So sah der Siegerentwurf aus dem Wettbewerb für das neue Baugebiet aus. Foto: jro

Mehrheit will ein neues Dorf

Vaterstetten - Bürgermeister Georg Reitsberger spricht von „historischem Moment“. In der Gemeinde Vaterstetten soll neuer Wohnraum für 1500 Menschen entstehen.

Es ist ein deutlicher Zuwachs an Gemeindebürgern im Nordwesten von Vaterstetten. Dort entsteht Wohnraum für rund 1500 Menschen, quasi ein neues Dorf. Jetzt wurde im Bauausschuss der Gemeinde der Bebauungsplan verabschiedet - mit großer Mehrheit. Bürgermeister Georg Reitsberger (Freie Wähler) sprach von einem „historischen Moment“. Und Baumatsleiterin Brigitte Littke erklärte: „Die Bauträger stehen schon in den Startlöchern.“ Es gebe 830 Interessenten für Wohnen in diesem Gebiet, der Großteil komme aus Vaterstetten. Für das Einheimischenmodell hätten sich 400 Interessenten eingetragen.

Stefan Huber (CSU) betonte: „Es war ein langer, langer Prozess. Am Ende des Tages ist etwa sehr Gutes dabei heraus gekommen.“ Huber bedankte sich bei der Verwaltung für die umfangreiche Arbeit.

Zustimmung auch bei der SPD. „Für uns war wichtig, dass der soziale Wohnungsbau berücksichtigt wird“, so der stellvertretende Bürgermeister Günter Lenz. Auch das Einheimischenbauland sehen die Genossen positiv. Und Lenz hob hervor, dass nicht vor allem private Bauträger den Gewinn einsteckten. Die Gemeinde erhalte durch den Verkauf ihrer dortigen Grundstücke über 30 Millionen Euro. Das Geld soll nun zum Bau der neuen Schule verwendet werden.

Das neue Baugebiet ist jedoch nicht unumstritten. Für die Grünen ist das Projekt einfach zu groß. Fraktionssprecher Axel Weingärtner verwies darauf, dass der Zuzug auch eine notwendige Anpassung der Infrastruktur bedeute, beispielsweise mehr Kindergartenplätze. Es werde mehr Autos geben. Ein schönes Naherholungsgebiet werde tangiert. Die Kommune wachse viel schneller, als man gemeinsam im Gemeindeentwicklungsprogramm GEP festgelegt habe. Weingärtner hätte sich mehr Ehrlichkeit gewünscht. Sinn und Zweck des Baugebiets sei die Gewinnerzielung. Zunächst sollte der Erlös zur Finanzierung des neuen Ortszentrums dienen, jetzt für die neue Schule.

Für Herbert Uhl (Freie Wähler) ist der Lärmschutz unzureichend. Er verwies auf die Stellungnahme des Landratsamtes Ebersberg im Verfahren. Die Leute müssten sich hinter Schallschutzfenstern verschanzen, so Uhl. Da könne man ja gleich an den Mittleren Ring in München ziehen. „Da habe ich zumindest eine vernünftige Verkehrsanbindung.“

Die Reaktion von Bauamtsleiterin Brigitte Littke kam prompt: Man solle nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wohnen am Mittleren Ring habe eine ganz andere Qualität. Ob Uhl dort schon einmal spazieren gegangen sei, so ihre rhetorische Frage. Die Gemeinde habe zu diesem Thema Rechtsanwälte eingeschaltet. Das Landratsamt Ebersberg weiche von dem ab, was andere Landratsämter forderten.

Weiter kritisierte Uhl, dass die Gemeinde Vaterstetten einfach über die Bedenken der Nachbargemeinden Grasbrunn und Haar wegen der steigenden Verkehrsbelastung hinweggehe.

Der Anstieg liege an der „allgemeinen Verkehrsentwicklung“, so die Antwort von Littke. „Was ist denn die Ursache dafür?“, konterte Uhl. Das sei doch „nicht gottgegeben“, die Ursache seien Baugebiete wie dieses.

„Jetzt muss ich aber einschreiten“, so Vizebürgermeister Martin Wagner (CSU). Gerade Grasbrunn habe auf Vaterstettener Seite Gewerbegebiete gebaut. „Wir haben dagegen Prozesse geführt, über drei Instanzen, und verloren.“ Und auch Haar habe überhaupt keinen Grund „mit dem Finger auf uns zu zeigen“.

Benedikt Weber (CSU) ärgerte die Kritik. Wer gegen dieses Baugebiet sei, der müsse erklären, wie die neue Schule finanziert werden solle. Die Schule ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde.

Konter von Manfred Schmidt (FBU/AfD): Die Gemeinde habe in den letzten drei Jahrzehnten nicht gut gewirtschaftet, habe Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit grob vernachlässigt. Schmidt wandte sich grundsätzlich gegen das Baugebiet, bezeichnete Stellungnahmen der Gemeinde im Verfahren als „abenteuerlich“. Den Siedlungsdruck wollte er als Argument nicht gelten lassen. „Sollen sie doch in Castrop-Rauxel bleiben können oder in Mecklenburg Vorpommern.“ Das veranlasste Josef Schmid (CSU) zu der Bemerkung in Richtung des ehemals auch zugezogenen Manfred Schmidt: „Unsere Vorgänger hätten das auch machen können, bevor Sie gekommen sind.“

Bürgermeister Reitsberger, wie Uhl Freier Wähler, lobte das Großprojekt, besonders die „Durchgrünung“, die vorgesehenen Streifen, die nach außen führen. Die zukünftigen Bewohner würden daran Freude haben. Reitsberger gab jedoch auch zu bedenken, dass man sich eine derartige Durchgrünung in Zukunft wohl nicht mehr leisten könne.

Von Robert Langer

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