+
Johannes Ismair mit seinem Smartephone und der App, die er mitentwickelt hat.

Beitrag zur Integration

"halloDeutsch" in der Hosentasche

Markt Schwaben - Ein junger Markt Schwabener (22) hat zusammen mit anderen Studenten für Asylsuchende eine Lern-App entwickelt, die sie einfacher zur deutschen Sprache führt.   

Johannes Ismair, 22-jähriger Informatik-Student aus Markt Schwaben, weiß natürlich alleine schon aus seinem Studium an der TU München und jetzt an der LMU heraus viel besser als viele andere, dass ein halbwegs modernes Smartphone heutzutage im Grunde ein Kleincomputer ist. Ein Computer, mit dem man ganz viel anstellen kann; wenn nötig, auch telefonieren. Genau haben er, sein Münchner Professor Dr. Rudolf Bayer (77) und einige seiner Kommilitonen beobachtet, wie junge Leute mit diesen Handys tagtäglich umgehen. Auch bei jungen Leuten, die als Flüchtlinge und Asylsuchende nach Deutschland gekommen sind, hat man hingesehen. So entstand die Idee, ihr im Grundsatz keineswegs andersartiges Handyverhalten zu nutzen und ihnen eine praktische und möglichst wirkungsvolle Hilfestellung anzubieten, die ihre Integration spürbar erleichtern kann.

 Entstanden ist in einer gut einjährigen Entwicklungszeit seit Herbst vergangenen Jahres eine App, also ein Programm für eben diese modernen, mobilen Telefone. „halloDeutsch“ heißt sie. Und in der Version für Android-Handys ist sie seit ein paar Tagen auch online kostenlos zu laden (siehe Link am Ende des Berichts). „halloDeutsch“ ist eine Handy-App mit besonderem Fokus auf Flüchtlingen, die Deutschlernen spielerisch ermöglicht. Und auch hier haben Johannes Ismair und seine Mitstreiter genau hingesehen.

 „Die App funktioniert praktisch so, wie auch eine Mutter ihrem Kleinkind die ersten Wörter und schnell danach auch schon die ersten Sätze beibringt“, erklärt der Informatik-Student; also kinderleicht und sich praktisch selbsterklärend. Als Übersetzungssprachen stehen neben Englisch und Französisch auch Arabisch und Farsi zur Verfügung. Was das Arabische angeht, hat sich der junge Student Hilfe bei Seta Shiman in Markt Schwaben geholt. Die ist im Irak aufgewachsen, lebt aber nun schon eine ganze Weile mit ihrer Familie in der Marktgemeinde und ist mit Familie Ismair seit langer Zeit gut bekannt.

 Die Grundlagen der neuen App hat der junge Markt Schwabener nach Vorrecherchen seines Professors in seiner inzwischen abgeschlossenen Bachelor-Arbeit zusammengefasst. Dabei ging es, vereinfacht ausgedrückt, in erster Linie darum, grammatikalisch und semantisch korrekte deutsche Sätze automatisiert zu erzeugen. Ein Beispiel: In Verbindung mit dem Begriff Apfel machen nur Verben Sinn wie zum Beispiel essen, schneiden, wiegen, legen. Daraus lassen sich dann Sätze erzeugen wie „Du schneidest den Apfel“. Andere Wortkombinationen werden von vornherein nicht zugelassen. Und so können keine grammatikalisch richtigen, aber inhaltlich völlig sinnlosen Sätze entstehen wie „Ich telefoniere mit dem Apfel“.

 „Grundlage der App sind zunächst 700 Wörter, aus denen bis zu 50 000 Sätze erzeugt werden können“, erzählt Johannes Ismair, der sich in seiner Freizeit bei der örtlichen Pfarrjugend ehrenamtlich engagiert. An der nachfolgenden technischen Umsetzung haben neben Johannes Ismair seine Mitstudenten Robin Jespersen und Yaroslav Dushko sowie der emeritierte Professor Bayer mitgewirkt. Jespersen hat sich um die Android-Version gekümmert, Dushko arbeitet noch daran, „halloDeutsch“ auch auf iPhone-Geräten mit dem iOS-Betriebssystem nutzbar zu machen. Das wird in gut zwei Wochen der Fall sein. Alle vier haben zusammen inzwischen eine Firma gegründet, um, erstens, rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen, und, zweitens, auch Möglichkeiten zu einer Refinanzierung durch entsprechende Geschäftspartner auszuschöpfen. Denn, so erzählt der Schwabener Student, es stecke in dem bisherigen Projekt nicht wenig privates Geld. 

In einem sind sich die Entwickler vollkommen einig: Die Sprach-Lern-App soll unbedingt kostenfrei angeboten werden können. Die bisherige Resonanz ist nur positiv. Der Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer hat in einer Mail Johannes Ismair bereits ausdrücklich gratuliert und auf seiner Facebook-Seite schon einen Querverweis aktiviert. Abgeschlossen ist das Gemeinschaftsprojekt noch lange nicht. Zurzeit werden noch ein paar kleinere Fehler ausgemerzt. Und im Team macht man sich bereits Gedanken, die App so weiterzuentwickeln, dass sie auch von Analphabeten sinnvoll benutzt werden kann.

Link zur App Hier der Link, um die App aus dem Play Store zu laden: https://play.google.com/store/apps/details?id=de.hallodeutsch.user Siehe auch: www.hallodeutsch.de

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>CD Saitenmusik Hans Berger "Jetz´ kimt de heilig´ Weihnachtszeit"</center>

CD Saitenmusik Hans Berger "Jetz´ kimt de heilig´ Weihnachtszeit"

CD Saitenmusik Hans Berger "Jetz´ kimt de heilig´ Weihnachtszeit"
<center>König Ludwig 4er Set mini</center>

König Ludwig 4er Set mini

König Ludwig 4er Set mini
<center>CD Saitenmusik Hans Berger "Volksmusik aus dem Auerbachtal"</center>

CD Saitenmusik Hans Berger "Volksmusik aus dem Auerbachtal"

CD Saitenmusik Hans Berger "Volksmusik aus dem Auerbachtal"
<center>Fächer "Liebestaumel"</center>

Fächer "Liebestaumel"

Fächer "Liebestaumel"

Meistgelesene Artikel

Italienisch im Herzen

Markt Schwaben - Viel Freude macht den Markt Schwabenern die Partnerschaft mit der Stadt Ostra in Italien.
Italienisch im Herzen

Familienpaten willkommen

In Markt Schwaben ist die Nachfrage nach Familienpaten so groß, dass es immer noch viel zu wenige gibt. Und die, die da sind, haben sich auch mal eine Auszeit verdient.
Familienpaten willkommen

Hilfsbereitschaft ausgenutzt: 92-Jährige in ihrer Wohnung beklaut

Markt Schwaben - Ganz miese Masche: Trickdiebe beklauten eine 92-jährige Markt Schwabenerin. Mit einem dreisten Vorwand gelangten sie in die Wohnung der Seniorin.
Hilfsbereitschaft ausgenutzt: 92-Jährige in ihrer Wohnung beklaut

Nicht Krippe, nicht Baum

Markt Schwaben - Ulli Tandler und Maurizio Cecchin haben sich einen ausgefallenen Vorweihnachtsschmuck gebastelt: einen fünfstöckigen Krippenbaum.
Nicht Krippe, nicht Baum

Kommentare