Mächtige Zähne hat der Bohrkopf, der in die Tiefe getrieben wird. Diese Bild entstand auf der Geothermie-Bohrstelle in Vaterstettens nördlicher Nachbargemeinde Poing. Foto: Dzienmballa

Geothermie: Jetzt können die Bohrer kommen

Vaterstetten/Zorneding - Bald wird das heiße Wasser tief in der Erde angezapft. In einer gemeinsamen Sitzung gaben die Gemeinderäte aus Grasbrunn, Vaterstetten und Zorneding den Startschuss für das Geothermieprojekt. Der Beschluss im Bürgerhaus Neukeferloh war fast einstimmig.

Die knapp 60 Millionen Euro Investitionskosten für Bohrung, Aufbau der Energiezentrale und Teilausbau des Wärmenetzes in geplanten sechs Bauabschnitten trägt die deutsch-isländische Geysir-Gruppe, ein Fachunternehmen und Spezialist für Energiegewinnung aus geothermalen Niedertemperaturquellen mit Büro in Grünwald (Landkreis München). Die Gemeinden geben für die erste Bohrung ein Darlehen von insgesamt fünf Millionen Euro, also 1,7 Millionen je Kommune. Dieses Darlehen können sie sich, wenn die Geothermie läuft, langfristig zurückzahlen lassen, oder es in einen Anteil an der Produktionsfirma oder an der künftigen Vertriebsfirma umwandeln. Zu dem Darlehen kommen als Ausgaben die bisherigen Planungskosten, rund 300 000 Euro je Kommune.

Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) betonte in der gemeinsamen Sitzung der drei Gemeinderäte, dass mit dem Startschuss „noch keine Entscheidung pro oder kontra Geothermie“ getroffen sei, sondern nur ein „weiteres Verhandlungsmandat“. Seine Kollegen Robert Niedergesäß (CSU) aus Vaterstetten und Piet Mayr (CSU) aus Zorneding sehen es offensichtlich anders. Für sie ist die Hauptentscheidung gefallen. Von einem zu Ende gehenden „langen, steinigen Weg“ seit den ersten Überlegungen im Juli 2006 und der „echten Chance, das Projekt jetzt umzusetzen“, sprach Niedergesäß.

Den Durchbruch habe es im vergangenen Herbst gegeben, so Korneder, als man mit den Grünwalder Spezialisten, der Exorka GmbH, einem Tochter Unternehmen der Geysir Europe Gruppe, Kontakt aufnahm. Diese Firma habe, anders als die 36 Investoren, die man seit 2009 kontaktierte, erstmals nicht schnelle und hohe Renditeerwartungen im Blick, sondern eine fundierte, langfristige Planung. Niedergesäß sprach von den Eckpunkten der Verträge und der Absicherungen, die man mit Hilfe des erfahrenen GGSC Anwaltsbüros festgezurrt habe.

Wo es die erste Bohrung geben wird und wer als erster Nutzer einen Anschluss an diese Wärmeleistung erhalte, sei unwichtig, betonte Mayr: „Das Projekt muss als Umweltprojekt und nicht als Finanzprojekt gesehen werden. Wir freuen uns, dass wir dabei sind. In der Endausbaustufe wird ein Viertel der Landkreis-Bevölkerung mit regenerativer Wärme versorgt.“

Der Bohrplatz, so Curd Bems, Geschäftsführer der Exorka GmbH und Mitinhaber der Geysir-Gruppe, werde nach geologischen Gesichtspunkten gewählt. Wie es derzeit aussehe, werde es wohl der Standort an der B 304 werden und dann zunächst Gebiete in Vaterstetten erschlossen. Bems stellte klar: „Wir werden die Abschnitte, die wirtschaftlich sind, zuerst ausbauen.“ Korneder dazu: „In jeder der drei Gemeinden gibt es Haushalte, die es wert sind, angeschlossen zu werden. Aber die genaue Lage ist Sache der Investoren.“

Niedergesäß verwies auf Vaterstettens Ortszentrumsplanung mit 6000 Quadratmeter Einkaufszentrum, die aufgrund des hohen Energiebedarfs sicher interessant wäre, mit Geothermie versorgt zu werden: „Dort, wo die Geothermie vorbeiläuft, schließen wir sie natürlich auch an unsere Liegenschaften an.“ Doch wo sie vorbeiläuft, das entscheiden der Investor.

Bems fasste den Sachstand des Projektes so zusammen: „Die Chemie der drei Gemeinde stimmt, was so nicht überall der Fall ist. Nun schauen wir, ob die Geologie passt.“ (agm)

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