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Am Ebersberger Amtsgericht erschien der wegen Bedrohung angeklagte Obdachlose in Weiß gekleidet. Er muss 100 Euro Strafe zahlen.

Obdachloser geriet mit Hundehaltern in Streit

Streitbarer Prediger aus dem Wald

Vaterstetten – Ein obdachloser Vaterstettener, der christlich-esoterische Texte verfasst, soll nachts im Wald Passanten bedroht haben. Nun musste er in Ebersberg vor Gericht.

In einem Wald bei Vaterstetten wohnt ein Mann in einem Zelt. Seit ungefähr zehn Jahren lebt er da, 65 Jahre ist er alt. Nun musste der Obdachlose in Ebersberg vor Gericht. Der Vorwurf: Er soll eine Passantin bedroht haben.

Mit weiß-gelblichem Vollbart, weißer Kappe und weißem Hemd sitzt der Mann groß und dünn auf der Anklagebank. Als die Richterin ihn bittet, die Kappe abzunehmen, folgt er, wenn auch ungern. Mit mildem österreichischen Akzent trägt der gebürtige Linzer seinen Einwand vor: „Ich gehöre zur weißen Bruderschaft.“

Sein Geld steckt er in seine Predigt-Mission

Seinen ganzen Verdienst, das auf Hartz-IV-Satz aufgestockte Obdachlosengeld, gibt er dafür aus, über seinen alten Laptop im Internet christlich-esoterische Texte zu veröffentlichen. „Das was ich mir vorgenommen habe, dient zur Erhebung der Menschheit“, sagt er zu Richterin Vera Hörauf. Doch an diesem Tag muss er sich für einen wenig erhebenden Wortwechsel rechtfertigen.

An einem Abend im März begegnet der Vaterstettener Eremit auf einem Feldweg unterwegs zu seinem Zelt im Dunklen einem Paar mit drei Hunden. Da sich der Obdachlose oft von Hundehaltern heimgesucht sieht, entspinnt sich ein Streit. „Wenn ich dich noch einmal hier sehe, steche ich dich mit dem Dolch ab“, habe der Mann am Ende zu ihr gesagt, sagt die Bedrohte, eine 33-jährige Vaterstettenerin, als Zeugin aus.

Aus Angst mit dem Dolch gedroht?

Der Obdachlose schildert die Sache so: „Wenn ihr hier immer so herumschleicht, muss ich noch meinen Dolch rausholen“, habe er gesagt. Er habe sich von den Hunden bedroht gefühlt und Angst um seine wenigen Habseligkeiten gehabt. „Man ist vogelfrei als Obdachloser“, sagt er. Dabei habe er gar keinen Dolch, sondern besitze als Veganer nur ein Teppichmesser zum Tomatenschneiden.

Der Mann habe nicht körperlich aggressiv gewirkt, sagt auch das Paar aus. Er sei bei seiner Drohung zurückgewichen. Zur Polizei seien die beiden gegangen, weil öfter Menschen an der Stelle vorbeikämen, und sie Angst gehabt hätten, der Mann könnte Giftköder für die Hunde auslegen.

Milde Geldstrafe, die dennoch schmerzt

Der Mann hat in seinem Obdachlosen-Leben 22 Vorstrafen angesammelt, meist wegen Beleidigung, Diebstahls oder Schwarzfahrens. Trotzdem, für eine Bedrohung halten ihn weder Staatsanwalt noch Richterin, auch weil die letzte Verurteilung 17 Jahre her ist.

Vera Hörauf verurteilt ihn wegen seiner „besonderen Situation“ zu einer geringen Geldstrafe von zehn Tagessätzen à zehn Euro. Außerdem muss er die Prozesskosten tragen. „Ich kann das nur in Raten zahlen“, sagt der Obdachlose sichtlich getroffen. Er sei unschuldig. An Richterin und Staatsanwalt richtet er eine Mahnung: „Wenn wir uns auf der anderen Seite sehen, werdet ihr vor den richtigen Richter gestellt.“

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