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Im Bereich der Shelter, den früheren bombenfesten Kampfflugzeug-Unterständen, sollen die Zeltstätten für bis zu 5000 Flüchtlinge aufgeschlagen werden.

Bis zu 5000 Flüchtlinge im Fliegerhorst Erding

Der Bund schweigt, Erding schäumt

Erding - 5000 Flüchtlinge im Fliegerhorst – diese Exklusivnachricht unserer Zeitung ist am Montag in Erding eingeschlagen wie eine Bombe. Auch die Politik wurde eiskalt erwischt, sie wirft dem Bund Verschleierung vor. Derweil beginnen die Aufbauarbeiten für das Groß-Quartier.

Im Fliegerhorstbereitet man sich seit dem Wochenende auf die Ankunft von anfangs 1000, später bis zu 5000 Flüchtlingen vor. In den nächsten Wochen soll es losgehen. Es handelt sich um einen so genannten Warteraum Asyl. Die Ankömmlinge werden maximal drei Tage bleiben, vom Bundesamt für Migration registriert und dann übers Bundesgebiet verteilt werden. Nach Informationen unserer Zeitung wird das Lager im Bereich der ehemaligen Flugzeug-Shelter rund um die stillgelegte Startbahn aufgeschlagen. Die Jet-Unterstände aus teils meterdickem Beton sollen in der kalten Jahreszeit Witterungsschutz bieten.

Zur Entscheidung für den Standort Erding sagte Tobias Plate, Sprecher von Bundesinnenminister Thomas de Maizière, dem Erdinger/Dorfener Anzeiger: „Die behördlichen Anlaufstellen in Grenznähe müssen entlastet werden. Deswegen richten wir so genannte Warteräume ein.“ Die Erkundung, so Plate weiter, sei vom Technischen Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz vorgenommen worden. Entschieden habe man sich schließlich für Feldkirchen bei Straubing und Erding. In Niederbayern sind mittlerweile die ersten Flüchtlinge im Warteraum. Wann das in Erding der Fall sein wird, ist offen. Derzeit wird aufgebaut.

Diese Arbeiten haben es in sich. Das Generalsekretariat des DRK in Berlin teilte mit, dass in Feldkirchen 20 DRK-Helfer aktiv seien, dazu Kräfte des THW. Unterstützt würden sie von Kräften des amerikanischen, des kanadischen und des norwegischen Roten Kreuzes. 15 000 Feldbetten wurden eingeflogen, da dieses Mobiliar vor Ort längst ein rares Gut ist. Weiter wird sich das DRK um Versorgung und sanitätsdienstliche Betreuung kümmern.

Auf den Fliegerhorst kommen werden die Flüchtlinge von der B 388 durch das Südtor an der Rotkreuzstraße. Landrat Martin Bayerstorfer geht davon aus, dass es zeitweise über 100 Busse pro Tag sein werden – viel Verkehr für die beschauliche Siedlung.

Viele Bürger fragen sich nun, ob die Flüchtlinge in der Kaserne bleiben müssen, oder sich frei bewegen dürfen. Um die Antwort drückten sich auf mehrfache Nachfrage sowohl die Regierung von Oberbayern als auch die Innenministerien in München und Bayern. Möglicherweise nicht ohne Grund: Denn nach unseren Recherchen gibt es das Recht auf freie Bewegung in der Stadt. Die Sicherheitskräfte vor Ort stellt das vor enorme Herausforderungen.

Weiterhin herrscht Rätselraten, wie der militärische Betrieb weiterlaufen soll, wenn dort tausende Flüchtlinge einquartiert werden. Dazu erklärte stellvertretender Kommandeur Oberst Stefan Schmid-Schickhardt im Gespräch mit unserer Zeitung: „Klar ist, dass wir unseren Auftrag erfüllen müssen.“ Deswegen will die Luftwaffe auch keine Gebäude freigeben, die sie selbst nutzt, etwa die Flugzeug-Hallen.

Befürchtungen, etwa das Materialdepot mit teils sicherheitsrelevanten Ausrüstungsgegenständen mit Millionenwerten sei nicht mehr ausreichend geschützt, zerstreute Schmid-Schickhardt: „Da kann die Bevölkerung sicher sein. Das wird alles intensiv bewacht.“

Oberbürgermeister Max Gotz ist stinksauer. „Die Informationspolitik ist unerträglich. Die Aufnahme der Flüchtlinge bekommen wir hin. Ich rechne aber mit einer langfristigen Herausforderung.“ An der zentralen Besprechung hätten nicht einmal Vertreter des Bundesinnenministeriums und des Migrationsamtes teilgenommen, sondern nur Hilfsorganisationen. Oberbayerns Regierungspräsident Christoph Hillenbrand hat nach Erinnerung Gotz’ lediglich lapidar angemerkt, dass eine Unterrichtung der Behörden vor Ort „weder vorgesehen noch erforderlich“ sei. Froh ist Gotz, dass sich mittlerweile Staatskanzleichef Marcel Huber und Sozialministerin Emilia Müller klar von dieser Haltung distanziert hätten. Hillenbrand bestreitet, diese Äußerung getätigt zu haben.

Von der Nachricht überrascht wurde auch CSU-Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz, der noch am Sonntagmorgen ein solches Zentrum ausgeschlossen hatte. Auch er kritisierte die Informationspolitik scharf. Für Lenz steht fest: „Warteräume können keine Dauerlösung sein.“ Allerdings sei die Bundeswehr der richtige Partner, um solche Herausforderungen zu meistern. Klar stellte er sich hinter die Auffassung Bayerstorfers, dass Erding mit der Belegung des Fliegerhorsts ab sofort keine weiteren Asylbewerber mehr zugewiesen bekommen dürfe: „Wir haben unsere Pflicht erfüllt.“

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