Rücktritt nach Morddrohungen

Video: Über 3.000 Menschen demonstrieren in Zorneding gegen Fremdenhass

Zorneding - Zorneding hat nach dem Rücktritt des dunkelhäutigen Pfarrers ein Zeichen gesetzt – ein gewaltiges. Über 3000 Menschen haben sich vor dem Rathaus versammelt, um gegen Fremdenhass zu demonstrieren. 

Die Glocken der beiden Kirchen läuteten, als die Lichterkette geschlossen war. Zwischen evangelischem und katholischem Gotteshaus standen die Menschen mit Kerzen, darunter auch die Fraktionschefin der Grünen im Landtag, Margarete Bause und Bayerns SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen. „Olivier, wir stehen hinter dir“ oder „Mein Zorneding ist bunt“ stand auf den Transparenten geschrieben. Es war eine Solidaritätskundgebung für den aus dem Kongo stammenden Geistlichen Olivier Ndjimbi-Tshiende. Er war wegen Morddrohungen zurückgetreten. 

Verschiedene Redner bedauerten seinen Rückzug, zeigten aber Verständnis für seinen Schritt. „Wir zeigen Flagge gegen die Hetze“, betonte Bürgermeister Piet Mayr (CSU). Zorneding (Lk. Ebersberg, 9000 Einwohner) sei nicht die „braune Gemeinde“, als die sie jetzt teilweise hingestellt werde. Die Mehrheit stehe für Toleranz. Bei Mayrs Rede gab es vereinzelt Pfiffe.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bündnis gegen Rechtsradikalismus im Landkreis Ebersberg „Bunt statt Braun“. Als dessen Vertreter Moritz Dietz davon sprach, wie „Öl ins Feuer“ gegossen werde und den Namen Boher erwähnte, gab’s laute Buh-Rufe. Die inzwischen zurückgetretene CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher hatte im örtlichen Parteiblatt gegen Flüchtlinge gehetzt. Dagegen hatte der Pfarrer klar Position bezogen, woraufhin die rassistische Hetze gegen ihn samt mehreren anonymen Morddrohungen überhaupt erst ins Rollen kam.

Evangelischer Pfarrer betont: "Vor Gott sind alle Menschen gleich"

Tausende Menschen haben sich am Mittwochabend in Zorneding versammelt, um gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren - darunter auch zahlreiche Landkreispolitiker.

„Vor Gott sind alle Menschen gleich“, betonte Zornedings evangelischer Pfarrer Manfred Groß. Das sei die „Grundlage unseres Zusammenlebens.“ Angelika Burwick vom Helferkreis Asyl verwies auf das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Zornedings Vize-Bürgermeisterin Bianka Poschenrieder (SPD) sah die Veranstaltung als „klares Signal in die Welt“ gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit. Angriffe wie gegen Pfarrer Ndjimbi-Tshiende „lassen wir uns nicht bieten.“ Angela Warg-Portenlänger („Bunt statt Braun“) war vom Erfolg der Veranstaltung „überwältigt“. Das sei Motivation, mit der Arbeit weiter zu machen. Resumee von Landrat Robert Niedergesäß (CSU): „Ein gutes Signal.“

Das Erzbistum München-Freising hatte zuvor mitgeteilt, Olivier Ndjimbi-Tshiende werde trotz der Welle der Solidarität nicht mehr nach Zorneding zurückkehren. Er befindet sich an einem geheimen Ort und wird abgeschirmt von der Öffentlichkeit auf seine neue Aufgabe als Priester vorbereitet. Eine Online-Petition „Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben“ unterschrieben bis Mittwochnachmittag fast 67.000 Menschen. Zur Begründung schrieb die früher in der Gemeinde wohnhafte Initiatorin: „Wenn wir den Weggang des Pfarrers nun stillschweigend akzeptieren, überlassen wir kriminellen Nationalsozialisten das Feld.“

Der Pfarrer Ndjimbi-Tshiende schlägt versöhnliche Töne an

Ndjimbi-Tshiende schlug derweil versöhnliche Töne an. Er blicke ohne Zorn oder Verbitterung auf seine Jahre in der Pfarrei zurück, ließ der 66-Jährige vom Erzbistum verbreiten. Auch habe er sich mit Sylvia Boher versöhnt.

Die Hassparolen gegen den Geistlichen sind auch Thema der Freisinger Bischofskonferenz, deren Vorsitzender der Münchner Erzbischof Reinhard Marx ist. Bisher hat dieser sich nicht zu den Geschehnissen in Zorneding geäußert. Offenbar wird er es aber nun doch tun - zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der bayerischen Bischöfe in Passau. Sein Sprecher Bernhard Kellner gehe davon aus, dass sich Kardinal Marx am Donnerstag zu diesem Thema äußern werde.

Der aus dem Kongo stammende katholische Priester Olivier Ndjimbi-Tshiende hatte nach mehreren rassistisch motivierten Morddrohungen am Sonntag seinen Rücktritt als Pfarrer der Gemeinde erklärt. Tags darauf zog der 66-Jährige aus dem Pfarrhaus aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung gegen Unbekannt.

Tausende Menschen demonstrieren in Zorneding: Bilder

Wir haben den Text laufend aktualisiert.

Rubriklistenbild: © dpa

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