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Tobias Vorburg mit dem Begrüßungsplakat.

Dramen im Mittelmeer

Tobias, der Held - Erlebnisse eines Flüchtlingshelfers

Markt Schwaben - Der Markt Schwabener Rettungsassistent Tobias Vorburg war zwei Wochen auf dem Mittelmeer unterwegs, um Flüchtlingen zu helfen. Wie es ihm dabei ergangen ist und was er erlebt hat.

Man kennt die dramatischen, bisweilen menschenverachtenden Szenen inzwischen aus den bundesdeutschen Nachrichtensendungen und Printmedien zur Genüge. Jene Film- und Fotoaufnahmen, die völlig überfüllte Schlauchboote oder Holzschiffe zeigen mit Flüchtlingen aus Afrika irgendwo auf dem Mittelmeer zwischen dem schwarzen Kontinent und dem, was die Flüchtenden für so etwas wie das Paradies halten: Europa. Auch Tobias Vorburg hat sie oft genug am Bildschirm und in Zeitungen gesehen. Und sich entschieden, nicht tatenlos hinzunehmen, dass auch heuer wieder Tausende ihr Leben auf der Flucht verlieren werden.

Auf hoher See: Eines der Flüchtlingsboote.

Am 21. Juni stieg der Markt Schwabener in den Flieger nach Malta. Und am 24. Juni ging es los in Richtung Süden; bis dicht vor die Zwölf-Meilen-Zone vor der libyschen Küste. Irgendwo zwischen Tripolis, der Hauptstadt, und Sabrata. Ein Küstenabschnitt, von dem aus die meisten völlig hochseeuntauglichen und obendrein noch gefährlich überladenen Boote von Schleppern in Richtung Norden zu Wasser gelassen werden. Heuer noch mehr als 2015, wie es inzwischen heißt. Vorburg hatte sich zu einem freiwilligen Dienst auf der Sea-Eye gemeldet. Als ausgebildeter Rettungsassistent wollte er sein medizinisches Fachwissen einbringen im Bemühen der gleichnamigen privaten Hilfsorganisation, möglichst viele Flüchtlinge vor dem sicheren Tod auf hoher See zu bewahren. Der Schwabener musste nicht lange warten. Flüchtlingsboote bekam Vorburg in den Tagen seines Freiwilligendienstes zur Genüge zu Gesicht. Die Schicht vor ihm hatte noch mit Nordwind zu tun. Das bedeutet: Wer in Libyen ablegt, kommt gegen den Wind nicht an und oft nicht mal aus der Zwölf-Meilen-Zone raus. „Hier hatte sich also etwas angestaunt“, so der junge Vater einer dreijährigen Tochter. Und richtig: Gleich am ersten Tag hatte die Sea-Eye Kontakt mit neun Booten, auf denen sich rund 700 bis 750 zumeist französischsprachige Afrikaner befanden: aus Togo, dem Senegal, Nigeria, Gambia oder Äthiopien. „Vom Säugling bis zum Erwachsenen“, wie Vorburg weiter erklärt.

Der 26-Jährige erzählt von Begegnungen auf hoher See, die für ihn surreale Züge hatten. In einem Beiboot der Sea-Eye näherten sich die Helfer zu dritt den teils schon stark beschädigten Booten, um Rettungswesten und Getränke zu reichen. Oder Infos zu geben, wann und wo sich ein bergendes Schiff nähern wird. Die Sea-Eye selbst, eigentlich ein umgebauter Fischkutter, ist zur Aufnahme von Flüchtlingen gar nicht geeignet, sondern hat lediglich die Möglichkeit, im Extremfall Erste Hilfe zu leisten. Aufnehmende Schiffe, so berichtet Vorburg, seien in seinem Abschnitt vorwiegend italienische Marineboote gewesen. Die meisten Bootsflüchtlinge seien dehydriert, unterkühlt oder überhitzt vorgefunden worden, so der Rettungsassistent. Es komme immer wieder auch zu Verbrennungen, Verätzungen in Kontakt mit Benzin, Urin oder Meerwasser. Die Aufnahmen von Bord selber seien ihm, Vorburg, vorgekommen wie Szenen aus dem Krieg. Die Marine zerstörte die menschenleeren Boote umgehend, indem sie sie in Brand steckte. Fischkutter beobachten das aus einer gewissen Entfernung. Wahrscheinlich besetzt mit den Schleusern, denen Europa den Kampf angesagt hat.

Ihnen will Vorburg nicht einmal einen Vorwurf machen. Die Schleuser böten den Flüchtenden die einzige Chance, das ersehnte Europa zu erreichen.

Viele der Flüchtlinge, so Vorburg, hätten bereits unglaubliche Qualen beim Durchqueren der Sahara hinter sich, die längst zu einem Massengrab geworden sei. Oder Gefängnis und Folter in Libyen. Er fasst zusammen: „Wer hier bei uns angekommen ist, der hat eine unglaubliche Odyssee hinter sich, die sich hier keiner vorstellen kann“. Und wenn er dann hier ist, sei diese Odyssee noch nicht zu Ende. Nämlich dann, wenn es um Probleme in Massenunterkünften oder die Antragsbürokratie gehe.

Vorburg, selber aktiv im Schwabener Aktivkreis Flüchtlinge, zieht nach seinen Erlebnissen auf dem Mittelmeer ein für sich klares Resümee: „Ich will alles tun, um diesen Menschen ein Stück weit das Gefühl zu geben, angekommen zu sein.“

Wie sich so etwas anfühlt, hat Vorburg, zugleich Marktgemeinderat der Grünen, bei seiner Rückkehr am vergangenen Wochenende am Münchner Flughafen erleben können. Als Begrüßungsdelegation kamen zur Überraschung Vorburgs Asylsuchende aus Markt Schwaben und feierten ihren Tobias, den Held. Das ist nicht einmal übertrieben. In seinen gut zwei Wochen zwischen Malta und Libyen waren es cirka 1050 Menschen, an deren Rettung Tobias Vorburg beteiligt war.

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