Blickrichtung Osten: Neun Gräber, die auf dem Edeka-Areal gefunden wurden, sind etwa 1200 Jahre alt und zeugen von einer christlichen Bestattung, da die Körper nach Osten ausgerichtet sind. Zwei weitere Gräber, die von Archäologen freigelegt wurden, dürften rund 4500 Jahre alt sein. foto: anke adam

Bau des Edeka vorerst gestoppt

Skelette auf Supermarkt-Gelände

Pliening - Die Erdarbeiten für den Bau des Edeka-Marktes in Pliening haben begonnen - und sind erstmal gestoppt. Archäologen haben Gräber gefunden.

Insgesamt sind es elf Grabstellen, die Archäologen auf dem Gelände an der Geltinger Straße (zwischen Pliening und Gelting) freigelegt haben. Darin lagen die Überreste von Menschen aus dem frühen Mittelalter (etwa 800 nach Christus) sowie aus der Glockenbecherzeit (circa 2200 bis 2600 vor Christus). Die Knochen sind bereits geborgen und von der Ausgrabungsfirma zur genaueren Untersuchung ins Landesamt für Denkmalpflege gebracht worden.

Willi Kneißl, in Gelting lebender Heimatforscher, hatte vergangene Woche die Ausgrabungen besucht und berichtet von Gesprächen, die er mit den Archäologen geführt hat: "So viel hat man schon festgestellt: Es handelt sich um junge Menschen im Alter von etwa 18 bis 20 Jahren sowie um Erwachsene. Kindergräber waren keine dabei." Neun Gräber stammen laut Archäologen aus dem Mittelalter, zwei aus der Glockenbecherzeit. "Aus dieser Zeit haben wir in Landsham ebenfalls zwei Gräber gehabt", berichtet Kneißl. Auf dem Gelände, wo jetzt das Logistikzentrum mit seinen beiden großen Hallen steht.

Gräber aus dem Mittelalter seien in Pliening keine Seltenheit, informiert Heimatforscher Willi Kneißl. Die Ausrichtung der Bestatteten sei stets gen Osten, "der Körper ist so gelegt, dass der Kopf und somit die Augen nach Osten ausgerichtet sind." Außerdem seien keinerlei Grabbeigaben gefunden worden. Dies lasse laut Kneißl auf ein christliches Begräbnis schließen. Acht der neun Gräber befinden sich unmittelbar an der Geltinger Straße. Das neunte liegt etwas abseits, über Gründe hierfür könne nur spekuliert werden. "Vielleicht war es ein Außenseiter", sagt Kneißl schmunzelnd.

Weil in unmittelbarer Nähe zu diesen Gräbern das Erdreich darauf schließen lasse, dass im Mittelalter hier ein Hof gestanden hat, vermuten die Archäologen und der Heimatforscher, dass es sich bei den Gräbern, die eng aneinander liegen, um einen so genannten Hoffriedhof handelte.

Die beiden Gräber aus der Glockenbecherzeit liegen auf der anderen, der südlichen Seite des Edeka-Grundstücks. "Hier haben die Archäologen neben Knochen auch Keramikteile gefunden; solche Gefäße, in denen Grabbeigaben, beispielsweise Speisen, lagen, sind typisch für die Glockenbecherzeit."

Willi Kneißl hat als Heimatforscher maßgeblichen Anteil daran, dass die Gemeinde Pliening heuer ihren 1200. Geburtstag feiern kann. Er hat herausgefunden, dass im Jahr 813 der Ort, genau: Gelting, erstmals urkundlich erwähnt worden ist. "Dazu passen die Gräber aus dem Mittelalter, die etwa 1200 Jahre alt sein dürften", so Kneißl. Weil die Glockenbecher als Nomaden galten, können sie nicht als Gründungsväter der Orte Pliening oder Gelting herhalten. Sonst hätte die Gemeinde heuer ihren 4500. Geburtstag feiern können.

von Armin Rösl

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