Streit um Molly

Polizei "befreit" Hund des Steinhöringer Pfarrers

Steinhöring - Steinhörings Pfarrer Jasura hat einen Hund. Weil er wenig Zeit für das Tier hat, kümmert sich ein Ehepaar um Molly - zuletzt in "Vollzeitpflege". Der Geistliche, der bald in eine andere Gemeinde zieht, will schließlich seinen Hund zurück und es kommt zum Polizeieinsatz. 

Martin Luther hatte ein Haustier, einen kleinen Spitz, den er „Tölpel“ nannte. Er mochte ihn sehr. Das hinderte den Reformator allerdings nicht daran, in Tieren letztlich seelenlose Kreaturen zu sehen. Der Hund habe zwar „alles an leiblichen Dingen in dieser Welt“, soll er in einer Tischrede über seinen Hund gesagt haben, doch er habe nichts fürs ewige Leben. Steinhörings scheidender Pfarrer Tivadar Jasura nennt seinen Hund, einen Irish Setter, „Molly“. Er mag ihn auch sehr und sieht in ihm alles andere als eine seelenlose Kreatur. Nur leider hatte der Geistliche wegen seiner zahlreichen dienstlichen Verpflichtungen mitunter wenig Zeit für seinen treuen Vierbeiner. Da traf es sich gut, dass es im Ort ein älteres Ehepaar gibt, das sich immer wieder des Hundes annahm, wenn Jasura unterwegs war – manchmal auch mit Vollpension.

Eine wunderbare Symbiose, möchte man meinen. Aber weit gefehlt, denn Mollys Geschichte entwickelte sich zu der eines zerrissenen Hundes mit tragischem Ende. Und das kam so:

Im Laufe der Zeit wuchs der Hund dem Ehepaar immer stärker ans Herz, wohl auch deswegen, weil den eigenen Vierbeiner bedauerlicherweise das Zeitliche segnete. Irgendwann überdeckte die grenzenlose Tierliebe die wahren Eigentumsverhältnisse, was, so berichtet der Pfarrer, auch daran sichtbar wurde, dass er um die Herausgabe des Impfausweises gebeten wurde.

Mehrfach habe er das Ehepaar in der Folgezeit gebeten, doch bitte von Molly Abschied zu nehmen, da er, Jasura, bald „schweren Herzens“ aus Steinhöring wegzihe, um seine Aufgabe in einem anderen Pfarrverband anzutreten. Und: Seinen Hund möchte der Priester mitnehmen.

Abschiednehmen fällt schwer, das weiß nicht nur jeder, der einen lieben Menschen verloren hat. Das wissen auch die, die um einen Hund, eine Katze oder ein anderes tierisches Familienmitglied trauern. Dem besagten Steinhöriger Ehepaar erschien der Gedanke ans endültige Adieusagen unerträglich, was dazu führte, dass es die Herausgabe des Tieres verweigerte. „Nein, wir geben den Hund nicht heraus“, habe es im bedeutet, berichtet Jasura, sogar mit dem Gericht sei gedroht worden.

Das Ehepaar schildert die Situation anders: 16 Monate habe der Hund zuletzt ununterbroch bei ihm gelebt, der Pfarrer habe sich nicht gekümmert, er sei froh gewesen, dass das Tier gut untergebracht sei. „Molly hat sich bei uns ausgeprochen wohl gefühlt“, so die „Pflegeeltern“. Jetzt wollen sie Geld vom Pfarrer – rückwirkend 65 Euro pro Monat. Ein Anwalt ist eingeschaltet.

Was tun? Der Pfarrer jedenfalls sah nur noch einen Ausweg und der führte zu einem Anruf bei der Polizei Ebersberg, die die schwierige Sache übernehmen sollte. Das tat sie. Eine Streife machte sich auf den Weg nach Steinhöring und regelte die Auseinandersetzung „rein verbal“, wie ein Sprecher der Dienststelle sagte. Am Ende wurde das Tier seinem rechtmäßigen Besitzer übergeben.

Es gibt Geschichten, die kennen nur Verlierer. Diese hier dürfte so eine sein. Denn am Ende bleibt ein Paar mit gebrochenen Herzen zurück, ein Pfarrer, der an das Gute im Menschen glaubt und am Ende die Staatsgewalt rufen musste und eben Molly, der zerrissene Hund.

Rubriklistenbild: © sro

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