Sozialpädagogin Silke Liebmann mit Mentor Jens Tischer und Maxi zu Besuch in der EZ-Redaktion. Dringend werden nun wieder weitere Mentoren gesucht. Foto: jödo

Markt Schwabener Projekt

Hilfe bei Schulproblemen: Ein Pate bis zum Ausbildungsvertrag

Markt Schwaben - Die Probleme kamen in der sechsten und siebten Klasse. Plötzlich wurde Maxi alles zu viel an der Mittelschule.

Die Noten wurden schlechter. Maxis Glück war, dass das alles nicht unbemerkt blieb bei der Schulsozialarbeit und bei dem einen oder anderen Lehrer. So kam der junge Mann, heute 15 Jahre alt, schließlich an die Poinger Seerosenschule. Und zugleich in ein Mentoring-Projekt, das die Arbeiterwohlfahrt in Markt Schwaben seit 2008 mit inzwischen ganz gutem Erfolg anbietet. Es hat, mit anderen Trägern, längst auch in Ebersberg und Vaterstetten Wurzeln geschlagen.

"Wir haben schon etliche in einen Beruf gebracht"

„Wir haben schon etliche in einen Beruf gebracht. Die Arbeit lohnt sich in jedem Fall, auch wenn am Ende nicht immer gleich ein Ausbildungsvertrag heraus kommt“, sagt Silke Liebmann, die für den AWO Kreisverband das Projekt Mentoring in Markt Schwaben koordiniert. Erfolge der Arbeit mit jungen Leuten aus oft schwierigen Familienverhältnissen sind nicht immer konkret messbar. In den meisten Fällen sind die Kinder und Jugendlichen in diesem Projekt aus Familien mit nur einem Erzieher oder haben einen Migrationshintergrund. Oft habe man, sagt Silke Liebmann, den jungen Leuten im Verlauf der Zusammenarbeit einfach auch nur „irgendwas“ mitgegeben, was ihnen später behilflich war. Irgendwas? Gemeint ist hier zum Beispiel Vertrauen. Oder Impulse zur Selbstständigkeit, Selbstvertrauen.

Auch bei Maxi hat die Arbeit mit ihm bereits Früchte getragen. Vor zweieinhalb Jahren kam er mit seinem Mentor Jens Tischer zusammen. Inzwischen hat der junge Schwabener schon mehrere Praktika hinter sich gebracht und dabei, was besonders wichtig ist, höchstwahrscheinlich auch schon den Job gefunden, den er sich für seine berufliche Zeit langfristig gut vorstellen kann. Er will Garten- und Landschaftsbauer werden und, im Idealfall, bei einer Feldkirchener Firma arbeiten, bei der er schon mal in den Beruf reinschnuppern konnte. In einem Kfz-Betrieb in Markt Schwaben und in einem Markt in Poing hatte Maxi auch schon berufliche Erfahrungen machen können.

Gemeinsam lernen und werkeln

Zuerst aber muss, vor der Laufbahn im Garten- und Landschaftsbau, die Schule erfolgreich abgeschlossen werden. Im kommenden Sommer soll der Hauptschulabschluss herausspringen. Dass das möglichst erfolgreich die diese Richtung geht, darum kümmert sich auch Maxis Mentor. Einmal in der Woche kommen die beide zusammen. Mal dauert es eine Stunde, manchmal auch drei Stunden. Dann werden Hausaufgaben gemacht. Und viel Deutsch gelernt. In Deutsch hat Maxi Probleme. Sagt er. Später spielen die beiden schon mal. „Strategie- und Gedächtnisspiele“, sagt Tischer, 69. Zusammen haben beide auch schon gewerkelt.

