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In ihrer Wut haben die Tullinger Feuerwehrkameraden das alte Fahrzeug einfach vors Steinhöringer Rathaus gestellt. Den Schlüssel übergaben sie Bürgermeister Alois Hofstetter.

Weil sie sich von der Gemeinde schlecht behandelt fühlt

Tullinger Feuerwehr stellt ihr Auto vors Rathaus und tritt in Streik

Steinhöring - Eine Feuerwehr protestiert: Die Tullinger haben ihr einziges Feuerwehrfahrzeug stillgelegt. Besser gesagt, der Gemeinde zurückgegeben, samt Schlüssel. Streik für einen Tag. „Ich bin maßlos enttäuscht vom Gemeinderat“, sagt der Tullinger Kommandant, Florian Thurnhuber.

Der Streik ist eine Aktion seiner Mannschaft, die mit über 30 Aktiven von 15 bis 61 Jahren bei der Steinhöringer Gemeinderatssitzung am Dienstag erscheint. Es geht um die Anschaffung eines neuen Löschfahrzeugs für die Tullinger Wehr und die Erstellung eines Feuerwehrbedarfplans für die ganze Gemeinde.

Zunächst debattiert das Plenum den Bedarfsplan. Am Ende entscheidet man sich mit großer Mehrheit dafür. Dann geht es darum, das neue Löschfahrzeug LF sofort zu beauftragen. Ergebnis: 8:8 – abgelehnt. Dass der Gemeinderat anschließend beschließt, das Feuerwehrfahrzeug nach Fertigstellung des Bedarfsplans, also frühestens in einem halben Jahr, zu bestellen, bekommen die Feuerwehrler gar nicht mehr mit. Sie haben schon vorher kopfschüttelnd und leise grummelnd den Saal verlassen.

Kommandant Thurnhuber: „Meine Mannschaft will damit ein Zeichen setzen"

Eine halbe Stunde später dann der Eklat: Der ganze Tross kommt wieder hoch in den Sitzungssaal. FFW-Vorstand Benno Moritz tritt vor und überreicht Bürgermeister Alois Hofstetter (CSU) den Schlüssel des Einsatzfahrzeuges. „Den könnt ihr haben, bis alles geklärt ist“, sagt er, dreht sich um und verlässt unter dem Applaus der Mannschaft und mit ihr das Rathaus. Das Einsatzfahrzeug haben sie derweil direkt vor dem Steinhöringer Verwaltungsgebäude abgestellt.

„Das steht jetzt auf Status 6“, erklärt Kommandant Thurnhuber am Mittwochvormittag. Das bedeutet: nicht einsatzbereit. Erst gegen Abend wollen die Tullinger wieder ihren regulären Dienst aufnehmen. „Meine Mannschaft will damit ein Zeichen setzen. Irgendwann muss man doch auch als kleiner Bürger was sagen dürfen.“

Fahrzeug ist 29 Jahre alt und seit drei Monaten ohne TÜV

Thurnhuber war bei der Aktion nicht mehr dabei. „Ich hab das nervlich nicht mehr ausgehalten.“ Im Januar, so Thurnhuber, habe er dem Gemeinderat einen längeren Vortrag gehalten, warum und welches Fahrzeug die Tullinger Wehr brauche. „Da wurde konkret abgesprochen, dass das Löschfahrzeug LF10 unabhängig von einem Befarfsplan angeschafft werden soll.“

Das alte Fahrzeug, ein Modell TSF ist heuer 29 Jahre alt. In der Sitzung sagte Bürgermeister Alois Hofstetter (CSU) noch: „Eigentlich ist das Auto nicht funktionstüchtig.“ Nun, das wird sich bei der anstehenden Hauptuntersuchung herausstellen. Der „TÜV“ ist jedenfalls schon seit drei Monaten abgelaufen.

Helfer rücken teils im Privatwagen an

Die Tullinger Feuerwehr ist eine von dreien in der Gemeinde Steinhöring und leistet Hilfe bei Bränden, Verkehrsunfällen, Stürmen, Überschwemmungen und anderen Notfällen. Im Einsatzfall können sechs Helfer im alten Fahrzeug mitfahren. Zehn bis 20 Kräfte müssen laut Thurnhuber mit ihren Privatwagen zum Einsatzort hinterherfahren.

„Wenn wir das neue Fahrzeug bekommen, sind wir für die Zukunft top aufgestellt“, sagt Kommandant Thurnhuber. Und: „Meine ganze Mannschaft steht dahinter.“

Das neue Fahrzeug kostet die Gemeinde mit oder ohne Bedarfsplan 300 000 Euro, abzüglich Fördermittel vom Staat. Thurnhuber: „Finanzen sollten eigentlich zweitrangig sein. Wir wollen nur helfen. Sonst nichts."

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