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Vor dem Jugendschutzgericht in Landshut wird gegen einen 46-Jährigen IT-Berater und seine 43-jährige Freundin aus Kirchseeon verhandelt.

Missbrauchs-Prozess

Perverse Fantasien an Sechsjähriger ausgelebt

Kirchseeon - Schockierend und erschütternd selbst für die abgebrühtesten Zuhörer im Gerichtssaal: Ein 46-jähriger IT-Berater aus Moosinning lebte seine perversen sexuellen Fantasien an der sechsjährigen Tochter seiner Geliebten aus.

Die 43-jährige Angestellte aus Kirchseeon betäubte ihr Kind vor den Übergriffen mit Medikamenten, damit ihr Geliebter sich in aller Ruhe an dem Mädchen vergehen konnte. Der Prozess wegen schweren sexuellen Missbrauchs einer Widerstandsunfähigen und gefährlicher Körperverletzung vor der als Jugendschutzgericht tagenden Jugendkammer des Landgerichts Landshut sollte – wie berichtet – eigentlich schon im Juli dieses Jahres über die Bühne gehen. Er war aber dann nach einem rechtlichen Hinweis des Vorsitzenden Richters Oliver Dopheide, nach dem bei der zunächst lediglich der Beihilfe angeklagten Angestellten auch eine Verurteilung als Mittäterin infrage komme, ausgesetzt worden.

Die Mutter soll dem Mann "Narrenfreiheit" zugesichert haben

Laut der von Staatsanwältin Anna Holzer vertretenen Anklage hatte sich das Paar 2005 im Internet kennen gelernt. Schon nach wenigen Treffen soll der IT-Berater „zur Sache“ gekommen sein und seiner Bekanntschaft seine Fantasien geschildert haben: Die – wie er es nannte – „Mini-Gesichtsbesamung“ eines kleinen Kindes sowie Geschlechtsverkehr mit Kindern.

Die Angestellte, die eine dauerhafte Beziehung mit dem IT-Berater anstrebte, so die Anklage weiter, habe sich aufgeschlossen gezeigt und sich bereit erklärt, ihm ihre damals sechs Jahre alte Tochter zur Verwirklichung seiner sexuellen Fantasien „zur Verfügung“ zu stellen. Und nicht nur das, sie soll ihm auch „Narrenfreiheit“ zugesichert haben. Ab Mai 2006 soll es dann über ein Jahr hinweg zu mindestens sieben Übergriffen auf das kleine Mädchen gekommen sein. Dazu habe man sich in der Moosinninger Wohnung des 46-Jährigen getroffen, nachdem die Angestellte noch zuhause ihre Tochter zuvor zum Schlafen ins Bett gebracht und ihr Schlaf- oder Betäubungsmittel verabreicht haben soll.

Mit dem schlafenden Kind suchte sie dann ihren Lebensgefährten auf und stellte ihm die Tochter für seine perversen sexuellen Handlungen zur Verfügung.

Und nicht genug damit: Von den Übergriffen sollen dann auch Videos gefertigt worden sein. Dem 46-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft in einer weiteren Anklage vor, bereits 2012/2013 seine damals sieben bis acht Jahre alte Nichte sexuell missbraucht zu haben. Er habe sich in der Nacht zu dem schlafenden Kind geschlichen und es dann im Intimbereich begrapscht. Auch davon soll er Videoaufnahmen gemacht und später sogar einer Bekannten vorgeführt haben.

Der Mann sitzt schon in Haft - Wegen sexuellen Missbrauchs

Zur Zeit verbüßt der IT-Berater gerade eine dreijährige Freiheitsstrafe, zu der er 2014 von der Jugendkammer des Landgerichts verurteilt worden war. Damals hatte er sich – so die Urteilsbegründung – einer 13-jährigen Landshuter Schülerin, die auf der Suche nach einem „Vaterersatz“ war, angebiedert und sie sexuell missbraucht. In diesem Verfahren waren auch zunächst die Vorwürfe wegen des Missbrauchs der Nichte angeklagt, die dann aber vom Gericht abgetrennt wurden, weil es Nachermittlungen für notwendig erachtete.

Im Zusammenhang damit wurden die Ermittler bei einer neuerlichen Computerauswertung fündig. Sie stießen auf einen regen Chatverkehr zwischen dem IT-Berater und der Angestellten, in dem es um die schockierenden Übergriffe auf deren Tochter ging.

Im Rahmen des Juli-Termins war über schriftlich vorbereitete Erklärungen der Verteidiger bekannt geworden, dass die beiden Angeklagten beabsichtigten, die Vorwürfe zu bestreiten.

Die Angeklagten bestreiten die Taten

Nach ihrer damaligen Version habe es nie Missbrauchsfälle gegeben, vielmehr habe man im Internet-Chat lediglich Fantasien „ausgelebt“. Wie Vorsitzender Richter Oliver Dopheide zum Auftakt der Neuauflage berichtete, war es in der Zwischenzeit zunächst zu Rechtsgesprächen zwischen der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern gekommen, in die letztlich auch die Berufsrichter der Kammer involviert worden seien. Dabei habe man sich darauf geeinigt, dass man sich bei der Angestellten im Falle eines umfassenden Geständnisses auf einen „minder schweren Fall“ einigen könnte. Zwar spreche die wiederholte Tatbegehung ebenso wie die Verletzung des besonderen Vertrauensverhältnisses zur Tochter dagegen, so der Vorsitzende. Andererseits wäre man ohne Geständnis auf reine Indizienbeweise angewiesen.

Zu berücksichtigen sei außerdem, dass die Taten bereits viele Jahre zurück lägen und die 43-Jährige laut Chatverkehr auch die Beendigung der Übergriffe betrieben habe.

Beim IT-Berater, so der Vorsitzende Richter, kämen natürlich keinesfalls „minder schwere Fälle“ in Betracht. In einem weiteren Rahmen wurden dann die zu erwartenden Strafrahmen „abgesteckt“: Der IT-Berater muss mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechseinhalb und siebeneinhalb Jahren rechnen, wobei die drei Jahre, die er gerade verbüßt, einbezogen werden. Der Angestellten wurde dagegen eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wird, in Aussicht gestellt. Der Prozess wird am 19. September fortgesetzt. Bei diesem Termin wollen sich die Angeklagten äußern.

Von Walter Schöttl

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