommt ja sowieso, aber natürlich hat man den Anspruch, dass man jedes Mal ausrücken kann“, ergänzt Alexander Werndl. Doch weil immer mehr Mitglieder außerhalb Hohenlindens arbeiten, erwartet er eher eine weitere Verschlechterung der Situation. „Wir stehen hier vor dem gleichen Problem, das auch die freiwilligen Feuerwehren haben. Unter Tag ist die Personaldecke einfach dünn“, ergänzt Robert Wittwer. Neben den Einsätzen vor Ort sind die Hohenlindener Helfer auch überregional eingebunden. So wurden beim Amoklauf im OEZ auch Kräfte aus Hohenlinden in Marsch gesetzt.

Wer beim BRK Hohenlinden mitmachen will, kommt einfach zum Bereitschaftsabend (immer am zweiten Montag im Monat). Die nächsten Termine: 12. September und 10. Oktober. Jeweils ab 20 Uhr in den Räumlichkeiten des BRK Hohenlinden (Am Niederfeld 6).

Von Tobias Bönte

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