Poings Polizeichef Helmut Hintereder warnt

Zahl der Straftaten geht deutlich nach oben

Poing/Landkreis - Deutlich nach oben gegangen ist die Zahl der Straftaten im ersten Halbjahr 2016 im Bereich der Polizeiinspektion Poing. Das liegt zum Teil an der Asylthematik, wie Poings Polizichef Helmut Hintereder sagt.

Verzeichnet wurden im nördlichen und westlichen Landkreis von Januar bis Juni 1369 Delikte. Das ist ein Plus im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr von 27 Prozent beziehungsweise 289 Fällen. An 95 Straftaten waren Zuwanderer beteiligt. Das entspricht einem Drittels des Anstiegs.

Im Jahr 2015 hatte es mit 1080 Straftaten allerdings den niedrigsten Stand seit 2009 gegeben. Damals, vor sieben Jahren, lag die Zahl der Straftaten in etwa auf dem aktuellen Niveau.

Besonders stark ist im ersten Halbjahr 2016 die Zunahme der so genannten „Rohheitsdelikte“, die um etwa 50 Prozent von 144 Fällen auf 217 Fällen stiegen. Gefährliche und schwere Körperverletzungen verdreifachten sich in diesem Zeitrahmen.

Ursache für diese Entwicklung sind laut Helmut Hintereder, Leiter der Polizeiinspektion Poing, in erster Line Auseinandersetzungen in Asylbewerberunterkünften, meist zwischen Flüchtlingen untereinander. In 51 Fällen, das entspricht 70 Prozent der Zunahme, war mindestens ein Zuwanderer als Täter „geführt“,

Aber: Für Beobachter ist erstaunlich, dass in der beengten Situation von Massenunterkünften nicht noch mehr passiert. Hintereder führt das auf die „hervorragende Arbeit der Helferkreise“ zurück. Zudem stammten viele Flüchtlinge aus Krisengebieten und „haben von Gewalt die Schnauze voll“.

Bei den Auseinandersetzungen spielt oftmals Alkohol eine Rolle. Manche Flüchtlinge seien wohl schon als Alkoholiker nach Deutschland gekommen, andere seien es hier geworden, sagt Hintereder. Wenn dann jemand abends oder nachts betrunken und polternd in die Unterkunft komme, in der andere Flüchtlinge schlafen, dann sei der Streit programmiert.

Opfer der Taten von Zuwanderern seien überwiegend auch Zuwanderer, so Hintereder. Bei zwei angezeigten versuchten Körperverletzungen waren Mitglieder von Sicherheitsdiensten die Geschädigten. Verletzte gab es dabei nicht.

Eine 57-jährige Deutsche hatte in der Wohnung eines befreundeten Zuwanderers Streit mit einem anderen Zuwanderer und wurde dabei verletzt. Die Frau erstattete zunächst Anzeige, zog dann aber ihren Strafantrag wieder zurück. Der Fall wird von den Ordnungshütern dennoch weiterverfolgt.

Die Polizei ermittelt in Fällen, die angezeigt werden, aber auch in Fällen, bei denen sie Kenntnis von Körperverletzung erhält. Dass sei beispielsweise bei häuslicher Gewalt so, erklärt Hintereder, wenn die Frau erkennbar verletzt sei, möglicherweise jedoch aus Angst ihren Mann nicht beschuldige.

Für möglich hält Hintereder auch, dass es bei Körperverletzung unter Flüchtlingen noch mehr Fälle gibt, die der Polizei aber nicht bekannt würden.

Zweithäufigste Straftaten bei Flüchtlingen sind nach den Körperverletzungen Vermögens- oder Fälschungsdelikte. In der Gesamtbevölkerung registrierte die Polizei im ersten Halbjahr 324 derartige Fälle. 21 entsprechende Delikte wurden Flüchtlingen zugerechnet, darunter 13 Mal „Erschleichen von Leitungen“, also Schwarzfahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Deutlich zugenommen haben im Bereich der Polizeiinspektion Poing auch Rauschgiftdelikte, von 92 Fällen im ersten Halbjahr 2015 auf 110 Fälle in den ersten sechs Monaten 2016. Drei dieser Taten werden laut Polizei Zuwanderern zugeschrieben.

Hintereder weist darauf hin, dass auch schon 2015 vermehrt Flüchtlinge im Landkreis waren. Ein entsprechender Anstieg von Straftaten schlug sich jedoch erst im zweiten Halbjahr des vergangene Jahres in der Statistik wieder. Derzeit sei spürbar, dass mehrere große Unterkünfte in den Turnhallen aufgelöst wurden, so der Inspektionsleiter. Die Zahl der betreffenden Einsätze sank.

Rubriklistenbild: © dpa

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