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Ihr Verhältnis dürfte sich etwas eingetrübt haben: Zornedings Bürgermeister Piet Mayr und die umstrittene CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher.

Zornedinger sorgen für Wirbel

CSU-Chefin hetzt gegen Flüchtlinge

Zorneding  - Entsetzen quer durch die politischen Lager. Die Zornedinger CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher hetzt gegen Flüchtlinge, spricht von einer „Invasion“. Auch Parteifreunde distanzieren sich.

Im Magazin der örtlichen CSU, „ZornedingReport“, schreibt Boher, sie wolle zum kritischen Hinterfragen anregen, ohne eine eigene Meinung zu äußern. Doch dann stehen in dem Artikel Sätze wie: „Bayern wird in diesen Tagen überrannt. Das, was wir heute erleben, ist eine Invasion.“ Oder: „Heute wird uns von den Links dominierten Medien weiß gemacht ein Militärdienstflüchtling aus Eritrea ist mit einem Heimatvertriebenen Deutschen des 2. Weltkriegs gleichzusetzen.“

Boher listet die Leiden der deutschen Vertriebenen auf, die ihre Heimat verloren hätten, weil ihre Gebiete „von den Siegermächten erobert“ worden seien. Von der ansässigen Bevölkerung im Westen seien die Vertriebenen nicht nur mit Begeisterung empfangen worden. „Kostenlose Verpflegung, Unterkunft und Taschengeld: Fehlanzeige. Integrationsbeauftragte: Fehlanzeige. Psychologen für die traumatisierten Vertriebenen oder die Mütter mit den Kindern, die die amerikanischen Bombennächte in den Luftschutzkellern in München überstanden haben: Fehlanzeige!“

Boher fragt: „Was würde Franz Josef Strauß dazu sagen, dass die von deutschen Staatsbürgern gewählten Volksvertreter auf allen Ebenen weit größere Solidarität mit Flüchtlingen aus aller Welt zeigen, als mit den eigenen Bürgern.“ Würde Strauß die gewählten Volksvertreter zu „unseren“ Armen“ schicken, „damit sie ihnen in die Augen sehen, wenn sie sagen, wir haben leider keine zusätzliches Geld für unsere Bedürftige, denn wir sind solidarisch mit der Welt und wir müssen erst die Armut der Welt lindern, bevor wir etwas für unsere eigenen Bürger tun.“

Noch eine Frage von Boher: Was würde wohl Strauß zum heutigen Politikgeschehen sagen? „Würde er seine Nachfolger loben oder würde er ein totales Politikversagen konstatieren? Würde er gar glauben, wir leben in einem Gottesstaat, in dem ein protestantischen Pastor aus der ehemaligen DDR Bundespräsident und eine FDJ Funktionärin und Pastorentochter Bundeskanzlerin ist?“

Bürgermeister Piet Mayr: "Einzelmeinung und nicht die Meinung der CSU-Mitglieder in Zorneding"

Die Reaktionen auf Boher sind deutlich: „Das ist eine Einzelmeinung und nicht die Meinung der CSU-Mitglieder in Zorneding. Natürlich ist es auch nicht meine Meinung“, betont Zornedings Bürgermeister Piet Mayr. Man müsse die Angelegenheit jetzt „zeitnah“ klären. „Wir werden mit Frau Boher diskutieren, wie es mit ihr weitergehen soll.“

Ähnlich Christian Czirnich, Geschäftsführer der Zornedinger Christsozialen: „Ich distanziere mich davon. Die Kolumne wurde von Boher geschrieben, ich habe den Text vor der Veröffentlichung nicht gesehen.“

„Ich bin geschockt“, reagiert Bettina Zetzl, Kreisvorsitzende der Frauen Union (FU). Dem Vorstand der FU gehört Boher an. Das Gremium werde die Veröffentlichung thematisieren, so Zetzl. Zunächst sei dies aber eine Angelegenheit der Zornedinger CSU. „Ich beobachte das sehr aufmerksam“, erklärt Zetzl. „Unter den Tisch kehren kann man das nicht.“

Vizebürgermeisterin Bianka Poschenrieder (SPD) spricht bei Boher von einem „isolierten Verhalten". „Wir können froh sein, dass Zorneding mehr bunt als braun ist.“ Sie sei von einer Reihe von Leuten gebeten worden einzuschreiten, so Poschenrieder. „Ich werde jetzt zunächst mit dem Bürgermeister reden.“

Der Zornedinger Grünen-Gemeinderat Helmut Obermaier wird deutlich: „Wir sind entsetzt.“ Ähnliche Kommentare sei man von Boher schon seit Jahren gewohnt. In der CSU reagiere aber niemand und Boher werde immer wiedergewählt. Sie fische am „rechten Rand“ nach Stimmen. „Das Schlimme ist, dass sie nicht gestoppt wird und offensichtlich einen Freibrief hat.“

„Wir kennen die Querschüsse von Frau Boher“, erklärt Wilhelm Ficker von den Freien Wählern. Damit würden Ängste geschürt. „Ich hoffe, dass die Ansichten von Frau Boher kein Gehör finden.“

„Die persönlichen Äußerungen von Frau Boher sind sehr pointiert und zugespitzt, sie stellen ausschließlich ihre private Meinung dar“, betont der CSU-Kreisvorsitzende Thomas Huber. Er teile die Ansichten von Boher nicht. Sie könne nicht für sich in Anspruch nehmen, für die CSU zu sprechen. „Ich habe mit Frau Boher gesprochen“, so Huber. Der Ortsvorstand Zorneding werde sich damit auseinandersetzen. „Zudem werde ich das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Kreisvorstands setzen, da ich der Meinung bin, dass dies auch dort behandelt werden muss."

Robert Langer

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