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Ludwig Heigl aus Markt Schwaben ist 100 Jahre alt und verdankt seine Fitness unter anderem einer täglichen Gymnastik.

Ludwig Heigl aus Markt Schwaben ist 100 Jahre alt

Täglich Turnen und eine junge Frau

Markt Schwaben – Dies ist eine Geschichte über einen Hundertjährigen, der täglich Gymnastik auf dem Spielplatz betreibt, das Grauen fotografierte, mit Pavarotti sang und sich in Madame Butterfly verliebte.

Und es ist zugleich die Geschichte von Ludwig Heigl, der seit dem Jahr 2000 am Kupferschmiedberg in Markt Schwaben wohnt, Ehrenmitglied des Theatervereins ist, einen CSU-Ortsverband in Nabburg/Oberpfalz gründete und sich heute, an seinem 100. Geburtstag, auf sein Frühstück freut: Auf einen Brei aus zwei Haferflockensorten, Honig, Milch, Weizenkeimöl, Hirse und Hefeflocken. 

Mittags, mit Freunden, Nachbarn und ein paar Offiziellen, wird es dann ausnahmsweise deftiger. 30 Gäste werden ins Brauhaus kommen. Und staunen über einen Mann, dessen Gesundheitszustand alleine schon ungeteilte Bewunderung auslösen kann. 

Am 16. September 1916 kam Heigl in Schwabing zur Welt. Sein Vater war passionierter Turner und u.a. Pförtner vor dem Bibliotheksgebäude des Deutschen Museums, die Mutter Schneiderin. Ludwig war ein Nesthäkchen, seine ältere Schwester schon 20 bei seiner Geburt. An eine Versuchsschule erinnert sich der Jubilar noch gut, da war er sieben. Eine Schule, in die zuvor geprüfte Kinder gingen. Eliteschule sagt man. 

Ludwig Heigl schlug eine ganz normale Schullaufbahn ein. „Ich war ein guter Schüler“, wie er meint. Schon früh kam er mit der Fotografie in Kontakt, hantierte mit zwölf Jahren sicher mit Chemikalien daheim im Labor und machte dieses Hobby später zum Beruf: Zuerst als Laborant, später als medizinischer Fotograf für die Dermatologische Klinik und Poliklinik der Universität München. 

Es ging um die Dokumentation von allen möglichen Hautkrebsformen. „Das war nichts Schönes, das war das Fotografieren des Grauens“, erinnert sich der Senior. Bilder für Fachbücher hat er in Massen beigesteuert, Vorträge gehalten. 

Mit 62 ging er schließlich in Rente. Wahre Ästethik verschaffte ihm die Musik. Zuerst lernte Heigl Geige, dann entdeckte er mit gerade einmal 20 den Gesang für sich – mit italienischem Lehrer, täglichen Übungen und einer Vorliebe für die Musik von Verdi oder Puccini und Sängern wie Enrico Caruso oder Benimino Gigli. Sein musikalischer Lebenshöhepunkt als Sänger: Mitglied im Chor bei der Aufführung des Verdi-„Requiems“ in Verona mit Pavarotti als Solist. Stolz ist Heigl bis heute, auch den Tenor Jonas Kaufmann persönlich kennengelernt zu haben.

 Dass er 2006 am Schwabener Weiher innerhalb einer Hommage an Verdi den „Rigoletto“ sang, brachte ihm nicht nur einen gewissen lokalen Bekanntheitsgrad ein, sondern auch die Ehrenmitgliedschaft im Theaterverein. Das Singen ist, ohne Frage, der eine Jungbrunnen im Leben des Hundertjährigen, sein Frühsport der andere. Ausnahmslos jeden Tag geht Ludwig Heigl vors Haus und turnt systematisch gymnastische Übungen auf dem Weiherspielplatz; ob mit oder ohne Zuschauer. 

Das Programm ist stattlich: Beinheben, Rumpfbeugen, Kopfdrehen, Kniebeugen. Das macht Heigl, wie er berichtet, mit größter Disziplin im Sommer wie im Winter stets zwischen 9 und 10 Uhr schon seit dem 18. Lebensjahr. Ansonsten sei er „völlig unsportlich“. Jungbrunnen drei ist ohne Frage seine zweite Frau Kyoko (74), eine Japanerin, die Heigl bei einem psychologischen Vortrag in München kennenlernte und am 4. September 1975 heiratete. 

Sie sei so etwas wie seine persönliche Madame Butterfly, der Namensgeberin seiner Lieblingsoper von Puccini, erklärt Heigl fast schelmisch. Eine „junge, gesunde Frau“ sei ein ganz wichtiges Rezept, um alt werden zu können, fügt er verschmitzt an. In seinem Fall war es nicht zuletzt auch ihr Beruf. 36 Jahre lang arbeitete Kyoko als Ernährungs- und Diätberaterin. Ihr Erfolgsrezept: Nie einseitig essen. Viel Fisch, kein tierisches Fett, wenig Zucker und Alkohol. Am liebsten mediterran. Kein Wunder, dass Spaghetti mit Tomaten die Leibspeise des 100-Jährigen geworden sind.

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