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Das Rathaus Kirchseeon könnte mit Nahwärme aus einer Biomasse-Heizzentrale versorgt werden. Als Standort ist ein Grundstück am Spannleitenberg, nördlich der Bundesstraße im Gespräch.

Nahwärmeversorgung für Rathaus, Schule, Hallenbad und Kinderhaus

Kirchseeon: Leuchtturmprojekt mit Hackschnitzeln

Kichseeon - Auch für die Gemeinde Kirchseeon gilt, nach 2030 möglichst keine fossilen Brennstoffe oder andere endliche Energieträger mehr zu verbrauchen. Ein herausragender Schritt zu diesem Ziel könnte eine Nahwärmeversorgung rund um Schulhaus und Rathaus werden.

Hans Gröbmayr, umtriebiger Klimaschutzmanager des Landkreises, präsentierte in der jüngsten Gemeinderatssitzung, wo es für Kirchseeon bei der Energiewende hingehen könnte. Weil sein Vorschlag Beispielcharakter hat und das Ziel langfristige Nachhaltigkeit ist, sprach Gröbmayr von einem „Leuchtturmprojekt“. Eine Grundversion könnte ansteckend wirken, also entsprechend ausgebaut werden und so respektable Formen annehmen. Unterm Strich geht es um eine Investitionssumme von bis zu gut zwei Millionen Euro, bei der aber im Falle der Realisierung auch Fördergelder fließen.

Kernstück des Vorhabens zum Thema Nahwärme wäre eine Biomasse-Heizzentrale, die mit jährlich 1370 bis 1970 Tonnen Hackschnitzeln betrieben werden könnte. Die könnte auf der Kuppe am Spannleitenberg nördlich der Bundesstraße auf einem gemeindeeigenen Grundstück gebaut werden. Dort beginnt dann das Nahwärmenetz, führt die B 304 in westlicher Richtung hinunter, um dann in die Rathausstraße abzuzweigen. Denn genau dort liegt das von Gröbmayr ausgekundschaftete Grundpotenzial: Schule, Hallenbad, Rathaus und das bald entstehende Kinderhaus. 

Auch Anlieger könnten mitversorgt werden

Doch das muss noch nicht alles sein. Darum herum gebe es nämlich „noch Siedlungsbereiche mit relativ hohen Wärmebedarfsdichten“, schilderte Gröbmayr den Gemeinderäten. Die wussten natürlich schnell, was gemeint war: die Bebauung westlich der Rathausstraße und vor allem die Wohnanlagen beidseitig der Fritz-Litzlfelder-Straße.

Die kleinere, aber zentrale Lösung hätte nach Gröbmayrs Recherchen rund 20 Wärmekunden. Bei der großen Lösung könnte es bis zu 38 sein, während sich das notwendige Nahwärmenetz nur unwesentlich von 1744 Meter auf 2088 Meter verlängere. Die Spitzenlast steige damit nur um 30 Prozent. Das zeigt laut Gröbmayr deutlich, „dass für die Rentabilität der Netzvarianten in erster Linie die Großverbraucher, also Rathaus und Hallenbad, aber auch der Geschosswohnungsbau verantwortlich“ seien. Nach Gröbmayrs Kostenaufstellung würde die Kernvariante mit rund 1,9 Millionen Euro, der größere Umgriff des Nahwärmenetzes mit 2,3 Millionen Euro zu Buche schlagen.

 „In der Summe sind beide Varianten sogar bei äußerst vorsichtigen Kostenschätzungen und konservativen Annahmen zu Förderungen und Wärmepreis wirtschaftlich zu betreiben“, lautete Gröbmayrs Fazit in der Sitzung des Gemeinderats. 

Klimaschutzmanager: "Projekte ökologisch sinnvoll"

Die hohe Wärmebelegung und die geringen relativen Wärmeverluste zeigte zudem auch „die ökologische Sinnhaftigkeit der Projekte.“ Weitergehende Analysen und die Umsetzung des Nahwärmenetzes seien empfehlenswert. Das war aber noch nicht alles. Gröbmayr hat nämlich auch noch nach Optimierungsmöglichkeiten gesucht – und ist fündig geworden. Zum einen könnte das schon heute vorhandene Gas-Blockheizkraftwerk die Grundlast für den Rathauskomplex übernehmen. 

Zum anderen aber gibt es noch eine Option, die fast exotisch anmutet: Östlich der ins Auge gefassten Heizzentrale auf dem Spannleitenberg hat der Klimaschutzmanager des Landkreises Ebersberg nämlich eine rund 1000 Quadratmeter große Freifläche ausgemacht. Die ließe sich nutzen. Die ließe sich laut Gröbmayer mit einer Solaranlage nutzen, die knapp 200 000 Euro kosten würde. Der Clou: Die Kollektoren würden reichen, um die sommerliche Grundlast des Nahwärmenetzes abzudecken.

Und drittens: Denkbar ist zudem noch, die geothermische Energie jener Brunnen zu nutzen, die derzeit auf dem früheren Bahnschwellenwerksgelände das verschmutzte Grundwasser zur Reinigung hochpumpen.

Eberhard Rienth

 

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