Strommasten in der Gemeinde Kirchseeon

Energiewende

Kirchseeon will Stromnetz zurück 

Kirchseeon - Kirchseeon spricht sich für Übernahme der Leitungen durch die Kommune aus. Rekommunalisierung des Stromnetzes nennt man das, ein landkreisweites Projekt.   Finanziellen Gewinn soll es der Gemeinde auch bringen.

Dass die Kirchseeoner Gemeinderäte kein einziges Wort für eine Aussprache zur Rekommunalisierung des Stromnetzes verschwendeten, sondern gleich einstimmig dafür waren, hat seine Vorgeschichte. Schon längst nämlich stehen in der Marktgemeinde die Zeichen auf „Übernahme“.

Dass dem so ist, liegt zu einem guten Teil an Udo Ockel (CSU). Denn Kirchseeon hat zu dieser Frage vorgearbeitet. Vorarbeiten müssen, weil die Gemeinde im Zeitablauf mit den anderen Landkreiskommunen eben die erste war, die sich mit der Frage zu befassen hatte. Damals seien „alle mit Verve dabei gewesen“, erinnerte der Bürgermeister an die Recherchesitzungen mit kundigen Rechtsanwälten. „Jetzt also zu sagen, wir machen nicht mit“, sei kaum zu erwarten, so Ockel.

Dass bislang nichts aus der Übernahme des Stromnetzes geworden ist, hat einen einfachen Grund: Die Marktgemeinde ist für einen Alleingang schlicht zu klein, weshalb sich das Vorhaben nicht wirtschaftlich darstellen ließ. Kirchseeon verlängerte im vergangenen Jahr seinen Vertrag mit dem Netzbetreiber um 20 Jahre, setzte aber ein Sonderkündigungsrecht durch, damit es alsbald im Verein mit anderen Gemeinden richtig durchstartet kann.

Zudem hatte bei der Vorstellung des gemeindlichen Energienutzungsplans im vergangenen November Landkreis-Klimaschutzmanager Hans Gröbmayr angesichts der 2021 und 2022 in vielen Landkreisgemeinden auslaufenden Konzessionsverträge für die Stromleitungen appelliert, das Leitungsnetz dann möglichst wieder in kommunale Hände zurückkehren zu lassen. Dafür werde auch ein regionales Energieversorgungsunternehmen gegründet, bei dem die vorhandenen Biogasanlagen untereinander vernetzt würden und das den „Eber-Strom“ vertreibe. Entstehen werde so ein kommunales Energieeffienz-Netz, das zu einer Stromeinsparung von bis zu 30 Prozent führe. Mindestens acht Landkreisgemeinden müssen laut Gröbmayr in der Startphase mitmachen.

An diesem Netz sich zu beteiligen, sagte Bürgermeister Ockel schon im November mit der Rückendeckung seiner Gemeinderäte zu. Noch einen anderen Grund führte Ockel jetzt in der Sitzung ins Feld. Er hofft, dass unterm Strich schon ein erkleckliches Sümmchen für jede Gemeinde hängen bleiben würde. Kreisweit geht es laut Ockel um 200 000 Euro, „vielleicht eine halbe Million“. Gröbmayr wird gar nachgesagt, schon von einer siebenstelligen Summe geredet zu haben. Für Ockel gibt es in diesem Zusammenhang noch ein „entscheidendes Indiz“, um der vom Kreistag angestrebten Rekommunalisierung des Stromnetzes zuzustimmen: Dass nämlich „der derzeitige Netzbetreiber dieses ums Verrecken bei sich behalten will“.

Einstimmig wurde Ockel beauftragt, bei der nächsten Generalsversammlung der Regenerative Energie Ebersberg eG (REGE) für die Vorbereitung einer eigenen Bewerbung oder eines anderen gemeinsamen Unternehmens der Gemeinden im Landkreis zu stimmen. In einem Großteil der Landkreisgemeinden enden die aktuellen Stromnetzverträge vor dem Jahr 2022. Spätestens zwei Jahre, bevor die Konzessionsverträge auslaufen, müssen die Gemeinden bundesweit neu ausschreiben. Für die weiteren Planungen der REGE fallen für Kirchseeon Kosten in Höhe von 14 404 Euro an, die im Erfolgsfall aus den erwirtschafteten Beträgen zurückgezahlt werden. Dass die REGE auch Fördermittel für die interkommunale Zusammenarbeit beantragt, wurde ebenfalls einstimmig abgesegnet. Vorgesehen ist, über die Genossenschaft REGE und die Gemeinden 51 Prozent der Stromversorgung in kommunaler Hand zu haben und 49 Prozent für die technische Seite des Netzbetriebs an einen oder mehrere noch zu bestimmende Partner zu geben. Ein Plan, der freilich nur mit großer Beteiligung der Landkreis-Kommunen funktioniert. (er)

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