Freundliche Atmosphäre im Garten: Gertrud Hanslmeier-Prockl, Gesamtleiterin des Einrichtungsverbundes Betreuungszentrum Steinhöring, im Gespräch mit Robert Bösl, Vorsitzender der Verwaltungsgesellschaft (l.), und Markus Pesch, Bereichsleiter für das Wohnhaus Eglharting.   Foto: s. Rossmann

Vorzeigeprojekt hat Geburtstag

Kirchseeon - Eltern bauten vor 15 Jahren ein Wohnhaus für behinderte Kinder in Eglharting direkt neben den Werkstätten. Die Einrichtung hat sich bewährt.

Es ist eine Erfolgsgeschichte. 1999 taten sich Eltern zusammen, um für ihre Kinder mit Handicap Wohnraum zu schaffen. Adäquate Unterkünfte waren damals rar. Gleichzeitig sollte die Investition die Zukunft der Kinder sichern und ein weitgehend eigenständiges Leben ermöglichen. Fertig war das Haus vor 15 Jahren. Heute ist die Anlage in Eglharting, eingebunden in den Einrichtungsverbund Steinhöring, immer noch ein Vorzeigeprojekt. Am kommenden Wochenende wird gefeiert.

„Ich bin damals rumgefahren und habe mir Einrichtungen angeschaut, um Fehler zu vermeiden“, so Robert Bösl, ehrenamtlicher Vorsitzender der Verwaltungsgesellschaft Eglhartinger Wohnhaus. Etwas ähnliches, wie es sich die Eltern vorstellten, gab es in der Stiftung Attel, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Anton Karl, zu dieser Zeit Leiter in Steinhöring, hatte sich für das Elternmodell eingesetzt, mit überzeugenden Argumenten.

Von der Politik wurde damals die Losung ausgegeben: „Daheim statt Heim.“ Bedeutete auch: Staatliche Zuschüsse waren für ein Wohnprojekt wohl kaum zu erwarten. Daraus machten die Eltern einen Pluspunkt. Das Wohnhaus mit den 22 Plätzen auf zwei Etagen wurde komplett privat finanziert Damit machten sich die Initiatoren auch frei von möglichen Vorgaben eines Zuschussgebers. „Wir konnten uns selbst für einen Bauunternehmer entscheiden und mussten nicht den günstigsten nehmen“, so Bösl. Es war ein Millionenprojekt, für das sich Bösl von Anfang an intensiv engagiert. „Diese Baustelle forderte mir wirklich alles ab“, gestand er später.

Die einzelnen Wohneinheiten wurden großzügiger gestaltet als üblich. Jeweils zwei Einzelzimmer erhielten als günstige Variante zusammen ein Badezimmer. Das kann separat von beiden Seiten abgeschlossen werden. Gemeinschafsräume fördern das Gefühl der Zusammengehörigkeit. „Es ist hier wie in einer großen Familie“, so Markus Pesch, Bereichsleiter für das Wohnhaus Eglharting.

Im Mai 1999 wurde die Verwaltungsgesellschaft gegründet, ein Jahr später war Grundsteinlegung, am 1. Juli 2001 konnten die Bewohner einziehen. Die katholische Jugendfürsorge, zu der der Einrichtungsverbund Steinhöring gehört, kaufte sich ebenso ein wie der Verein Lebenshilfe. Die Eltern haben sich genaue Regeln gegeben. „Wir wollten auch ganz bewusst Spekulationen mit den Wohnungen verhindern.“

Das Wohnhaus liegt direkt neben den Eglhartinger Werkstätten, quasi einer Außenstelle der Steinhöringer Einrichtung. Die Werkstätten waren nach einer Planungszeit von zehn Jahren 2000 eröffnet worden, ein Jahr vor dem Wohnhaus. Sie zeichnen sich vor allem durch eine Großwäscherei aus, bieten aber auch Arbeitsplätze für Behinderte in vielen anderen Bereichen.

„Diese räumliche Nähe war uns ganz wichtig“, so Bösl. Das Wohnhaus sollte nicht irgendwo auf der „grünen Wiese“ stehen. Die Bewohner essen mittags in der Kantine, am Abend wird gemeinsam gekocht. Sie kaufen auch selbstständig ein. „Die Kinder sind unabhängiger. Das war auch unser Ziel“, so Bösl. Die Eltern sind weiter Eigentümer der Wohnungen, können sie aber an ihre Kinder vererben. Die Nutzung ist an eine Behinderung gebunden.

Gertrud Hanslmeier-Prockl, heute Leiterin des Einrichtungsverbundes, lobt das Projekt und vor allem die Eltern, die sich so intensiv engagierten. „Deshalb ist es so gut gelaufen.“ Nachahmerpropjekte täten sich aktuell schwer, so Bösl. Zumeist hapere es an der Finanzierung. Schließlich seien auch die Grundstückspreise in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Termin

Die Eglhartinger Werkstätten laden am Sonntag, 11. September, von 11 bis 17 Uhr zu ihrem Sommerfest ein. In der Einrichtung am Westring 4 im Westen des Ortes (Gemeinde Kirchseeon) bereitet die hauseigene Küche Schmankerl zum Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen zu. Begleitet wird das Fest von der Band „Diri Dari“. Kinder können sich beim Dosenwerfen austoben, den Barfußpfad im Innenhof erkunden, sich beim Kinderschminken fantasievoll bemalen lassen. Die Erwachsenen können unter anderem das Wohnhaus besichtigen.

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