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Nach vielen Monaten wieder glücklich vereint: Monika Mayr mit ihrem Mann Andreas und den Kindern Sebastian und Sophia.

Wenige Sekunden veränderten alles

Nach Horrorunfall: Frau kämpft sich zurück ins Leben

Poing - Binnen weniger Sekunden hat sich das Leben von Monika Mayr verändert: Ein Betrunkener hatte sie im Januar mit dem Auto umgefahren, die zweifache Mutter rang mit dem Tod. Sie verlor ein Bein – jetzt ist sie wieder zurück im Leben.

Als sie mit Schwung die Harfe aus dem Kofferraum heben wollte, um sie ihrer Tochter am Gehweg zu reichen, sah Monika Mayr im Augenwinkel die Scheinwerfer eines Autos. Ihr Mann Andreas, der wenige Meter entfernt gerade zu Fuß auf seine Frau zuging, erinnert sich an einen Knall, „als ob jemand einen Silvesterkracher gezündet hätte“.

Das nächste Bild vor seinen Augen: Ein Auto schiebt ein anderes vor sich her. Andreas Mayr lief los und entdeckte seine Frau unter ihrem Wagen liegend. Durch das laute Geräusch aufgeschreckt kamen Anwohner, um Erste Hilfe zu leisten. Vier Tage später, in denen Ärzte um das Leben der Poingerin gekämpft hatten, erzählte ihr Mann ihr, was passiert war.

"Mir ist wichtig, dass ich wieder hier sein kann"

Vor ihrem haus ist Monika Mayr von einem betrunkenen Autofahrer erfasst und dabei schwerst verletzt worden.

Es war Sonntag, 24. Januar, kurz vor 19 Uhr, als Monika Mayr mit ihren Kindern im Auto von einem Konzert, bei dem sie musiziert hatten, heimkam. Wie immer parkte sie vorm Hauseingang am Straßenrand, direkt unter einer Laterne, und, wie die Polizei später im Pressebericht feststellte, „ordnungsgemäß“. Als sie auf der linken Seite des Kofferraums stand, krachte das von hinten herannahende Auto, das mutmaßlich viel zu schnell unterwegs war, gegen Mayr und quetschte sie zwischen die beiden Fahrzeuge. Der Fahrer, ein damals 51-jähriger Mann aus Nordrhein-Westfalen, sowie sein Beifahrer erlitten schwere Verletzungen.

Knapp sieben Monate nach dem Unfall sitzt die Familie auf der Terrasse ihres Hauses in Poing. Dass die 41-jährige, fröhliche Mutter mit dabei ist, grenzt an ein Wunder. „Mir ist es wichtig, dass ich wieder hier sein kann und die Kinder weiter aufwachsen sehe“, sagt sie. Alles andere: wird schon. Im Haus ist bereits ein Treppenlift eingebaut, das Bad wird noch umgebaut. Hauptsache, Kopf und Geist seien heil geblieben.

Am übrigen Körper hat die Arzthelferin viele Verletzungen erlitten. „Im Klinikum rechts der Isar haben sich gleich drei Operationsteams um mich gekümmert“, berichtet sie. Das rechte Bein (Trümmerbruch) konnte gerettet werden, das linke nicht mehr. Hinzu kamen schwerste innere Verletzungen wie Leber- und Milzriss sowie mehrere durchbrochene Rippen. Nach den ersten OP wurde die Poingerin ins künstliche Koma versetzt.

Unfallverursacher hatte zwei Promille

Vier quälend lange Tage hofften und bangten ihr Mann Andreas (48) sowie die Kinder Sebastian (15) und Sophia (13). Monika Mayr glaubt sich zu erinnern, während der Komaphase ein Gespräch von Menschen an ihrem Bett gehört zu haben, die sagten, dass ein Bein habe amputiert werden müssen. Der Unfall, der Einschlag des anderen Autos – diese Sekunden sowie die anschließenden Minuten, in denen sie auf dem Boden lag, sind aus dem Gedächtnis verschwunden.

Am Tag, an dem die Arzthelferin aus dem künstlichen Koma geweckt wurde, gab die Polizei das Untersuchungsergebnis der Blutprobe bekannt, die unmittelbar nach dem Unfall beim Verursacher genommen worden war: knapp zwei Promille Alkohol.

„Über seinen Anwalt habe ich später einen Brief von ihm erhalten“, erzählt die Poingerin heute. „Ich habe aber keinerlei Bedürfnis, mich bei ihm zu melden.“ Sie sei nur froh, dass es niemand aus dem Ort war, den sie vielleicht sogar kennen würde. „Ich wüsste nicht, wie ich damit umgehen soll.“ Den Verursacher wird Monika Mayr erst vor Gericht wieder sehen, gegen ihn wurden zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet: wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung.

Auf Krücken beim Poinger Volksfest

In den vier Wochen, in denen die Poingerin im Krankenhaus war, wurde sie 15 Mal operiert. Durch den Schmutz von der Straße hatten sich in beiden Beinen Keime gebildet. Am Tag vor ihrem 41. Geburtstag erfolgte die letzte OP, anschließend verbrachte sie vier Monate in einer Fachklinik für Amputationsmedizin im niederbayerischen Osterhofen. Dort musste sie das Gehen neu lernen: am linken Bein trägt sie ab Mitte des Oberschenkels eine Prothese, das rechte Bein wird durch einen Nagel, der vom Knie bis ins Sprunggelenk reicht, stabilisiert.

Mitte Juli hat sie auf Krücken das Poinger Volksfest besucht. „Das war mir wichtig, dass ich allen Freunden und Bekannten, die mich und meine Familie so großartig und selbstlos unterstützt haben, zeige: Ich bin wieder da, weiter geht’s!“ Bis zum nächsten Zumba-Training, das sie regelmäßig besucht hatte, wird es aber noch eine Weile dauern. „Das schaffst Du auch noch“, sprechen ihr Mann und ihre Kinder ihr an diesem lauen Sommerabend, knapp sieben Monate nach dem Horrorunfall, Mut zu. Monika Mayr nickt und lächelt.

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