Was lange währt.... Seit dem Jahr 2008 arbeitet E.on an dem Geothermie-Projekt in Poing. Jetzt läuft es regulär. Archiv-Foto: dziemballa

Nach vier Jahren Bau- und Probezeit: Geothermie in Poing läuft

Poing - Jetzt ist es amtlich: Die Geothermie in Poing läuft. Seit dieser Woche werden 80 Liter Thermalwasser pro Sekunde hochgepumpt. Damit ist Poing-Nord in Sachen Heizen so gut wie autark von konventionellen Brennstoffen.

Nach mehreren Rückschlägen in der Bau- und Probephase ist die Poinger Geothermie jetzt regulär in Betrieb. "Seit dem 3. Dezember wird das Tiefenwasser mit 80 Litern pro Sekunde hochgepumpt", teilt Peter Wendler mit, Sprecher der E.on Bayern Wärme GmbH. Die Wassertemperatur betrage etwa 76 Grad. "Durch die Geothermie decken wir jetzt 70 Prozent des Wärmebedarfs ab." Die restlichen 30 Prozent werden von der Heizzentrale (ehemals Blockheizkraftwerk) an der Gruber Straße produziert. Hierfür hat E.on die Zentrale heuer im Sommer umgebaut und drei neue Gaskessel eingesetzt, welche die Geothermie mit konventionellem Erdgas absichern. Dies erfolge laut E.on, wenn in den kalten Wintermonaten das Thermalwasser für die Versorgung nicht ausreicht.

Bei normalen Voraussetzungen ist Poing-Nord durch die Geothermie in Sachen Heizen fast autark von fossilen Brennstoffen und konventioneller Energie. Die Weichen hierfür hat der Gemeinderat vor langer Zeit gestellt, als sich noch sehr wenige Menschen Gedanken gemacht hatten über alternative Energien. Die Preise für Fernwärme liegen laut E.on unter jenen für fossile Energien wie Gas oder Heizöl und könnten durch die Geothermie stabil gehalten werden.

Poing-Nord ist mit dem neuen Ortszentrum, dem Gewerbegebiet und den Neubaugebieten am Bergfeld ans Fernwärmenetz angeschlossen - laut E.on sind es insgesamt etwas mehr 330 Objekte. Die dafür notwendigen Leitungen haben eine Gesamtlänge von etwa 13 Kilometern. Bau- bzw. Bohrbeginn für die Geothermie war 2008.

Wegen immer wieder kehrender Anfragen aus Poing-Süd hat die E.on Bayern Wärme GmbH im Sommer eine Fernwärmeleitung unter die Bahnlinie hindurch in den alten Teil der Gemeinde verlegt. Daran angeschlossen werden soll beispielsweise das große Wohngebäude, welches zurzeit an der Hauptstraße errichtet wird. Ob in Poing-Süd weitere Objekte angeschlossen werden bzw. ob hier ebenfalls ein komplettes Fernwärmenetz installiert werden könnte, stehe laut Auskunft von E.on und Bürgermeister Albert Hingerl allerdings noch nicht fest.

Für das Geothermie-Projekt in Poing - das erste seiner Art, welches E.on alleine betreibt - hat der Energiekonzern rund 31 Millionen Euro investiert. Darin inbegriffen sind rund eine Million Euro für Nachbesserungs- und Reparaturarbeiten, weil unter anderem Gesteinssedimente die Bohrlöcher verstopft hatten. Nun sind laut E.on-Sprecher Peter Wendler alle Arbeiten erledigt, "und seit September liegt die Bewilligung zur Gewinnung von Erdwärme durch das Wirtschaftsministerium vor".

Die Gemeinde Poing war und ist in Sachen Kosten übrigens fein raus, da sie an der Geothermie in keinster Weise beteiligt ist. Im Nachhinein gesehen war dies wohl ebenfalls eine weise Entscheidung des Gemeinderates.

von Armin Rösl

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