Wenn Maxi in weniger als einem Jahr wirklich den Schulabschluss und vielleicht sogar den Ausbildungsvertrag in der Tasche haben sollte, wäre für Jens Tischer der Punkt gekommen, sich aus Maxis Familie wieder Stück für Stück zurückzuziehen. Tischer hat Erfahrungen damit. Maxi ist sein inzwischen schon achter Klient im Mentoring-Programm der Arbeiterwohlfahrt. Er ist sozusagen so etwas wie ein Profi. Nicht nur, dass der Witwer als Vater von drei längst erwachsenen Kindern (39, 36 und 31) so ziemlich alles erlebt hat, was man als Elternteil erleben kann. Der Ingenieur hat auch in seinem Berufsleben sozusagen Mentoringarbeit geleistet. Führungskräftetraining zum Beispiel. Demnächst bietet er am Berufsbildungswerk in Kirchseeon ein Tagesseminar zum Thema Kommunikation an. Seine Schüler dort sind dann Meister, Sozialarbeiter oder Lehrer. Und sie werden dort erfahren, dass Kommunikation ein verdammt komplexes Thema ist und oft genug Ursache für zwischenmenschliche Probleme. „Kommunikation ist das ein und alles“, sagt der Baldhamer.

Gesucht werden engagierte Ehrenamtliche

Um wie er Mediator zu werden, muss man aber keineswegs ein so fundiertes Hintergrundwissen haben wie Jens Tischer. Zurzeit sucht Silke Liebmann wieder neue Damen und Herren, die sich vorstellen können, ehrenamtlich fremde Jugendliche auf dem Weg zum Schulabschluss und in einen Beruf zu begleiten, weil es das Elternhaus der jungen Menschen aus eigener Kraft nicht schafft. Fünf aktive Frauen wirken bei der AWO zurzeit als Mentoren mit, dazu vier Männer. Brauchen könnte Silke Liebmann noch fünf bis sechs Neue.

Ehrenamtliche HelferInnen, die zuhören können müssen, die Hilfestellungen geben können beim Berufseinstieg, bei der Praktika-Suche, bei Bewerbungen oder bei Bewerbungsgesprächen. Die auch schon mal bei den Hausaufgaben unterstützend eingreifen und denen es irgendwie im Blut liegt, Jugendliche so zu behandeln wie Erwachsene. Einmal wöchentlich sollten sie Zeit haben. Und das Amt mit so viel Verbindlichkeit ausüben können, dass sie auch mal zwei Jahre mit einem jungen Menschen zusammenzuarbeiten bereit sind. Wenn Mentoring gelingen soll, hat das Ehrenamt auch etwas Verpflichtendes, etwa Verbindliches, sagt die AWO-Mitarbeiterin.

"Es sind beide Seiten, die von dieser Mentoring-Arbeit profitieren"

Wer sich bei ihr meldet, wird nicht im Regen stehengelassen. Es gibt immer wieder Einführungs-, Fort- und Weiterbildungsangebote. Zum Beispiel wird dort vermittelt, welche Besonderheiten in anderen Kulturkreisen vorherrschen, was Verhaltensauffälligkeiten sind, was man zum Thema Drogen wissen sollte, wie man erfolgreich Mentorenarbeit leistet, wie man eine Verbindung zu einem anvertrauten jungen Menschen aufbaut und dabei trotz allem sich stets eine gewisse Distanz bewahrt. Denn: Der Mentor ist nicht Bestandteil der Familie, in der er mitmischt, sondern bleibt immer (nur) jemand, der Impulse von außen setzt. Am besten so wie Jens Tischer, der von sich aus sagt: „Es sind beide Seiten, die von dieser Mentoring-Arbeit profitieren“.

Kontakt

Wer Interesse hat, sich wie Jens Tischer sozial zu engagieren und im Mentoring-Projekt der Arbeiterwohlfahrt mitmachen möchte, sollte möglichst umgehend Kontakt mit der Mentor-Koordinatorin Silke Liebmann unter der Diensthandynummer (0152) 295 965 68 bzw. in der Kreisgeschäftsstelle in Markt Schwaben unter der (0 81 21) 22 59 656 aufnehmen.

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