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„Das Gymnasium Kirchseeon hat eine gute Größe“: Simone Voit, neue Direktorin.

Neue Direktorin am Gymnasium Kirchseeon

„Da bewegt sich was“

Kirchseeon – Die ersten Tage sind vorbei. Simone Voit (58) hat sich im Gymnasium Kirchseeon als neue Direktorin schon ein bisschen eingelebt. Im EZ-Interview spricht sie unter anderem über ihre Bewerbung, Bildung und Internet.

Simone Voit  trat die Nachfolge der verstorbenen Schulleiterin Gabriele Söllheim an. Die geborene Nürnbergerin, die derzeit mit ihrer Familie in Pullach lebt, ist Lehrerin für Deutsch sowie Wirtschaft und Recht. Zuvor war sie unter anderem am Gymnasium Unterhaching und am Rupprecht-Gymnasium in München. Sie hat schon Erfahrungen als stellvertretende Schulleiterin gesammelt. Wir fragten sie zu ihren Beweggründen, sich für Kirchseeon zu bewerben, zu Veränderungen in der Bildungslandschaft und ihre Pläne für das Gymnasium in der Marktgemeinde

Was war Ihr Lieblingsfach in ihrer eigenen Schulzeit?

Deutsch auf alle Fälle. Deswegen auch weiter im Studium. Ein weiteres Lieblingsfach war Geografie.

Geografie haben Sie aber nicht als ihr späteres Unterrichtsfach studiert?

Nein. Es ist erstaunlich. In meiner Schulzeit wurde gerade das Fach Wirtschaft und Recht eingeführt. An meiner Schule gab es das damals aber nicht. Noch nicht. Es gab auch in ganz München nur an einer Schule einen entsprechenden Leistungskurs.

Sie sind wohl gerne in die Schule gegangen, sonst wären sie nicht Lehrerin geworden

Ich bin wirklich gerne in die Schule gegangen. Schule hat auch immer einen sozialen Rahmen. Dieser soziale Rahmen und die Freundschaften, die man in der Schule geschlossen und gepflegt hat, sind etwas ganz Besonderes, auch für das spätere Leben. Teilweise ist man mit diesen Personen sehr vertraut und bleibt auch vertraut. Natürlich bin ich nicht jeden Tag gerne in die Schule gegangen. Aber Freunde zu treffen, sich austauschen, das war gut. Ich hatte auch Glück mit meinen Lehrern, die mir immer wieder neue Blickwinkel eröffnet haben. Eigentlich bekommt man Wissen nie mehr so konzentriert präsentiert wie in der Schule. Jede Stunde passiert irgendetwas Neues. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen.

Waren Sie eine brave Schülerin?

Die Antwort ist schwierig. Aus der Sicht meiner Eltern nicht unbedingt. Aus meiner Sicht natürlich absolut. Ich habe in meinem Schülerleben natürlich mehrere unterschiedliche Phasen durchlebt.

Waren sie eine gute Schülerin?

Ich würde sagen Mittelmaß, also normal.

Es wird ständig über G 8 und G 9 diskutiert, also ein achtstufiges oder neunstufiges Gymnasium. Wie ist dazu Ihre Meinung?

Das ist nicht so einfach zu beantworten. Es ist im Endeffekt ein Sowohl-als-Auch. Wenn man als Schüler Hobbys hat, die man auch ersthaft betreiben möchte, die einem persönlich wichtig sind, ist die Zeit beim G8 knapp. Es gibt bei den Schulen auch unterschiedliche Rahmenbedingungen, beispielsweise in München mit offener oder gebundener Ganztagsbetreuung, was wieder etwas andres ist, oder im ländlichen Bereich, wo die Kinder mit Schulbussen fahren und dafür Zeit notwendig ist. Tatsache ist natürlich, dass beim G 8 alles sehr kompakt ist. Dass das nicht immer für jeden einzelnen Schüler passend ist, ist nachvollziehbar. Ich finde Kinder sollen neben der Schule auch noch Kind, auch noch Jugendlicher sein dürfen.

Es gibt den Vorwurf, die Schule sei zu verschult, es würden nur Fakten vermittelt, die man bald wieder vergisst. Aber man lerne nichts für das Leben. . .

Die ganze Bildungslandschaft hat sich sehr verändert. Das Wissen, wie ich heute an Wissen herankommen kann, ist anders als früher. Heute muss ich als Lehrer darauf Wert legen, zu vermitteln, wie kann ich mir Wissen aneignen, wenn ich es brauche. Und, was ich noch viel, viel wichtiger finde: Wie beurteile ich eine Quelle, auf die ich mich beziehe. Also der kritische Blick auf die Ergebnisse, wenn ich beispielsweise etwas im Internet gesucht habe. Diese Bewertung ist die Herausforderung. Man muss den Schülern mitgeben, nicht zu lässig mit dem umzugehen, was sie da recherchieren. Sie sollen die Informationen hinterfragen und die Kompetenz haben, das auch bewerten zu können. Das ist heute anders als früher. Das Wissen ist umfangreicher als zu meiner Schülerzeit, hat quasi ein Verfallsdatum, es verändert sich dauernd. Die Rahmenbedingungen ändern sich schneller. Ich kann heute nicht mehr diesen klassischen Unterricht machen. Ich kann einen Grundstock an Bildung vermitteln. Aber ich muss lernen, wie kann ich mir neues Wissen für veränderte Situationen jeweils selbst aneignen. Eine umfassende Bildung zu vermitteln, ist in unsere Welt schwierig.

