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So sieht die Situation in Kirchseeon derzeit aus: Schwerlastverkehr auf der B304, die durch den Ort führt.

Kirchseeoner Pläne geblockt

Regierung: Keine Umfahrung im Norden

Kirchseeon - Die Hoffnung währte nur kurz, dass im Kirchseeoner Norden doch etwas mit einer Umfahrungsstraße gehen würde. Jetzt hat die Regierung von Oberbayern den Gemeinderat in strengem Ton zurückgepfiffen.

Seit in den Tagen um Ostern herum das Projekt „Ortsumfahrung Kirchseeon“ in der zu aktualisierten Fassung des Berliner Bundesverkehrswegeplans nur dem sogenannten „weiteren Bedarf“ zugeordnet wurde, war in Kirchseeon die Enttäuschung groß und gleichzeitig läuteten die Alarmglocken. Nachdem man aber erfahren hatte, dass es nochmals eine letzte Runde der Anhörung vor der endgültigen Festlegung des Bundesverkehrswegeplans geben würde, wurde es etwas hektisch – selbst im Marktgemeinderat.

Der griff am 25. April quasi aus Verzweiflung zum letztmöglichen Notnagel und schwenkte auf Initiative der CSU-Fraktion auf eine Nordtrasse durch den Ebersberger Forst ein, die nur die Grünen nicht mittragen wollten, wohl aber die Freien Wähler und selbst die SPD.

Explizit wurde fortan von einer „weiträumigen Nordumfahrung“ gesprochen, weil man ja seit Jahren weiß, dass gerade im Norden, sprich im Waldrand, der „Hund begraben“ ist. Auf einer Breite von mehreren hundert Metern ist nämlich der gesamte Südrand des Ebersberger Forstes – von den Moränenhügeln bei Ebersberg bis hin nach Pöring – als sogenanntes FFH-Gebiet klassifiziert. FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete im Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Habitaten (Lebensraumtypen) dienen.

Dabei ist dieser Schutz nicht nur irgendeiner, sondern faktisch der höchste, sprich strengste, den es europaweit überhaupt gibt. Die Hoffnung des Adjektivs „weiträumig“ also war, dass vielleicht doch innerhalb oder aber erst recht hinter diesem FFH-Streifen eine Lösung für Kirchseeon liegen könnte. Und weil diese Option in den jüngsten Jahren gerade wegen der FFH-Qualifikation erst gar nicht näher geprüft beziehungsweise sofort verworfen worden war, versuchte der Gemeinderat mit seinem Beschluss Ende April, doch noch eine neue Option dem Bundesverkehrsministerium für die endgültige Fassung des neuen Bundesverkehrswegeplans zu präsentieren, wobei wiederum der Terminus „neu“ das taktisch Wichtige war.

Doch die Absage kam jetzt prompt von der Regierung von Oberbayern. Die reflektierte in einem mehrseitigen Schreiben die Kirchseeoner Situation, wies darauf hin, dass neben anderen Maßnahmen mit dem sogenannten Flüsterasphalt ja schon Verbesserungen umgesetzt worden seien, um dann schon längst Bekanntes nochmals zu zementieren – und quasi den Gemeinderat damit einfach wieder nach Hause zu schicken: FFH-Gebiete seien so sehr tabu, dass sie für den Straßenbau allenfalls nur dann angeknabbert werden könnten, wenn es keine Alternativen gäbe, heißt es sinngemäß in dem Schreiben.

Eine Alternative aber gebe es sehr wohl im Kirchseeoner Süden, wird in dem Schreiben trocken konstatiert, um dann in dem Satz zu gipfeln, dass „ein Eingriff in das FFH-Gebiet“ bei Kirchseeon deshalb „nicht möglich ist“.

Dass die Kirchseeoner Gemeinderäte, denen das Schreiben der Münchner Bezirksregierung längst vorliegt, diese ultimative Absage irgendwie immer noch nicht wahrhaben wollen, zeigte sich in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats vor einer Woche. Dort sprach Bürgermeister Udo Ockel (CSU) lediglich über die in Berlin offenbar anvisierte Höherstufung des Kirchseeoner Projekts in die Kategorie „weiterer Bedarf mit Planungen“ (wir berichteten). Doch weder darüber noch dass die Regierung von Oberbayern ihnen einen mehr als kräftigen schriftlichen Schuss vor den Bug gesetzt hatte, verloren die Gemeinderäte offenbar vor lauter Schockstarre auch nicht nur ein einziges Wort. 

Eberhard Rienth

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