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Eine seiner Patienten: Der Poinger Dieter Knautz mit Mascha aus Weißrussland, die schwerbehindert zur Welt kam und dank des Vereins Gomel-Hilfe lebensnotwendige Operationen bekommen hat.

Nachruf

Dieter Knautz ist tot: Er war ein Glücksfall für viele Menschen in Gomel

Dieter Knautz, Gründer und Vorsitzender des Poinger Vereins Gomel-Hilfe, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Seit 1994 halt er Menschen in Weißrussland.

Dieter Knautz hat sich um jeden kleinen Patienten gekümmert, als wäre es sein eigenes Kind gewesen. Zum Beispiel Mascha. Vor zehn Jahren war die damals Fünfjährige aus der weißrussischen Stadt Gomel zum ersten Mal in Poing unter der Obhut von Knautz. Er hatte dafür gesorgt, dass das mit mehreren Behinderungen zur Welt gekommene Mädchen in München operiert wird. Mascha hatte unter anderem verkrüppelte Füße und eine sich immer stärker krümmende Wirbelsäule. Ihr Vater hatte die Familie kurz nach der Geburt verlassen, ihre Mutter starb mit 41 Jahren an einem Herzinfarkt. In den Jahren darauf wurde das Mädchen nochmals in Deutschland operiert. Stets finanziert aus Spendengeldern der Poinger Gomel-Hilfe.

Dieter Knautz gründete den Verein im Jahr 1994 und war fortan dessen Vorsitzender. Er und seine Mitstreiter hatten es sich zur Aufgabe gemacht, kranken Menschen jeden Alters in der weißrussischen Stadt Gomel und im Sperrbezirk rund um das ehemalige Kernkraftwerk Tschernobyl zu helfen. Zweimal im Jahr fuhr von Poing aus ein Lastwagen gefüllt mit Medikamenten und Kinderkleidung nach Belarus. Und immer wieder holte Knautz Patienten nach Deutschland, um ihnen hier die Möglichkeit für eine lebensnotwendige Operation zu geben.

Unzählige Tonnen Medikamente und medizinische Geräte hat die Gomel-Hilfe unter Vorsitz von Knautz nach Weißrussland transportiert. Er selbst war fast immer mit an Bord und sorgte persönlich dafür, dass die Hilfsgüter dort ankamen, wo sie hin sollten: in Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und zu alten Menschen, die dringend Medikamente brauchten, welche sie sich nicht leisten konnten.

Für sein unermüdliches ehrenamtliches Engagement bekam Dieter Knautz im Jahr 2003 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, 2009 erhielt er die Bürgermedaille der Gemeinde Poing. Darüber hinaus verlieh ihm die Universität der Stadt Gomel den Titel eines Ehren-Professors.

In zahlreichen Schreiben nach erfolgreichen Operationen haben sich Patienten und deren Familien beim Verein und dessen Vorsitzenden bedankt. So wie die Rollstuhlfechterin Vera Pastarnak, die Mitglied der Behinderten-Nationalmannschaft von Weißrussland war. Sie hatte als neunjähriges Mädchen bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall das linke Bein verloren. Jahre später, als junge Frau mit 21 Jahren, bekam sie in Belarus zwar eine Prothese, die allerdings minderwertig war und nicht richtig passte. Nachdem die Gomel-Hilfe ihr dank Spenden eine qualitativ hochwertige Prothese hat zur Verfügung stellen und anpassen lassen können, schrieb Vera Pasternak an Dieter Knautz: „Meine Begegnung mit Ihnen war ein Glücksfall. Sie haben mir wieder Lebensmut gegeben, Motivation, das Licht und die Freude, auf die ich 17 Jahre gewartet hatte.“

In den vergangenen Jahren war es ruhig geworden um den Verein Gomel-Hilfe, weil Dieter Knautz selbst mit einer schweren Krankheit zu kämpfen hatte. Jetzt ist er im Alter von 68 Jahren gestorben.

Armin Rösl

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