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Beim Tag der offenen Tür Anfang des Jahres sei der Helferkreis noch motiviert gewesen, sagt Konrad Weinstock (hinten re.). Mittlerweile habe sich die Stimmung geändert, insbesondere wegen der „schlechten Zusammenarbeit mit dem Landratsamt“, wie der Sprecher des Helferkreises sagt. Jetzt hat er sich an die Landes- und Bundespolitik gewandt.

Lesen Sie hier den Hilfeschrei der Ehrenamtlichen

Geduld ist zu Ende: Asyl-Helferkreis fühlt sich gedemütigt

Pliening - Der Asyl-Helferkreis Pliening klagt über Demütigung und mangelnde Unterstützung durch das Landratsamt. Jetzt wenden sich die Ehrenamtlichen an die Landes- und Bundespolitik und hoffen auf Hilfe. 

Konrad Weinstock fühlt sich vom Landratsamt Ebersberg als zuständige Behörde für die Traglufthalle in Pliening nicht nur alleingelassen, sondern auch gedemütigt. Der Sprecher des Asyl-Helferkreises hat sich nun an die Landes- und Bundespolitik gewandt, um die Missstände aufzuzeigen und um seinem Ärger Luft zu machen. „Aus unserer Sicht gab es von Anfang an mangelnde Unterstützung in der Zusammenarbeit“, hat es Weinstock in dem Schreiben an Landtagspräsidentin Barbara Stamm, an den Landtagsabgeordneten Thomas Huber (beide CSU) und an den SPD-Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer formuliert. 

Landrat: "Unverschämt und ehrabschneidend"

Besonders sauer stößt ihm auf, dass Landrat Robert Niedergesäß in einem E-Mail-Schriftverkehr (der der Ebersberger Zeitung vorliegt) folgende Worte an den Sprecher des Helferkreises gerichtet hat: „Sie (Weinstock, die Redaktion) ziehen meiner Meinung nach in unmöglicher Art und Weise über meine Mitarbeiter her und bedienen nahezu die gesamte Klaviatur der negativen Klischees über die ach so böse Verwaltung und das schlimme Landratsamt, von Feierabendkultur bis hin zur Verschwendung von Steuergeldern! Ich finde das ehrlich gesagt unverschämt und ehrabschneidend: so geht das nicht!“.

Niedergesäß bezieht sich auf eine Mitteilung Weinstocks, in welcher der Helferkreis-Sprecher über die Nacht des 12. Oktober berichtet. Am Nachmittag zuvor sei die Heizung der Traglufthalle ausgefallen, weil der Gas-Tank leer gewesen sei. Zwar habe der Sicherheitsdienst vor Ort sowie ein Mitarbeiter des Landratsamtes davon gewusst, unternommen worden sei aber nichts, so Weinstock. Man sei schlichtweg in den Feierabend gegangen. Die 220 Asylbewerber mussten die Nacht bei bis zu 4,8 Grad in der Halle verbringen – mit leichten Decken, da es keine Winterdecken gebe.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt das Landratsamt den Vorfall. Evelyn Schwaiger, Sprecherin der Kreisbehörde, teilt mit, dass die Mitarbeiter erst am Vormittag danach von dem leeren Gas-Tank erfahren hätten. Und: „Das Gas war ausgegangen, was aber wohl an der Gasuhr nicht erkennbar gewesen ist.“

Weinstock: "Bringen mehr Zeit für Asylbewerber auf als Sozialberater des Landratsamts"

Für Konrad Weinstock ist dies nur ein Beispiel dafür, dass die rund 30 ehrenamtlichen Helfer allein gelassen werden. Zwar gebe es Asyl-Sozialberater des Landratsamtes, die aber lediglich zehn Stunden pro Woche Sprechstunden in der Halle abhalten. Und das auch erst seit September, dreieinhalb Monate nach Bezug der Halle, so Weinstock. Die Ehrenamtlichen würden bei Weitem mehr Zeit für die Asylbewerber verbringen, „für uns sind viele der Aufgaben, die wir erfüllen, eigentlich Aufgaben der Behörden und Asyl-Sozialberater“, sagt Weinstock.

In einem Antwort-Schreiben an den Sprecher des Helferkreises weist Landrat Robert Niedergesäß darauf hin, dass seine Mitarbeiter schon, bevor es den Helferkreis gab, Überstunden gemacht hätten und manchmal auch bereit gewesen seien, ihren Feierabend, ihr Wochenende oder gar Teile ihres Urlaubs zu opfern, „um der Situation Herr zu werden und engagiert zu deren Bewältigung beizutragen“.

Konrad Weinstock wiederum hat dem Landrat darauf hin geantwortet: „Dass Ihre Mitarbeiter schon Überstunden gemacht haben, als es den Helferkreis noch nicht gab, ist durchaus ehrenwert. Unsere Helfer machen übrigens seit Monaten nur Überstunden (unbezahlt), denn viele bringen ihren Einsatz neben einem regulären Job.“

Essen lieber für die Tonne als für die Ehrenamtlichen

Zusätzlich zu vielen bürokratischen Hürden, die nicht nur in Pliening, sondern von Helferkreisen in ganz Bayern beklagt werden, ist Weinstock maßlos enttäuscht vom Umgang des Landratsamtes mit den Helfern. Er berichtet davon, dass Mitarbeiter der Kreisbehörde Ehrenamtlichen vorgeworfen hätten, sich etwas vom Essen für die Asylbewerber, das von einem Catering-Service geliefert wird, nehmen zu wollen. Dabei sei es um eine Handvoll Portionen gegangen, die eh nur weggeworfen worden wären. Auch als der Helferkreis angeboten habe, das Essen zu bezahlen, sei es ihm dennoch untersagt worden. „Für mich ist das symptomatisch dafür, welche Wertschätzung einige Mitarbeiter des Landratsamtes gegenüber der Arbeit der Helferkreise haben“, sagt Weinstock.

Situation "zugespitzt"

Nachdem es vor wenigen Wochen in der Plieninger Traglufthalle eine größere Schlägerei unter Asylbewerbern gegeben hat, in deren Verlauf die Haupttäter auch auf das Sicherheitspersonal losgegangen waren sowie das Büro des Helferkreises demoliert haben, sieht Konrad Weinstock die Situation als „zugespitzt“. Zumal die Haupttäter weiterhin in der Halle untergebracht sind.

Das Landratsamt habe lediglich angekündigt, die Zahl der Sicherheitskräfte zu erhöhen – das sieht Weinstock allerdings nicht als die richtige Lösung an. Zum einen, weil er selbst beobachtet und erfahren hat, dass das Personal teilweise nicht ausreichend geschult sei, zum anderen, weil viele Sicherheitskräfte Frauen seien, vor denen die meisten Asylbewerber (aufgrund ihrer Kultur) zunächst keinen Respekt hätten.

In seinem Brief an die Landes- und Bundespolitiker Stamm, Huber und Schurer schreibt der Sprecher des Helferkreises: „Bitte wirken Sie (...) darauf hin, dass in den Landratsämtern und insbesondere bei den dortigen Chefs ein Umdenken stattfindet.

Lesen Sie hier den Brief der Helfer im Wortlaut

Armin Rösl

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