„Da sind viel zu viele große Bedenkenträger am Werk.“Albrecht Herold, der einen eine Art kostenlosen Taxidienst für Senioren anbieten möchte

Weiter warten auf das Senioren-Taxi

Vaterstetten - Seit Januar prüft Gemeinde Vorschläge, um das Bussystem zu verbessern. Bewegt hat sich noch nicht viel.

Wie kommen Senioren in der Großgemeinde Vaterstetten nach der Umstellung der Buslinien zum Einkaufen oder zum Friedhof? Mit zusätzlichen freiwillligen Leistungen wie einem Ruftaxi, bezahlt durch die Gemeinde, tut sich die Kommune angesichts der angespannten Finanzlage schwer. Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) setzt lieber auf ehrenamtliches Engagement. Doch wie das funktionieren soll, ist immer noch nicht klar. Gespräche gab es unter anderem mit der Nachbarschaftshilfe und Taxifahrern. In die Überlegungen einbezogen sind der VdK und der „Beirat älterer Bürger“. Im Juni soll es erneut ein Treffen geben. Doch warum dauert das so lange? „Es ist immer schwierig, für so viele Teilnehmer einen gemeinsamen Termin zu finden“, so Reitsberger.

Hintergrund: Mit dem neuen Fahrplan im Dezember vergangenen Jahres gab es auch Veränderungen in der Linienführung. Dahinter steckte die Optimierung der Strecken. Und natürlich war es eine Frage der Finanzen. Auch eine Arbeitsgruppe des Gemeinderats hatte sich zuvor intensiv mit dem Thema beschäftigt.

Doch eine ganze Reihe meist älterer Bürger fühlten mit den neuen Regelungen regelrecht abgehängt, vor allem rund um das Rossini-Zentrum und das Altenheim St. Korbinian. Es folgten heftige Proteste. Beklagt wurden weitere Wege und längere Zeiten, um beispielsweise von Baldham aus den Friedhof oder das Rathaus zu erreichen. Eine Unterschriftenaktion wurde geplant. Als die Kritik nicht verstummte, reagierte die Gemeinde. Das Linienkonzept wurde geändert, das Altenheim wieder angeschlossen. Dennoch blieben viele Fragen offen.

Da machte Albrecht Herold, damals 81 Jahre alt, einen Vorschlag. Er wollte eine Art privaten und kostenlosen Taxidienst anbieten und dafür auch die notwendigen Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Bei der Organisation des Dienstes sah er allerdings die Gemeinde in der Pflicht. Das war Mitte Januar.

„Sehr löblich“, so damals die Reaktion von Bürgermeister Reitsberger. Man sei in der Verwaltung gerade dabei, das zu prüfen. Der Rathauschef hatte jedoch einige Bedenken, beispielsweise, ob er ein kostenloses Angebot, wie er Herold vorschlägt, offiziell als Bürgermeister empfehlen dürfe. Schließlich könnte man dadurch örtlichen Taxifahrern schaden. Ganz ablehnen wollte Reitsberger den Ansatz aber nicht.

In einem gemeinsamen Antrag an den Bürgermeister ebenfalls im Januar, hatten CSU, FW, SPD sowie die Grünen gefordert, Alternativen und mögliche Ergänzungen zu prüfen, um das Bus-System besser zu gestalten. Angedacht wurden Ansatzpunkte wie ein Anrufsammeltaxi, ein Rufbus oder ein Bürgerbus mit ehrenamtlicher Komponente. Das Rathaus sollte dazu im Herbst Ergebnisse vorlegen.

Albrecht Herold geht das alles viel zu langsam. „Der Bedarf ist doch da, da muss man doch handeln können. Die Trägheit im Rathaus ist unglaublich.“ Reitsberger habe ihn zuletzt im April angerufen und nachgefragt, ob sein Angebot noch aufrecht erhalten werde. „Natürlich“, hab er dem Bürgermeister gesagt, so Herold. „Seitdem ist nichts passiert.“ Man müsse die Öffentlichkeit über die Möglichkeiten informieren, so Herold. „Das hat aber keinen Sinn, wenn es nichts konkretes gibt.“ Der Senior sieht bei diesem Thema viel zu viele „große Bedenkenträger“ am Werk.

Man habe inzwischen sehr viele Möglichkeiten geprüft, so Reitsberger auf Anfrage der der Ebersberger Zeitung. Für möglich hält er unter anderem eine Art Fahrgemeinschaft, um zum Einkaufen oder zum Arzt zu kommen. Das könnten die Betroffenen auch untereinander organisieren. Die Gemeinde könne und dürfe das nicht übernehmen, auch aus juristischen Gründen. „Davon wurde uns dringend abgeraten.“ Andererseits könne aber bei einer „praktizierten Nachbarschaftshilfe“ jeder selbst entscheiden, bei wem er mitfahre oder wen er mitnehme. Das sei dann ebenfalls mit Blick auf die Versicherung lösbar.

Auch andere Vorschläge und Lösungen aus dem gesamten Bundesgebiet seien abgewogen worden. Da gebe es beispielsweise ein Projekt mit „roten Bänken“. Dort könnten sich mögliche „Fahrgäste“ hinsetzen und damit signalisieren, dass sie mitgenommen werden möchten. Angeboten wie einem Ruftaxi erteilte Reitsberger eine Absage. Einen derartigen Service könne die Gemeinde angesichts der angespannten Gemeindekasse nicht finanzieren. Die Kommune werde im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs sowieso schon durch die so genannte Segmüller-Linie stark in Anspruch genommen. Die bisherige Unterstützung durch die Gewerbetreibenden laufe 2017 aus. Dann werde Vater-stetten wohl das Defizit aus dem Betrieb dieser Linie selbst übernehmen müssen.

Ein Projekt möchte Reitsberger jedoch voran treiben. Kinder sollen nach seinem Wunsch künftig die Busse im Gemeindegebiet kostenlos nutzen können. „Da stoße ich aber noch auf taube Ohren.“ Und die Senioren? Eine mögliche Lösung wäre laut Reitsberger ein kleiner Bus, der zwei Mal in der Woche jeweils für ein paar Stunden fährt. Entschieden sei jedoch noch nichts. Aber noch vor der Sommerpause solle es konkreter werden, so der Bürgermeister.

Von Robert Langer

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