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Entspannt: Gartlervorstand Franz Bichlmeier am Teich, in dem sich kleine Molche und Wasserschnecken heimisch fühlen.

Vaterstettener Verein gestaltet kleinen Park

Schmuckstück in der Gartenstadt

Vaterstetten - Es ist ein Schmuckstück, was Mitglieder des Vereins für Gartenbau und Ortsverschönerung Vaterstetten aus dem Grundstück an der Waldstraße, schräg gegenüber des Thorak-Geländes, gemacht haben. Innerhalb von wenigen Monaten entstand auf dem Areal ein Querschnitt durch unterschiedliche Garten-Gestaltungsformen.

Rechts sind auf einem flachen Hügel mit grobem Sand und Steinen die besonderen Pflanzen des Gebirges zu sehen, in der Mitte liegt ein Teich, in dem sich kleine Molchen tummeln und links im dämmrigen Schatten sollen aus Birkenstämmen einmal Pilze wachsen. Knorrige Wurzeln ziehen den Blick auf sich. Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein.

Noch wird emsig gearbeitet, noch ist das Projekt nicht fertig und wird es wohl auch nie werden, wenn es nach Vereinsvorstand Franz Bichlmeier geht. Ein Garten soll nämlich nie statisch sein, sondern ständig wachsen, meint er. 

Gäste sind willkommen. Denn die Anlage soll Vereinsgarten, Schaugarten und Lehrgarten in einem sein. Auch Kinder sollen angesprochen werden. Deshalb werden auch Beerensträucher gepflanzt, damit ein „Naschgarten“ entsteht. Die Vaterstettener Gartler planten schon seit einigen Jahren, einen Vereinsgarten anzulegen. Es fehlte jedoch an einem Grundstück. Dann kam im Winter 2014/15 ein Angebot der Gemeinde. Die Kommune wurde in einem Testament bedacht. Zum Erbe gehörte auch ein rund 600 Quadratmeter großes Areal, das aus einer Wiese mit wenigen Bäumen bestand. Die Gemeinde wurde verpflichtet, daraus einen Schaugarten zu machen. Dafür ist jetzt der Gartenbauverein zuständig, abgesichert durch einem Pachtvertrag über 30 Jahre für null Euro. In Erinnerung an die Erblasserin heißt die Anlage übrigens „Rohrer-Loderer-Garten“.

Vor der Entscheidung über das Projekt hatte der Vorstand seine Mitglieder befragt. Bei einem ersten Aufruf zur Mitarbeit hatten sich mehr als 30 Interessierte gemeldet. „Allein mit den Vorstandsmitgliedern als Aktive hätten wir das Projekt nicht angepackt“, so Bichlmeier. Als weiterer Schritt wurde eine Planungsgruppe gegründet mit Maria Wirnitzer, Wolfram Franke, Stefan Ruoff, Franz Bichlmeier sowie zeitweise Gerd Reich und Hans Gunszt. Hinzu kam etwas später auch Claus Ortner. Die Gruppe trifft sich regelmäßig. Festgelegt wurde: Der Garten sollte in Modulen gestaltet werden. Für die einzelnen Unterprojekte gibt es jeweils Verantwortliche. So kümmert sich beispielsweise Wolfgang Remmele, ein Spezialist für die Flora im Gebirge, um den Alpingarten. Andere Vereinsmitglieder sind für den Gemüsegarten zuständig, in dem schon Kürbisse, Kohlrabi, Zucchini, Tomaten und Bohnen wachsen. Die Beete sind mit massiven Baumstämmen eingefriedet. In der Nähe gedeihen Stockrose, Malve und Sonnehut.

Einige Bereiche, wie etwa die Wiese, werden auch gemeinsam bearbeitet. Für Kinder wird ein Sandkasten angelegt. „Mehr brauchen wir nicht“, so Bichlmeier. „Gegenüber auf dem Thorak-Gelände gibt es einen großen Spielplatz." Unterstützt werden die Gartler vom gemeindlichen Bauhof. Auch Bürgermeister Georg Reitsberger steht dem Projekt sehr positiv gegenüber. Schließlich war er vor seinem Einzug ins Rathaus Vorsitzender der Gartler. Er lobte den gemeinsamen Einsatz. Und Reitsberger könnte sich solche kleinen Parks auch auf anderen Grundstücken im Gemeindebereich vorstellen. 

Der Verein versucht, für seinen Garten so wenig wie möglich Geld auszugeben. Mitglieder spenden Pflanzen. „Viele Sachen sind aus einem anderen Garten“, so Wirnitzer. Aus einer Baumfällaktion im Kindergarten Maria Königin stammen zudem 15 kurze Robiniestämme und sechs Birken. Aus Hergolding kamen durch Vermittlung von Anni Bichlmaier rund 15 Quadratmeter Münchner Gehsteigpflaster.

Gemeinsam wurden Wege auf dem Gelände angelegt, mit unterschiedlichen Materialien von Holz über Kies bis zu Pflaster. Im hinteren Bereich des Grundstücks steht das Gartenhaus mit einem abgetrennten Bereich für Werkzeug und Geräte. Im großen Raum soll es später gemütlich werden. Geplant ist hier unter anderem in einem Regal Gartenfachbücher unterzubringen. Das Gelände hat keinen Stromanschluss. Überlegt wird jedoch, auf dem Dach des Häuschen eine Fotovoltaikanlage zu errichten. Über ein Nachbargrundstück läuft die Wasserversorgung. Mit den Nachbarn wurde auch das ganze Projekt abgesprochen.

Eine Terrasse gibt es auch schon. In nächster Zeit soll noch eine Pergola entstehen. Wein und Kiwi könnten dort wachsen. Schräg hinter dem Häuschen, von Büschen verdeckt, ist der Kompost, günstig gebaut aus senkrecht aufgestellten Holzpaletten.

Für die Pilzzucht ist Friederike Mugele zuständige, Kreisvorsitzende der Gartenbauvereine. An einer schattigen Stelle werden Holzstämme „geimpft“. Wachsen sollen Shiitake, Austernpilze, Toskana und Limonensaibling. Zunächst aber heißt es warten. Es kann schnell gehen. „Es kann aber auch fünf oder sechs Jahre dauern“, weiß Mugele. Auch das wäre zu verkraften, weil es im kleinen Park der Gartler sicher ständig etwas Neues zu entdecken geben wird. Denn der Garten lebt.

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