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An 365 Tagen jeweils ein Bild gemalt: Die Poingerinnen Natalja Herdt, Nadine Mostoller und Christine Kohl (v.li.).

Zeichnungsreise

Ein Jahr in Bildern

Es gibt viele Möglichkeiten, ein Jahr zu dokumentieren. Drei Poingerinnen haben zwölf Monate jeden Tag ein Bild gemalt – und ihre gezeichneten Tagebücher jetzt präsentiert.

Eine ungewöhnliche Form des Jahresrückblicks war am Wochenende in der evangelischen Christuskirche in Poing-Nord zu bestaunen: Drei Frauen aus der Gemeinde hatten eine „Zeichnungsreise“ präsentiert: Von April 2015 bis April 2016 malten sie jeden Tag ein Bild. Ideengeberin war Natalja Herdt. „Mir ist das vor zwei Jahren eingefallen und ich hatte dann dazu aufgerufen, mitzumachen“, erzählt die 41-jährige Künstlerin, die in Nowosibirsk zu Welt kam, seit 1992 in Deutschland lebt und an der Kunsthochschule in Kassel studiert hat. Zwar haben lediglich zwei Frauen teilgenommen, „doch die Bilderauswahl ist trotzdem enorm“, freut sich Herdt.

„Dank der Hilfe der evangelischen Gemeinde, die uns einen Raum zur Verfügung gestellt hat, und des Kulturamtes Poing war jetzt diese Ausstellung möglich“, hob Herdt bei der Vernissage hervor. „Ich selbst habe versucht, wirklich jeden Tag ein Bild zu malen oder zu zeichnen. Meist sind dabei Szenen entstanden, die sowohl den Alltag, als auch meine Launen zeigen, je nach Lust. Manchmal hatte ich weder den Mut noch die Ausdauer, doch alle Bilder sind absolut authentisch – das war mir wichtig.“ Und sie verriet den Besuchern: „Morgens malte ich meist noch gegenständlich, abends eher abstrakt.“

Die Bilder von Nadine Mostoller hingegen, einer 38-jährigen IT-Managerin, sind alle abends entstanden: „Ich habe mich in meinen Motiven sehr von Stimmungslagen leiten lassen. Da sind Bilder entstanden, die Titel wie ,müde’, ,blauäugig’, ,einsam’ oder ,vergänglich’ tragen. Oder ich habe Begriffe gemalt, die eine Zweideutigkeit ausdrücken: ein Geier symbolisiert das Warten, ein Kran wird mit einer Giraffe verglichen, das Bild ,über Gittern’ zeigt ein Stück Grillfleisch.“

Abstrakt begonnen und gelegentlich ins Gegenständliche gekommen ist auch die Dritte im Bunde, Christine Kohl. Die 58-jährige Kundenbetreuerin einer Software-Firma hat „meist zur Entspannung gemalt, mit Motiven aus der Laune heraus“. In ihrer Jahressammlung finden sich Skizzen aus dem Ski-Urlaub, der kleine Teddy auf dem heimischen Sofa, der Sohn („schnell hingekritzelt“), eine Damenarmbanduhr – mal mit Bleistift, mal mit Tinte gemalt.

So ist, wie Poings Zweiter Bürgermeister Franz Langlechner bei der Vernissage würdigte, „ein spannendes Projekt“ entstanden, das vor allem die Eigeninitiative von Bürgern unterstreiche. Er bewundere den Mut und vor allem die Ausdauer, quasi ein „gezeichnetes Tagebuch“ zu erstellen, das im Gegensatz zur Fotografie auch immer einen Blick nach innen freigebe, sagte Langlechner. „Und was in diesen Bildern und Zeichnungen deutlich zu sehen ist: Poing hat viele verschiedene Gesichter."

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