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Die Zornedinger wünschen sich, dass nach dem Wirbel um die Morddrohungen gegen ihren ehemaligen Pfarrer wieder Ruhe im Ort einkehrt.

Längst nicht alles beim Alten

Nach Rassismus-Prozess: Zorneding will zurück zur Normalität

Zorneding - Hinter der Gemeinde Zorneding liegen stürmische Monate. Nun soll wieder Ruhe einkehren, darauf hoffen die Bürger. Doch es steht ein schlimmer Verdacht im Raum.

Zorneding sorgt für internationales Medienecho

Die rassistischen Morddrohungen gegen Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende waren international durch die Presse gegangen waren. Nun ist ein 74-Jähriger aus dem Münchner Stadtteil Hasenbergl am Amtsgericht Ebersberg zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Täter war wohl durch Medienberichte auf den Fall aufmerksam geworden.

Zornedings Bürgermeister Piet Mayr.

In Zorneding sorgt das Urteil für Erleichterung. Darüber, dass es einen Schuldspruch gab, aber auch darüber, dass die Geschichte ein vorläufiges Ende gefunden hat. „Ich finde das Urteil zu milde“, sagt Zornedings Bürgermeister Piet Mayr (CSU). Er hätte sich gewünscht, dass in dem Fall ein Exempel statuiert worden wäre. Nun hoffe er aber, dass der Fall für seine Gemeinde erledigt ist: „Die Leute wünschen sich, dass Ruhe einkehrt.“

"Brutal schade" sei der Weggang des Pfarrers

Ähnlicher Ansicht ist auch der Kirchenpfleger Herbert Bauer. Als „brutal schade“ bezeichnet er den Weggang Ndjimbi-Tshiendes nach fast drei Jahren in der Gemeinde. Man habe in der Kirchenverwaltung gut zusammengearbeitet. Anders als in anderen Gemeinden habe die Hautfarbe keine Rolle gespielt, der Ansicht sei auch der Pfarrer gewesen.

Auch dessen Wunsch sei es, dass es nun ruhiger um Zorneding wird. Dass nicht alle traurig darüber sind, dass der Pfarrer die Gemeinde verlassen hat, will der Kirchenpfleger nicht schönreden. „Es gibt sicher welche, die sagen: ,Gut, dass er weg ist.’ Solche Leute wird es immer geben.“

"Der Betrieb muss weiterlaufen"

Für die Kirchenverwaltung sei der Verlust des Pfarrers auch in organisatorischer Hinsicht schwierig gewesen. „Wir haben 60 Angestellte – wie ein mittelständisches Unternehmen“, umreißt Bauer die Herausforderung. „Der Betrieb muss weiterlaufen.“

Das tut er zunächst unter dem Übergangspfarrer Ionel Anghel. Im kommenden März soll, so hoffen die Zornedinger, ein Seelsorger auf Dauer gefunden sein.

Es bleibt die Erinnerung, an einen, mit dem der Betrieb gelaufen ist. Es habe zwar mehrere Gründe für den Weggang von Olivier Ndjimbi-Tshiende gegeben, sagen manche in der Pfarrgemeinde. Doch der Verlust habe eine Lücke gerissen. „Wir fühlen uns wie Waisenkinder“, formulierte es die Zornedingerin Ingeborg Römer, die als Zuschauerin zu dem Prozess am Montag gekommen war.

Hoffnung, dass das Urteil ein Zeichen setzt

Der ehemalige Zornedinger Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende wartet am Amtsgericht Ebersberg auf den Prozessbeginn. Er war als Zeuge geladen.

Dort war auch Grünen-Gemeinderat Moritz Dietz mit der amtierenden Pfarrjugendleiterin, Anne Böck, und ihrem Vorgänger, Ludwig ter Westen. Die drei freuten sich sichtlich, ihren ehemaligen Pfarrer wiederzusehen. Viele aus der Gemeinde hätten noch Kontakt zu Ndjimbi-Tshiende, sagt Dietz. Er wünscht sich „dass das Urteil ein Zeichen an andere ist.“ Pfarrjugendleiterin Böck hofft, dass Zornedings Ruf nicht dauerhaft gelitten hat. „Wir sind kein braunes Dorf“, sagt sie.

Zwei Drohschreiben dürften aus der Gemeinde stammen

Erschütternd sei deshalb, so Böck weiter, dass zwei weitere Drohschreiben – insgesamt waren es fünf – an den Pfarrer wohl aus der Gemeinde kamen. Dies hatte beim Prozess der ermittelnde Staatsschutzbeamte ausgesagt. Das aus den Schreiben hervorgehende Insiderwissen deute darauf hin. „Ich bedaure das sehr“, sagt auch Rathauschef Mayr. Auf dem Weg zurück zur Normalität ist damit in der Gemeinde Zorneding längst nicht alles beim Alten.

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