Vorfall in Egmating

Unbekannte auf Kinderfang: Ebersberger Polizei zögerlich

Egmating - In Egmating wollen zwei Männer Mädchen ins Auto locken, angeblich, um sie nach Hause zu fahren. Die Kinder reagieren ausgezeichnet und laufen davon. Sie merken sich Teile der Autonummer. Doch die Polizei warnt die Öffentlichkeit nicht.

„Die Mädchen hatten Panik“, berichtet Andreas D., Vater der kleinen Lisa (8) aus Egmating. Die Schülerin und zwei weitere Mädchen wurden seiner Schilderung nach an der Schulbushaltestelle in Egmating von zwei unbekannten Männern angesprochen, die in einem orangen VW-Bus unterwegs waren. Die Männer forderten die Kinder auf, zu ihnen ins Auto zu steigen, angeblich, um sie heim zu fahren. „Die Mädels reagierten prima und liefen davon“, berichtet der Vater. Sie seien in den nahen Hort geflüchtet.

Der Vorfall ereignete sich bereits am Freitag, 8. Januar. D. wundert sich über die Polizei: „Bis heute gibt es keine Rückmeldung, geschweige eine Warnung der Öffentlichkeit.“ Alle Informationen seien im Rahmen einer Anzeige der Inspektion Ebersberg zur Verfügung gestellt worden. „Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht für eine Veröffentlichung geeignet“, sagt jedoch der Leiter der Ebersberger Dienststelle, Hendrik Polte. Die Fahndung nach dem orangefarbenen Fahrzeug laufe noch.

Der Vater ist in Sorge, weil sich im Nachbarlandkreis Erding ein ganz ähnlicher Fall ereignet hatte. Ein 30 bis 40 Jahre alter Mann versuchte dort demnach, eine 14-jährige Schülerin in seinen viertürigen, dunklen Kombi zu ziehen. Die Jugendliche setzte sich zur Wehr und schrie um Hilfe. Der mutmaßliche Täter ist etwa 1,90 groß, trug Jeans und eine schwarze Bomberjacke. Er soll gebrochen deutsch gesprochen haben – ebenso wie die Männer in dem jetzt bekannt gewordenen Fall in Egmating. Aus dem Landkreis Erding gibt es noch eine weitere Meldung. Dort seien auf ähnliche Weise schon zwei elf Jahre alte Mädchen von unbekannten Männern angesprochen worden. D. hat den Eindruck, dass sich solche Ereignisse im Osten von München häufen würden.

Lesen Sie auch: Mann zerrt Schülerin (14) in sein Auto

„Diesen Vorfall gibt es“, bestätigt Polte jedenfalls auf Anfrage der Ebersberger Zeitung. Das Vorkommnis in Egmating sei drei Stunden später bei der Inspektion gemeldet worden. „Auch die Schule wurde darüber informiert, um die Eltern zu sensibilisieren.“ Die Kinder reagierten geistesgegenwärtig. Nach Schilderung des Vaters der kleinen Lisa hätten sie sogar Teile des Kennzeichens vom verdächtigen Fahrzeuges notiert. „Das wäre natürlich die Hälfte der Miete, sogar mehr als die Hälfte“, sagt Polte. Dem Vater von Lisa reicht das nicht: „Wir haben eine unglaublich gefährliche Situation, da die Eltern ihre Kinder natürlich zur Selbständigkeit erziehen möchten. Es gehen also viele Kinder selbständig nach Hause.“ Das gehe jedoch nur in einem „sicheren und freiheitlichen Umfeld, wie es das Grundgesetz und die Bayerische Verfassung vorsehen“, so D. Das Problem: Die Kinder konnten sich vom Kennzeichen nur EBE-X... merken. „Das ergab allerdings keinen Treffer“, bedauert Polte. Er hat aber keinen Zweifel, dass die Mädchen das richtig abgelesen haben. „Kinder sind gute Zeugen“, sagt Polte.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord wirbt auf Anfrage um Verständnis dafür, dass nicht mit jeder Anzeige sofort an die Öffentlichkeit gegangen werde. „Man kann auch das Gegenteil damit erreichen, nämlich dass die Leute nur mehr Verbrecher und schwarz sehen“, so ein Polizeisprecher.

Allerdings gibt es auch aus anderen Teilen Oberbayerns ähnliche Meldungen. In Hausham (Lk. Miesbach) hatte ein Unbekannter ein Mädchen (7) geküsst, das sich auf dem Schulweg befand. Das war Mitte Dezember. Die Polizei fahndet nach einem 20-jährigen mit einem roten Rucksack. Im Landkreis Ebersberg konzentriert sich die Suche jetzt auf den orangen Bus, in dem die Männer unterwegs waren. Viele Firmen würden solche Fahrzeuge benutzen – auch die Bauhöfe und Straßenmeistereien, gibt Polte zu bedenken. Das abzuklären, sei Sache einer Einzelfallüberprüfung.

Rubriklistenbild: © dpa

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