Früher war eine großer Teil der Leistung beispielsweise für ein Referat doch schon, das dazu notwendige Material, die benötigten Informationen zu finden. Heute setzt man sich an den Computer und googelt.

Es gab auch damals zu meiner Schülerzeit Informationen nur in Buchform. Man schaut halt heute anders nach. Vielleicht hat sich nur die Art der Suche geändert. Man muss schon noch selber seinen Verstand einsetzen, um alles zusammenzustellen. Nicht nur aufnehmen, sondern darüber nachdenken. Es hat sich viel gewandelt in den vergangenen Jahren, beispielsweise auch im Fremdsprachenunterricht. Inzwischen steht das Sprechen deutlich mehr im Vordergrund als früher. Die Lebendigkeit der Sprache, das Ausdrucksvermögen hat heutzutage einen ganz anderen Stellenwert.

Aus welchem Grund haben Sie sich für Kirchseeon entschieden?

Das Schulprofil, die breit gefächerten Angebote. Da hatte ich das Gefühl, das ist interessant, da bewegt sich was. Es ist einfach lebendig.

Was wussten Sie über das Gymnasium Kirchseeon, als sie sich auf die Direktorenstelle beworben haben?

Ich wusste, dass es eine neue Schule ist. Ich habe mir die Homepage des Gymnasiums angeschaut. Was man dort schnell auf einen Blick findet, ergibt sofort einen Eindruck von der Schule. Man sieht ein Profil. Das breite Angebot fällt auf, der musische Bereich beispielsweise oder das Sporttheater. Die Schule ist gut aufgestellt. Man macht sich hier Gedanken, wie man mit der heutzutage so weit gefächerten Bildung umgeht.

Was wussten Sie vom Landkreis Ebersberg?

Der Landkreis ist bekannt. Natürlich habe ich kein Detailwissen. Aber ich weiß: Der Landkreis ist bezaubernd.

Das Gymnasium Kirchseeon hat noch Potenzial. Man könnte noch ausbauen. Diskutiert wird auch über ein weiteres Gymnasium in Poing. Das Gymnasium Kirchseeon hat eine gute Größe. Es gibt Grenzen der Aufnahme. Mit weit über 1000, mit 1500 oder 1800 Schülern fällt der persönliche Kontakt weg. Das ist dann anders. Das ist ganz klar. So wie es jetzt in Kirchseeon ist, ist es in Ordnung. Wir sind gut ausgelastet. Die Schule ist für eine bestimmte Schülerzahl ausgelegt. Obwohl wir schon an Grenzen stoßen. Das Lehrerzimmer ist zu klein, die Räume für die Verwaltung sind zu klein. Aber das ist noch zu bewältigen.

Was hatten Sie sich als junge Lehrerin überlegt nach dem Motto: Wenn ich einmal Direktorin bin, mache ich sofort. . .

Da muss ich Sie enttäuschen. Das habe ich mir nie überlegt. Wirklich wahr. Ich habe einfach als Lehrkraft angefangen. Ich habe zwei Kinder. Ich hatte jahrelang eine Teilzeitstelle. Ich war froh, dass ich neben der Kindererziehung arbeiten konnte. Als es die Umstände erlaubt haben, habe ich mich beruflich verändert. Aber geplant habe ich das nicht. Ich bin da einfach hinein gewachsen.

Sie wollten also nicht von Anfang an Direktorin werden?

Nein, ich wollte unterrichten, ich wollte an der Schule sein, ich wollte berufstätig sein, soweit es geht, soweit es verantwortungsvoll möglich war.

Was wollen Sie denn am Gymnasium Kirchseeon verändern?

Da habe ich eine vielleicht etwas merkwürdige Meinung. Ich muss zunächst an der Schule ankommen. Ich muss die Schule zumindest einmal ein Jahr erlebt und durchlebt haben. Dann kann man gemeinsam über Weiteres nachdenken. Die Bildungslandschaft verändert sich sowieso laufend. Wir werden die Entscheidung treffen müssen: G 8 oder G 9 in der Eigenverantwortlichkeit der Schule. Man weiß derzeit noch nicht genau, wie das alles sein wird. Es kommt alle zu seiner Zeit. Aber jetzt schon zu sagen, dieses oder jenes will ich verändern, ohne die Schülerschaft, die Elternschaft und die Kollegen zu kennen, fände ich schon sehr ambitioniert. Das mache ich nicht. Jede Schule hat ihr Eigenleben.

Was machen Sie denn, wenn Sie nicht in der Schule sind?

Ich finde es wichtig, auch zum Abschalten, dass man ein Leben außerhalb dieses Apparats hat. Ich lese sehr gerne. Ich treibe auch mäßig Sport, spiele Golf. Wir haben hier ein sehr sportliches Kollegium. Wir hatten gerade einen gemeinsamen Ausflug. Da hat sich gezeigt, ich muss meinen Sport intensivieren. Damit ich dann nächste Mal konditionell nicht so versage. Heißt: Der Sport ist ausbaufähig.

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