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Stoßstange an Stoßstange wälzt sich der Verkehr durch den Markt Kirchseeon. Der Gemeinderat sucht verzweifelt nach einer Lösung.

Umfahrung Kirchseeon

Durchs Unterholz: Gemeinderat will Trasse durch den Forst

Kirchseeon – Den Kirchseeonern gehen die Optionen aus, um die ungeliebte B 304 aus ihrem Ort zu verbannen. Mehrere Vorschläge für die geforderte Ortsumfahrung sind bereits krachend gescheitert. Der Gemeinderat rang daher in seiner Sitzung am Montagabend um Auswege aus dieser Planungsmisere.

Am Ende kam die Forderung nach einer Nordtrasse heraus. Das aber bedeutet, dass der Ebersberger Forst in Mitleidenschaft gezogen würde. Die Verantwortung dafür schieben die Kirchseeoner Gemeinderäte von sich – richten soll es Berlin.

Die Diskussionsgrundlage dafür bot ein Vorschlag der SPD-Fraktion. Diese wartete mit der Idee auf, man solle bei der Trassensuche „das Bundesstraßenbauamt in die Pflicht nehmen“, so der Fraktionsvorsitzende Thomas Kroll. Da alle örtlichen Initiativen durchgefallen seien, solle vom Bundesverkehrsministerium aus ein Planungsauftrag an das Staatliche Bauamt Rosenheim ergehen, eine gangbare Lösung für das Kirchseeoner Problem zu finden.

Einer ortsnahen Südtrasse, wie sie zwischenzeitlich in der Kirchseeoner SPD und vom Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer gefordert wurde, erteilte Kroll gleichzeitig eine Absage: „Das war mit der Fraktion nicht abgesprochen. Wir glauben, dass wir keine Chancen mit einer Stellungnahme für eine weitere Südtrasse haben werden.“

Der Vorschlag, ein Ansuchen an das Bundesamt zu richten, fand in der anschließenden Debatte breite Zustimmung.

Bürgermeister Udo Ockel (CSU) forderte aber, das Gremium solle sich darin konkret für die Nordtrasse stark machen, „nur ohne den Tunnelschmarrn“. Der Grund: Bereits zwei Varianten der Südumfahrung konnten sich wegen des Bürgerwiderstands nicht durchsetzen, eine Tunnellösung scheiterte an den zu hohen Kosten. „Kein Mensch versteht, warum wir nicht für den Norden gestimmt haben“, so Ockel. Diese Trasse sei die einzige verbleibende Alternative.

Leben mit jetziger B 304 soll erträglicher werden

Das sah die Mehrheit im Gremium genauso: Mit Ausnahme der Grünen stimmten die Kirchseeoner Gemeinderäte dem Ansuchen an die Berliner Behörde geschlossen zu, ergänzt um Ockels Forderung nach einer „vom Ort abgerückten Nordtrasse“. Gleichzeitig soll das Straßenbauamt nach Möglichkeiten suchen, „die ein Leben mit der jetzigen B 304 in den nächsten Jahren erträglich machen“, steht in dem Schreiben. Beispielsweise mit besserer Ampeltaktung und mehr Linksabbiegespuren.

Dieses Leben mit der Bundesstraße könnte sich jedoch noch länger als ein paar Jahre hinziehen, denn bei dem neuen Trassenvorschlag gibt es ein fundamentales Problem: Unmittelbar an Kirchseeons Norden grenzt der Ebersberger Forst. Dieser ist Bannwald und Naturschutzgebiet. Entsprechend erwartet Rathauschef Ockel heftigen Widerstand, den er aber aushalten will: „Eine Kröte werden wir schlucken müssen.“ Es sei auch sein Fehler gewesen, dass der Gemeinderat in „vorauseilendem Gehorsam vor dem FFH-Schutzgebiet“ (Fauna-Flora-Habitat, Anm. d. Redaktion) zunächst davor zurückgeschreckt sei, den Forst für die Umgehung ernsthaft in Betracht zu ziehen. Schmackhaft machen will Ockel dem Bauamt die Nordtrasse mit Millioneneinsparungen durch den Verzicht auf einen Tunnel: „Das ist ein All-In wie beim Poker: Es wird bloß im Norden was gehen – oder gar nichts.“

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