Vor jeder Veränderung im Ort hat der Fotograf Franz Hauser aus Zorneding auf den Auslöser gedrückt. So entstand eine beeindruckende Vorher-Nachher-Serie. Foto: Jürgen Rossmann

Der Einfänger

Zorneding - Wie viele Dias er in seinem Archiv hat, weiß Franz Hauser wirklich nicht. Etwa 200 000 werden es wohl sein. „So ungefähr.“ Sie sind in zwei Bereiche geteilt, auch räumlich.

Die mehr privaten Bilder und die Fotos von den vielen Reisen, unter anderem in den Jemen, nach Ägypten, China oder Australien, lagern im Keller. Oben im Haus ist die „heimatkundliche Abteilung“. Und die birgt ganz besondere Schätze.

Vor allem dann, wenn sich irgendwo in der Gemeinde Zorneding etwas verändern sollte, hat Hauser auf den Auslöser seiner Kamera gedrückt. „Es hat mir einfach leid getan, wenn etwas abgerissen wurde“, erzählt der 74-Jährige heute. Er wollte festhalten, was einmal war. „Später bin ich dann wieder hingegangen und habe fotografiert, was sich entwickelt hat.“

Über die Jahre entstanden so viele Vorher-Nachher-Dokumentationen. Sie zeigen eindrucksvoll, wie sich der Ort verändert. Und es sind Menschen auf den Fotos zu sehen, die mit dieser Entwicklung verbunden sind.

Gesammelt hat Hauser auch alte Fotos und Postkarten, also aus der Zeit, als er noch nicht selbst fotografierte. Dem konnte er dann seine eigenen Bilder zuordnen.

Angefangen hat alles mit einer Agfa-Kamera mit Auszugsbalg, die Hauser von seiner Schwiegermutter bekommen hat. Dann folgte eine bessere Agfa-Kleinbildkamera. Erst 1980 stieg der gelernte Elektriker auf eine Leica um. Neben seinem Beruf, Hauser war inzwischen Prüfer für Elektroanlagen bei der Stadt München, machte er Fortbildungsseminare für Fotografen, unter anderem bei der Firma Leica selbst. „Da waren auch absolute Profis dabei, da konnte ich mir immer etwas abschauen.“

Seine Sammlung wuchs immer mehr an. Er fotografierte seinen Heimatort vom Turm des Lagerhauses. „Da kann man oben ganz herum gehen.“ Oder vom Turm der Kirche. „Eigentlich darf da niemand rauf“, erzählt der Rentner. Er aber durfte. Für seine Aufnahmen stieg er mehrmals ins Flugzeug oder in den Hubschrauber. Und so entstanden außergewöhnliche dokumentarische Bilder aus Blickwinkeln, die sonst niemand hatte.

Hauser fing Dorfgeschichte ein. Ein Bild, vergrößert und gerahmt, zeigt den früheren Bahnübergang, heute gänzlich verwunden. „Damals haben sich an der Schranke immer lange Staus gebildet.“ Seine Bilder, die über Jahre am Bahnhof entstanden, hat Hauser in einem Buch zusammengefasst. Dort gibt es auch frühere Zeugnisse zu sehen, dann Bilder vom Abbruch des Gebäudes, das Ende des beliebten Kiosks und die oft kritisierte Zeit danach, als alles am Bahnhof nach einer Dauerbaustelle aussah.

„Zunächst habe ich alles nur für mich selbst gemacht“, erklärt der Rentner. Dass Fotografieren sein Hobby ist, sprach sich jedoch herum. Da kamen dann auch mal Bilder von Fußballmannschaften dazu. Oder vom Gemeinderat. Eine Frauengruppe fragte ihn, ob er nicht einmal ein paar seiner Bilder bei einer Veranstaltung zeigen könnte. „Aber nicht von den Reisen aus Afrika oder Amerika, von der Heimat“, meinten die Frauen. Das tat Hauser dann auch. „Bilder aus unserer Umgebung kommen oft besser an, bei Bildern aus Spanien oder Italien schlafen die Zuschauer eher ein“, meint der Fotograf verschmitzt.

In seinem Archiv findet sich der 74-Jährige zurecht. Alles ist in Hängemappen oder Magazinen gelagert, nach Gruppen sortiert. 60 oder 70 Prozent der Dias sind auf dem Rahmen beschriftet. „Die wichtigen Bilder eben.“ Aber vieles hat er einfach im Kopf. Seitdem er auf digitale Fotos umgestiegen sei, sei manches einfacher. Da seien in der angehängten Datei schon viele Informationen. Hauser ist dabei, seine alten Dias zu digitalisieren. „Zum Einscannen habe ich mit extra ein gutes Gerät gekauft.“ Bearbeitet würden aber nur diejenigen Fotos, „die ich gerade brauche.“

Sein Hobby Fotografieren zum Beruf zu machen, das kam für Hauser nie in Frage. „Ich hatte ja einen guten und interessanten Beruf.“ Dazu kamen noch weiter Hobbys wie der Sport, Hauser war unter anderem Jugendleiter im Verein, oder als aktiver im Schützenverein, auch bei Rundenwettkämpfen.

In den örtlichen Heimatbüchern sind Hausers Fotos zu finden. Am Mittwoch, 21. September, zeigt Hauser bei einer Veranstaltung des Heimatkundekreises um 19.30 Uhr im Gasthof Neuwirt in Zorneding eine Auswahl seiner Bilder.

Von Robert Langer

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