„Der Stier muss vorher noch zum Friseur“: Thomas Gruber und „Merseburg“ in Grub. Foto: Dziemballa

"Merseburg" - Star des Wiesnfinales

Ebersberg - Über die Frage, wie ein „Viechhandler“ einen Stier wiegt, gibt es eine Menge Witze. Alle nicht jugendfrei. Gesittet, aber trotzdem zünftig wird es, wenn der Stier „Merseburg“ auf dem Volksfest in Ebersberg seinen großen Auftritt hat. Dabei geht es auch um das Gewicht des Tiers.

„Der muaß vorher zum Friseur“ schwindelt Walter Unkelbach aus Hergolding, was die Vorbereitungen zum Besuch von „Merseburg“ auf der Ebersberger Wiesn betrifft. „Der werd natürlich sauber herg’richt.“ Schließlich hat „Merseburg“ nicht lange Zeit, sein Publikum von seinen Qualitäten als Fleckviehbulle zu überzeugen. Um 18 Uhr wird er am Montag, 20. August, aus der Tierzuchtanstalt in Grub angeliefert, und um 21 Uhr geht es wieder zurück, wo er und 100 seiner Kollegen dafür sorgen, dass bayerisches Fleckvieh überall auf der Welt einen sagenhaften Ruf hat.

Die Idee dazu, dass Volksfestbesucher das Gewicht eines „Bummerls“ erraten müssen, ist nicht neu. „Das haben sie auch in Neukeferloh schon mal gemacht“, sagt Unkelbach unumwunden. Wer’s erfunden hat, ist egal. Hauptsache die Gäste haben ihren Spaß an diesem Wettbewerb, auf den sich Festwirt Martin Lohmeyer schon freut. Er freut sich besonders, denn im vergangenen Jahr sei es erstmals gelungen, Repräsentanten der Bayerischen Bauernverbands, des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, des Verbandes landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen, der Waldbesitzervereinigung, des Maschinenrings und der Katholischen Landjugendbewegung an einen Tisch zu bringen.

„Das ist gut, dass die Leute mal sehen, was für Trümmer von Stieren es bei uns gibt“, freut sich Unkelbach schon auf die Reaktionen der Zuschauer. Freilich hat der in Grub für die Stiere zuständige Thomas Gruber einen rausgesucht, der nicht gleich umfetzt wie ein Berserker. Deswegen braucht Bummerl „Merseburg“ auch nicht angekettet zu werden, sondern kann in seiner Box frei rumlaufen und sich von seiner besten Seite zeigen. „Eine stierige Kuh wird ja keiner dabei haben“, sagt Unkelbach. Dann könnte es schon mal ungemütlich werden. Denn beim Minnedienst versteht der „Merseburg“ keinen Spaß. Da geht die Post ab.

„Im vergangenen Jahr“, so erinnert sich Unkelbach, „hat der Stier mit einem Schnauferer einen ganzen Eimer Wasser ausgeleert, dass es gerade so gespritzt hat und die Leute nass wurden.“ Wer also mit dem schönsten Sonntagsgwand aufs Volksfest geht, sollte vielleicht ein bisschen Sicherheitsabstand wahren. Für den Stier ist der Ausflug übrigens Routine. „Der kennt seinen Pfleger und den Lastwagen, mit dem er gebracht wird“, so Unkelbach.

Gegen 21 Uhr wird es dann für „Merseburg“ Zeit zum Heimfahren. Was ein richtiger Zuchtbulle ist, der braucht seinen regelmäßigen Schönheitsschlaf. Zum Fressen gibt’s dann wohl nix mehr, weil er auf dem Volksfest bereits Brotzeit gemacht hat - Heu und Silage. Ohne Mampf kein Kampf.

Und weil in Grub keine normalen Bummerl stehen, sondern teure Hochleistungsvererber, müssen für die Rückkehr besondere Vorkehrungen getroffen werden. Bevor „Merseburg“ nämlich ganz normal in den Kreis der Kollegen wieder aufgenommen wird, muss er zuerst sechs Wochen in Quarantäne. Nicht dass er sich unterwegs was geholt hat.

Michael Seeholzer

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