Kofferraum voll mit Lebensmittel: Alexandra Schügerl aus Landsham ist als Lebensmittelretterin unterwegs – und hat so 13 Austern vor dem Tod gerettet. foto: rm

Die Austernretterin

Poing - Bevor man Lebensmittel, die nicht mehr gebraucht werden, wegwirft, kann man sie anderen schenken. So ist Alexandra Schügerl zu 13 lebenden Austern gekommen - jetzt wohnen die Tiere im Sea Life München

Als die Frau am anderen Ende des Telefons zu Ende gesprochen hatte, glaubte Alexandra Schügerl ihren Ohren nicht zu trauen. „Nein, die Austern sind nicht tiefgefroren, die leben noch“, hatte die Dame gesagt. „Da haben bei mir gleich alle Alarmglocken geschrillt“, erzählt die Landshamerin. Sie hat sich vor einiger Zeit auf der Internetplattform foodsharing.de angemeldet, als so genannte Lebensmittelretterin. Bevor Privatpersonen oder Supermärkte frische Lebensmittel aus welchen Gründen auch immer wegwerfen, können andere sie kostenlos abholen und für sich selbst verwenden. Oder an Tafeln weitergeben.

Die Austern waren ebenfalls im Internet angeboten worden. Nachdem Schügerl den Hörer aufgelegt hatte, fuhr sie zu der Frau nach Trudering und holte die 13 Austern ab. Vorher hatte die Landshamerin „Hinz und Kunz angerufen“, um die Tiere unterzubringen. Irgendjemand hatte ihr den Tipp gegeben: Probier’s doch mal beim Sea Life in München. Zur ihrer Überraschung sagte das Aquarium zu. „Also bin ich von Trudering aus schnurstracks ins Sea Life gefahren.“ Mit den Austern in einem Karton im Auto.

Im Sea Life im Münchner Olympiapark wurden die Tiere zunächst in Quarantäne gebracht und aufgepeppelt. Nach ein paar Tagen war klar: alle 13 überleben. „Mittlerweile sind sie in einem kleinen Aquarium“, berichtet Alexandra Schügerl. Die Mitarbeiter des Sea Life hätten ihr gesagt, dass es die ersten lebenden Austern in München seien. „Ich war schon mit meinem Neffen drin und habe sie mir angesehen.“

Die Fitnesstrainerin, Ernährungsexpertin und -beraterin aus Landsham ist seit gut zwei Monaten als Lebensretterin unterwegs. Gerade hat sie aus einem Supermarkt in Kirchheim mehrere Kartons Obst, Gemüse und Salat geholt. Die Waren verteilt sie an Freunden und Nachbarn. Und kocht einen Teil davon auch für sich selbst. „Die Lebensmittel sind nicht schlecht, aber wenn beispielsweise in einer Kiste Orangen eine dabei ist, die leicht angeschimmelt ist, nimmt der Supermarkt gleich die ganze Kiste aus dem Sortiment.“ Während in anderen Teilen der Welt Menschen verhungern, würden bei uns Lebensmittel aus nichtigen Gründen weggeworfen. „Das kann es doch nicht sein.“

Armin Rösl

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