Janis McDavid, der ohne Arme und Beine zur Welt kam, bei seinem Vortrag in Steinhöring.

Vom Mut, über sich hinauszuwachsen

"Ich war nie Janis ohne Arme und Beine"

Steinhöring - Die Planung einer Jahres-Auftaktveranstaltung ist immer eine besondere Herausforderung, denn man will ja mit solch einem Event ein Zeichen setzen und deutlich machen, wohin die Reise im Jahr gehen soll.

Mit der Verpflichtung des Autoren und Motivationstrainers Janis McDavid hat das Kreisbildungswerk Ebersberg in Kooperation mit dem Einrichtungsverbund Steinhöring am vergangenen Freitagabend einen solchen Signal ausgesandt. Denn was passt besser zum diesjährigen KBW-Jahresmotto „Furcht.Los“ als ein ohne Arme und Beine Geborener, der mit seinem gelebten Beispiel dazu beiträgt, Ängste und Grenzen zu hinterfragen und stattdessen an diesen zu wachsen. 

Wo andere verzweifeln, da fängt für den 25-jährigen gebürtigen Hamburger Wirtschaftsstudenten, Vortrags- und Motivationsredner Janis McDavid das Leben erst an. Mit einer großen Portion Selbstbewusstsein und beeindruckender Ausstrahlung behauptet der jungen Mann: „Ich kann viel mehr, wenn ihr mich nicht behindert und selbst wenn ihr mich behindert, finde ich einen Weg.“ 

Ohne jegliche Scheu erzählt der Referent in der voll besetzten Turnhalle des Einrichtungsverbundes, mit Headset-Mikrophon in seinem supermodernen Hightechrollstuhl sitzend, von seiner Kindheit: „Ich bin in dem Glauben aufgewachsen, dass mein Körper vollkommen normal ist.“ Seine Eltern hätten seine Behinderung nie stark thematisiert. „Ich war nie Janis ohne Arme und Beine oder Janis mit seinem Rollstuhl. Ich war einfach Janis.“ 

Humorvoll erzählte der junge Mann von seinen Erlebnissen im Kindergarten. „Natürlich war mir bewusst, dass ich mir keine Schuhe anziehen kann, wenn wir auf einen Waldspaziergang gingen und dass ich keine Bäume hochklettern kann. Aber es gab schließlich auch andere Kinder, die nicht auf Bäume geklettert sind. Für mich war das alles völlig normal.“ Erst im Alter von acht Jahren habe er gemerkt, „dass da doch etwas anders bei ihm war“. McDavid: „Wir hatten einen neuen Garderobenspiegel im Hausflur, an dem ich vorbeigehüpft bin.“ In diesem Moment habe er das erste Mal gesehen, wie es aussieht, wenn er sich bewege. „Das fand ich ziemlich befremdlich, merkwürdig und schockierend. Dieses Spiegelbild passte überhaupt nicht damit zusammen, wie ich mich bislang gesehen hatte. Ich sah jemanden ohne Arme und Beine auf dem Boden sitzen“, sagte McDavid. Zuerst habe er das Gesehene verdrängt, er habe versucht, seine Bewegungen anzupassen, um so normal wie irgendwie möglich auszusehen. McDavid: „Ich wollte in der Öffentlichkeit keine Treppe mehr hochlaufen oder mich ohne Rollstuhl bewegen.“ Das sei ihm plötzlich alles sehr unangenehm gewesen, obwohl das früher kein Problem gewesen sei. 

In der Pubertät, so der Autor weiter, habe er es dann mal mit Prothesen versucht, aber er habe schnell festgestellt, dass das für ihn nicht die Lösung war. „Ich habe zwar geübt und geübt. Aber es war einfach zu kompliziert. Ich verstehe bis heute nicht, wie man auf zwei Beinen das Gleichgewicht halten kann“, sagt er lachend und beglückwünscht die Zuhörer zu ihrer Leistung, ohne andauernd hinzufallen, auf zwei Beinen zu gehen. Dass er auf eine Inklusionsschule kam, was zum damaligen Zeitraum aber gar nicht so einfach gewesen sei, „weil das staatliche Schulsystem einen anderen Weg vorgesehen hatte“. „Ich musste mit meinen Klassenkameraden mithalten und lernte, mich nicht auf meiner Situation auszuruhen.“ „Die Schule hat für mich den Grundstein gelegt, dass ich mein Leben heute so lebe.“ Auch die Universität habe er sich in erster Linie nach ihrem akademischen Ruf ausgewählt und weniger nach ihrer Erfahrung mit Rollstuhlfahrern, denn seine Devise sei: „Mein Rollstuhl ist immer zweitrangig und darf nie als Hinderungsgrund gelten!“ Zurzeit studiert Janis McDavid an der Universität Witten/Herdecke und bereitet sich auf seine Abschlussarbeit vor. Die Universität verlange von ihren Studierenden selbständiges Arbeiten und Denken und „ermutigt uns dazu, unser Leben selbst zu organisieren, dies entspricht meinem Denken.“ Seine Botschaft: „Überwinden Sie Ihre eigenen Grenzen, sorgen Sie im Sinne der Menschen mit Behinderung für bessere Barrierefreiheit, auch im Kopf. Machen Sie Unmögliches möglich."

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