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Eine von rund 40 Bands: "Reach Out" in der Café-Station.

Lange Nacht der Musik

40 Konzerte und ein Party-Bus

40 durchweg tolle Konzerte auf 30 Bühnen: Das war Poings "Lange Nacht der Musik" am Samstag. Von Station zu Station fuhr ein Shuttle-Party-Bus. 

Wer hätte geglaubt, dass Musik stärker ist als Dauerregen? Ja, das ist so. Dies hat am Samstagabend die „Lange Nacht der Musik“ in Poing bewiesen. „Das kulturelle Highlight im Herbst“, wie Bürgermeister Albert Hingerl die Veranstaltung der Gemeinde nennt. Trotz des miesen Wetters kamen hunderte Poinger aus ihren Wohnungen und Häusern zu den rund 30 Spielorten – in Schulen, Kirchen, Cafés oder Kneipen. Dort herrschte beste Laune statt Trübsinn.

Während draußen der Regen trommelt, sind es in der Turnhalle der Grundschule Karl-Sittler-Straße die etwa 50 Mitglieder der Gruppe Jankara. „Wir machen Djembe-Musik aus Afrika“, erklärt Steffi Böer. Christa Müller aus Poing, Patenschaftsbeauftragte der evangelischen Pfarrgemeinde für ein Dorf in Tansania, hatte vor Jahren die Musik aus dem schwarzen Kontinent mitgebracht – unter Leitung von Tola Sholana üben rund 50 Trommler einmal im Monat in der Christuskirche.

Weit vertrauter klingen die heimischen Stimmen von Trautlinde Gartler, Stefanie Jodl und Ute Koran. Diese drei Frauen, bekannt als Poinger Dreigesang, haben sich unter das weit vorstehende Dach einer Scheune im Peishof gedrängt und geben alpenländisches Liedgut zum Besten. Für die begleitenden Töne sorgt die Gruppe „Basst Scho“ und die Münchner Saitenmusik.

Richtig laut wird es für Zuhörer, wenn sie das „Poinger Herzschlog“ betreten. Hier rockt der noch junge Nico Sücker die Kneipe, es gibt kaum ein Durchkommen zu den erfrischenden Getränken an der Bar. In seinem Repertoire hat das Nachwuchs-Talent nahezu alles, was fetzt: Er trägt bekannte Hits von Creedence Clearwater Revival genauso gekonnt vor wie von seinem Lieblingsinterpreten Elvis oder den Beatles.

Musik der legendären Pilzköpfe Liverpool erklingt auch auf der Straßenseite gegenüber. Hier, im Café Hasi, lässt „Fun Can Do“ aus Ebersberg die Bude wackeln. Wenn Thomas Kling und Florian Inkofer in ihre Gitarren greifen, Franz Schmidberger den Bass zupft und Axel Högel am Schlagzeug tobt, werden selbst Zuhörer in den hinteren Reihen munter. Ganz zu schweigen von Power-Frontfrau Susan Fahrer: Dieses quirlige Bündel an Temperament ist nur schwer zu stoppen und überzeugt mit gewaltiger Stimme.

Deutlich gesetzter, doch keineswegs langsam lassen es die drei Herren des Trios H. (Helmut Hoen/Piano), M. (Jan Marek/Kontrabass) und S. (Richard Schuster/Drums) im Spiegelsaal des Bürgerhauses angehen. Sie bieten, vor einer stets ergriffen lauschenden Fangemeinde, groovige Latin-Rhythmen, einfühlsame Balladen oder auch Filmhits wie den „Rosaroten Panther“.

Wer’s eher mit Folkmusik hält, wird dazu im Erdgeschoss von „Summer2Go“ bedient – herrlich!

Zum Glück gibt es an diesem beschwingten Abend zwischen den Stationen einen trockenen Dauerplatz – im Party-Bus. Dort sorgt DJ RetroRösl für Stimmung während der Fahrt bis zum nächsten Halt. Weil’s gar so schön war, bleiben viele gleich noch länger im Bus als bis zum nächsten Halt. Im Halb-Stunden-Takt tourt der Shuttle-Bus inklusive Bord-Bar durch Poing.

Wer etwa Klassik mag, kann am BayWa-Markt aussteigen und sich an den zarten Melodien des Ensembles Funkenflug erfreuen. Zwischen Katzenfutter und Reitzubehör haben sich sechs herausragende Musiker unter einem kleinen Pavillon versammelt: Friederike Mößbauer, Melanie Otten und Bastian Maucher (Flöten), Stefan Schloter und Regina Gaigl (Klarinetten) sowie Yuko Miura am Klavier schaffen einen exotischen Klang-Teppich im Baumarkt.

Viel Stimmung herrscht ein paar Straßen weiter, in der Kindertagesstätte des Familienzentrums im Zauberwinkel. Eigentlich wollten die sechs stimmgewaltigen jungen Männer von „aMuSing“ am Bergfeldsee in freier Natur auftreten, doch diese Idee war schnell verworfen. Und so bieten sie ihren A-cappella-Pop in ganz unterschiedlichen Stimmlagen einem begeisterten Publikum eben in der Kita an. Sie singen variantenreich von Sixpacks und Brotzeiten, vom Freitag, dem 13. oder, ganz banal, sogar von einem Schnellkochtopf.

Laut und rockig, funkig und soulig geht’s derweil bei den Konzerten im Jugendzentrum (unter anderem mit „Phonotom“, die derzeit ihre erste CD aufnehmen), in der Café-Station (Al Jones Band), im Pfarrheim Rupert Mayer („esgehtauchlaut“), in der Dreifachturnhalle und in der Face-Bar zu.

Schnell war dieser faszinierende Abend vorüber, selbst wenn wohl nur wenige zu allen Musik-Stationen durchgedrungen waren. Hatte es doch noch Aufführungen der Ballettschule gegeben, Salsa- und Reggae-Klänge, Akkordeon-Kunst vom Feinsten oder Musik vom Balkan. Was bleibt sind viel Musik und schöne Erinnerungen am Kopf – die Regentropfen auf dem Kopf sind vergessen.

Lange Nacht der Musik in Poing - Bilder

Lange Nacht der Musik in Poing - Bilder

Friedbert Holz

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