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Eine Abordnung aus Poing hat Landtagspräsidentin Barbara Stamm (sitzend, li.) die Probleme des Helferkreises sowie das „Integrationskonzept 4.0“ erläutert.

Zu viel Bürokratie

Helferkreis Asyl schlägt Alarm

Der Poinger Helferkreis Asyl übt harsche Kritik an der Landespolitik. Durch zu viel Bürokratie würde Ehrenamtlichen die Arbeit mit Flüchtlingen schwer gemacht. Die Helfer haben einen Forderungskatalog an die Staatsregierung verfasst.

Während einige Helferkreise den Ehrenamtsempfang am Samstag im Landtag boykottiert haben, ist eine Vertretung aus Poing bewusst hingefahren, um mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm zu diskutieren. „Wir konnten mit ihr über die Notwendigkeit sprechen, die Arbeit zwischen den staatlichen Stellen und Behörden mit den Helferkreisen zu verbessern“, berichtet Götz Kirchhoff. Der Sprecher der über 100 Poinger Ehrenamtlichen zieht als Fazit: „Die meisten Helferkreise in Bayern kämpfen wie wir mit der Bürokratie.“

Die Vertretung aus Poing hatte ein Konzept im Gepäck, welches sie Stamm vorgestellt und sie gebeten haben, die Schirmherrschaft dafür zu übernehmen. Titel: „Integrationskonzept 4.0 – staatliche Stellen und Helferkreise vernetzen!“ (siehe Kasten).

Nach dem Ausspruch „Wir schaffen das!“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel hätten sich viele Deutsche aufgerufen gefühlt zu helfen, sagt Kirchhoff. „In unserer Gemeinde sind seit zwei Jahren die freiwilligen Helfer für die Schutzsuchenden aktiv. Eines hat uns alle geeint: der absolute Wille, den Schutzsuchenden zu helfen und sie bestmöglich in unsere Gemeinde und Gesellschaft zu integrieren. Wir haben uns alle mit sehr viel Energie, Engagement und Herzblut an die freiwillige Arbeit gemacht. Viele gute Ideen wurden geboren und umgesetzt. Wir haben voneinander und miteinander gelernt. Aus Fremden wurden Freunde. Wir leben Integration und haben das Gefühl ,wir schaffen das’.“

Allerdings würden die Bemühungen um Integration von staatlicher Seite geradezu ad absurdum geführt, klagt Götz Kirchhoff: „Die Behörden sind in der Zusammenarbeit enttäuschend unkooperativ und nicht effektiv. Nicht nachvollziehbare Vorschriften stellen im Alltag unüberwindbare Hürden dar. Das immer wiederkehrende Argument ist der Datenschutz.“

Häufige und plötzliche Verlegungen der Schutzsuchenden (wie im Sommer in Poing geschehen) würden zum Verlust der neu geknüpften und für die Integration so essenziellen sozialen Kontakten führen. „Erschwert wird die Situation zusätzlich durch den Mangel an frühzeitigem Zugang zu Bildungsmöglichkeiten und der Tatsache, dass die Asylbewerber vor allem in den großen Unterkünften zu reinen Nummern degradiert werden. Die Menschenwürde bleibt auf der Strecke“, bilanziert der Sprecher des Poinger Helferkreises nach zwei Jahren ehrenamtlicher Arbeit. „Den Flüchtlingen wird der Weg zur vielfach eingeforderten schnellen Integration durch den ungeheuren Bürokratieaufwand versperrt.“

Damit dies künftig besser läuft und die Integration tatsächlich geschafft werden kann, dafür soll das „Integrationskonzept 4.0“ sorgen. Kirchhoff: „Wir haben die erfolgreichsten Software-Häuser in Deutschland, es gibt eine Vielzahl von Beratungsunternehmen, die dieses Projekt begleiten könnten. Es darf nicht im Konzept stecken bleiben, realisierbare Teilprojekte sollen zügig in die Praxis gehen.“

Grundsätzlich, so der Sprecher, gebe der Freistaat viel Geld für die Integration aus. Aber: „Die finanziellen Mittel des Freistaates könnten noch effektiver eingesetzt werden, wenn die Beteiligten über eine gemeinsame Informationsplattform kommunizieren.“ Der Helferkreis habe mit der Gemeinde Poing eine einsatzbereite Datenbank entwickelt, die für jeden Landkreis und die lokalen Helferkreisen nutzbar wäre. Allerdings scheitere die Inbetriebnahme an der Bürokratie, konkret am Datenschutz. Für Kirchhoff ist dies nicht nachvollziehbar.

Der Forderungskatalog des Poinger Helferkreises Asyl an die bayerische Staatsregierung im Wortlaut: 

1. Hören Sie auf, durch populistische Stammtischreden ein Klima der Fremdenfeindlichkeit und Angst zu schaffen. Nehmen Sie Abstand von Pauschalverurteilungen. Die Welt ist bunt, nicht schwarz-weiß.

2. Ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre der große Flüchtlingsstrom des letzten Jahres nicht zu bewältigen gewesen. Unsere Arbeit dient dem sozialen Frieden in den Gemeinden und Städten. Blockieren Sie diese nicht, sondern treten Sie in Diskussion und Kooperation mit uns, den Freiwilligen in den Helferkreisen, ein.

3. Stellen Sie die Leistungen der Staatsregierung mit den nachgelagerten Behörden verständlich dar und nutzen Sie die Expertise der Helfer vor Ort, um gemeinsam ein tragfähiges, praktikables und menschenwürdiges Integrationskonzept zu entwickeln und umzusetzen.

4. Starten wir zusammen das Integrationskonzept 4.0. Vernetzten wir die Kräfte von staatlichen Organisationen im Freistaat Bayern und auf Bundesebene mit den Helferkreisen zugunsten der Schutzsuchenden.

5. Helferkreise brauchen dringend mehr Spielraum, Budget und bessere Zusammenarbeit mit und zwischen allen staatlichen Stellen, dann können wir diese Mammutaufgabe gemeinsam erfolgreich bewältigen.

6. Von zentraler Bedeutung sind folgende Angebote: Sprach- und Integrationskurse, Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätze für möglichst viele Menschen, die bei uns Schutz suchen.

7. Jeder Schutzsuchende benötigt eine persönliche Kompetenzerhebung und auf seine Belange ausgerichtete Integrationsbegleitung.

Armin Rösl

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