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In ihrer Zimmerdecke ist zwar ein großes Loch – dafür hat die neunjährige Liz einen Brief von der Feuerwehr.

Einsatzkräfte mit Herz

Feuerwehr schreibt Liz (9) rührenden Brief

Vaterstetten - Ein Brand im eigenen Haus ist etwas Furchtbares. Für die Erwachsenen, die ihr Hab und Gut verlieren. Und erst recht für Kinder. Das weiß auch die Feuerwehr. Deshalb zeigte sie bei einem Einsatz in Weißenfeld am Wochenende eine Riesenportion Menschlichkeit.

Samstagmittag in Weißenfeld, einem Ortsteil der Gemeinde Vaterstetten: In einem Doppelhaus ist ein Feuer ausgebrochen. Schon nach kurzer Zeit steht der Dachstuhl in Flammen. Im Haus befinden sich fünf Kinder im Alter zwischen zwei und 13 Jahren. Sie sind allein zu Hause. Die gute Nachricht: Alle Fünf konnten das Haus noch unverletzt verlassen (wir berichteten), weil die Nachbarn schnell reagierten. Die schlimme Nachricht: Das Haus ist nach dem Brand unbewohnbar, obwohl die Einsatzkräfte vor Ort alles Menschenmögliche getan haben.

Der Brand am Samstagmittag ging laut Auskunft der Kriminalpolizei von einer Kochstelle im Dachgeschoss aus. Das Feuer drohte schnell auf das Nachbargebäude überzugreifen, in dem ebenfalls eine Familie wohnt. „Wir hatten ganz wenig Zeit, dieses angrenzende Gebäude zu retten“, schildert der Ebersberger Kreisbrandrat Andreas Heiß die Situation. „Vielleicht nur fünf Minuten.“ 

Zur Routine gehört in solchen Fällen der Einsatz einer Wärmebildkamera, um festzustellen, wie weit sich die Flammen bereits in den Nachbarbau ausgebreitet haben. Dazu mussten die Einsatzkräfte in Weißenfeld ein Loch in eine Wand des Nachbargebäudes stemmen – im Kinderzimmer der neunjährigen Liz. „Mein Zimmer, mein Zimmer“, ruft die Kleine laut, als die Männer ans Werk gehen. „Sie hat das immer wieder gerufen“, berichtet ihre Mutter Iris.

Schriftliche Entschuldigung: Mit dieser Nachricht haben sich die Einsatzkräfte für den Schaden entschuldigt.

Und obwohl die Kräfte unter Hochdruck arbeiten müssen, haben die Vaterstettener Atemschutzgeräteträger Vanessa Schießler (19) und Daniel Michel (21) so viel Herz und Verständnis, dass sie sich kurz Zeit nehmen, um für die kleine Liz einen Brief zu verfassen. Michel schreibt dem Mädchen mit der Hand auf einem Zettel: „Tut uns leid, dass wir deine Decke kaputt machen mussten. Deine Feuerwehr“. Die Nachricht ziert eine bunte Zeichnung, die ein Löschfahrzeug mit angeschaltetem Blaulicht darstellt. „Das haben wir gemacht, weil das für das Kind ein einschneidendes Erlebnis war“, sagt Schießler. Sie hat das Feuerwehrauto gezeichnet.

 Die Familie, deren Haus durch den schnellen Einsatz gerettet werden konnte, ist erleichtert darüber, dass die Männer sie vor schlimmem Schaden bewahren konnten. „Es stand wirklich Spitz auf Knopf, hat mir die Feuerwehr gesagt“, berichtet die Mama der kleinen Liz und versäumt nicht, sich bei allen zu bedanken, die dabei mitgeholfen haben. Sie ist doppelt beeindruckt: von der Professionalität der Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz und von der Freundlichkeit und dem Verständnis, mit denen ihr die Feuerwehrmänner begegneten – selbst in enormen Stresssituationen. „Keiner hat uns weggeschoben. Die waren sehr freundlich zu uns“, erzählt sie.

Der Gedanke, dass der Brand auch anders hätte ausgehen können, ist unerträglich. „Viele Minuten, vielleicht auch Sekunden haben nicht mehr gefehlt, und auch wir hätten jetzt kein Dach mehr über dem Kopf. Neben der unfassbar guten Arbeit waren auch der übermenschliche Einsatz, die Freundlichkeit und vor allem Menschlichkeit von allen Einsatzkräften und der Polizei unvorstellbar.“ In dieser angespannten Situation habe sie kein einziges unfreundliches Wort gehört. „Im Gegenteil, jeder war für mich da und nahm sich die Zeit, mir zu sagen, wie die Situation steht.“ Was sie besonders beeindruckte: „Sich in dieser Lage die Zeit zu nehmen und an ein kleines Mädchen von neun Jahren zu denken, nur weil sie zu Beginn mitbekommen hatten, wie viel Angst sie um ihr Zimmer hatte – ich denke, das ist nicht zu toppen.“

Wie die Gemeinde am Montag auf Anfrage bestätigte, hat die Familie, die in dem abgebrannten Haus zur Miete wohnte, eine vorübergehende Bleibe gefunden. Der Vaterstettener Bürgermeister Georg Reitsberger berichtet: „Wir haben sie in einem Hotel untergebracht.“ Bis das Haus in Weißenfeld in zwei Monaten wieder beziehbar sein wird, kann die Familie im ehemaligen Polizeicontainer in Vaterstetten bleiben. „Wir werden das wohnlich herrichten“, verspricht der Bürgermeister. Auch von privater Seite wurde der Familie in derselben Straße eine vorübergehende Wohnung angeboten.

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